Top 43:
Kinder- und Jugendgesundheitsbericht für
Schleswig-Holstein
Landtagsbeschlüsse vom 25. Januar 2006 – Drucksache 16/517
und vom 12. Oktober 2006 – Drucksache 16/1015neu
Federführend ist das Ministerium für Soziales, Gesundheit,
Familie, Jugend und Senioren |
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Kindergesundheit:
Bericht belegt:
Niedriger sozialer
Status macht Kinder krank
Kiel (SHL/14.09.)
Gesundheitliche Defizite, Fehlernährung, hoher Alkohol- und
Drogenkonsum: Der Kinder- und Jugendgesundheitsbericht der
Landesregierung, den Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) dem
Landtag vorstellte, macht bei Schleswig-Holsteins Nachwuchs eine
Vielzahl von Problemen aus. Vor dem Hintergrund der Zahlen, die das
Robert-Koch-Institut kürzlich zusammengestellt hat, mahnten die
Abgeordneten fraktionsübergreifend Handlungsbedarf an. Nicht nur
Präventionsarbeit und Aufklärungsbemühungen seien von Bedeutung,
sondern auch die Bekämpfung der Armut. Denn: Ein wesentlicher
Faktor beim Wohlbefinden des Nachwuchses ist der soziale Status der
Eltern.
Den Daten zufolge sind Kinder aus Elternhäusern mit
einem niedrigen sozialen Status häufiger übergewichtig. Sie
rauchen mehr, sehen mehr Fernsehen, haben mehr Gewalterfahrungen,
sind depressiver und gehen seltener zu den Vorsorgeuntersuchungen.
Ministerin Trauernicht verwies auf eine Vielzahl von
Maßnahmen, die das Land schon auf den Weg gebracht habe, etwa das
Programm "Schutzengel" zur Vorbeugung gegen häusliche
Gewalt oder die Kampagnen "Fun statt Vollrausch" oder
"Nichtrauchen – tief durchatmen". "Es muss uncool
sein, zu rauchen", gab die Ministerin als Ziel aus. Trauernicht
verwies auch auf die Gesetze zur Einführung verpflichtender
Früherkennungsuntersuchungen und zum Schutz vor Passivrauchen, die
beide zurzeit in den Ausschussberatungen des Parlaments sind.
Die Opposition warf der Regierung
dennoch vor, die Probleme nicht konsequent genug anzugehen. So sei
das Essen in Schulen und Kindergärten häufig nicht ausgewogen (mehr
zu diesem Thema - Debatte in dieser
Tagung: ...gehe zu).
Und: Die verschiedenen Beratungs- und Vorsorgeangebote müssten in
einem landesweiten Konzept besser miteinander vernetzt werden.
Weitere Zahlen aus dem Bericht: 16,7 Prozent der
Mädchen und 13,9 Prozent der Jungen zwischen elf und 13 Jahren sind
übergewichtig oder fettsüchtig. Etwa jeder zehnte Erstklässler
galt 2005 zum Zeitpunkt der Einschulung als übergewichtig. Die
Studie stellt zudem heraus, dass 18 Prozent der
schleswig-holsteinischen Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren
rauchen, und dass 18 Prozent der Jungen nach eigener Angabe
wöchentlich harten Alkohol wie Schnaps trinken. Und: 47.500 junge
Menschen im Lande erleiden jedes Jahr einen Unfall, bundesweit ein
erhöhter Wert.
Der Sozialausschuss, der Bildungsausschuss sowie der
Innen- und Rechtsausschuss beraten weiter.
Weitere
Redner: Monika
Heinold (Grüne), Werner Kalinka (CDU), Siegrid Tenor-Alschausky
(SPD), Heiner Garg (FDP), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Der von den Grünen und der FDP angeforderte
Kinder- und Jugendgesundheitsbericht der Landesregierung
liegt dem Landtag zur Debatte vor.
Der Bericht stützt sich auf eine Studie des
Robert-Koch-Instituts, bei der bundesweit 19.600 Kinder
und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren befragt wurden,
davon 1.600 in Schleswig-Holstein (aus Kiel, Rendsburg,
Honigsee im Kreis Plön, Pinneberg und Büchen im Kreis
Lauenburg). Einige Schwerpunkte:
Rauchen: Der Studie zufolge rauchen 18
Prozent der schleswig-holsteinischen Jugendlichen im Alter
von elf bis 17 Jahren, der Bundesdurchschnitt liegt bei
20,4 Prozent. Innerhalb der Altersgruppe sind jedoch
große Unterschiede zu verzeichnen. Während bei den
Elf-Jährigen nur 0,4 Prozent angaben zu rauchen, waren es
bei den 17-Jährigen 40,2 Prozent. Neben dem Alter spielt
auch der soziale Status eine entscheidende Rolle beim
Rauchverhalten. Nach der Studie greifen 22,3 Prozent der
Elf- bis 17-Jährigen aus Familien mit niedrigem
Sozialstatus zur Zigarette. Demgegenüber rauchen nur 17
Prozent der Jugendlichen mit mittlerem und 14,5 Prozent
mit hohem Sozialstatus.
Drogen: Darüber hinaus wird der
Drogenkonsum der Jugendlichen in dem Bericht aufgenommen.
Demnach haben deutschlandweit zehn Prozent der 14- bis
17-Jährigen Mädchen im vergangenen Jahr Cannabis
konsumiert. In Schleswig-Holstein waren es sogar 15,4
Prozent. Beim Alkoholkonsum der schleswig-holsteinischen
Jungen verzeichnete das Robert-Koch-Institut ebenfalls
erhöhte Werte: 18 Prozent gaben an, wöchentlich harten
Alkohol wie Schnaps zu trinken. Allgemein fiel den
Wissenschaftlern auf, dass Schleswig-Holsteins Jugendliche
weniger Bier und weinhaltige Getränke, dafür aber
deutlich mehr harte Alkoholika als Gleichaltrige in
anderen Bundesländern trinken.
Ernährung: Mit Blick auf den allgemeinen
Gesundheitszustand stellt die Studie fest: Jedes fünfte
Kind hat kein normales Essverhalten. 16,7 Prozent der
Mädchen und 13,9 Prozent der Jungen zwischen elf und 13
Jahren sind übergewichtig oder fettsüchtig (adipös).
Etwa jeder zehnte Erstklässler galt 2005 nach
Informationen des Gesundheitsministeriums zum Zeitpunkt
der Einschulung als übergewichtig, 4,5 Prozent waren
adipös. (mehr zum Thema Ernährung in dieser
Tagung: ...gehe zu)
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