Kiel (lno/SHL/12.09.)
Trotz drohender Senkung der Fangquoten für Ostseedorsch kann
Schleswig-Holsteins Fischerei nach Ansicht des zuständigen
Ministers verhalten optimistisch in die Zukunft blicken. Diese
Schlussfolgerung zog Fischereiminister Christian von Boetticher
(CDU) aus einem Regierungsbericht zur Lage der Branche. Im Norden
und in Deutschland insgesamt gebe es keine Überkapazitäten,
EU-weit aber zu viele Fischereifahrzeuge für zu wenig Fisch.
Schleswig-Holstein habe nur eine relativ kleine Flotte in der
Kutter- und Küstenfischerei, sagte von Boetticher. "Deshalb
sind unsere Fischer eher die Leidtragenden, aber nicht die
Verursacher der Überfischung."
Für den Vorschlag der
EU-Kommission, die gesamte Fangmenge für Dorsch in der westlichen
Ostsee um 33 Prozent und in der östlichen Ostsee um 23 Prozent zu
senken, zeigte von Boetticher kein Verständnis. Verantwortlich
für die Überfischung beim Dorsch sei Polen. Polen soll in diesem
Jahr bereits dreimal so viele Dorsche gefischt haben als erlaubt.
"Der Fangstopp gegenüber Polen ist zu begrüßen. Warum aber
die Quoten im westlichen Teil der Ostsee reduziert wurden, kann
ich nicht nachvollziehen", sagte von Boetticher.
Auch Kritik an wachsender
Bürokratie
Auch die Abgeordneten übten
scharfe Kritik an den im Raume stehenden erneuten Einschränkungen
bei den Fangquoten. Zudem baue Brüssel immer neue bürokratische
Hürden auf. Klaus Klinckhamer (CDU) appellierte, die
Fang-Kürzung nicht hinzunehmen. "Es geht für einen
Großteil der Fischer im Land um die Existenz", sagte er.
Bernd Schröder (SPD) forderte schärfere Kontrollen im Bereich
der Schwarzanlandungen. "Ein fairer Wettbewerb muss möglich
sein und für alle gelten."
"Die EU hat viel zu lange
immer kompliziertere und kaum nachvollziehbare Richtlinien
geschaffen", bemängelte Günther Hildebrand. Der
FDP-Politiker verwies auf das Beispiel der Berufspraktikanten.
Für eine Schnupperwoche an Bord pochten die Seeämter auf
Formalitäten, die bei Zeit- und Kostenaufwand in keinem
Verhältnis ständen. Lars Harms vom SSW bezeichnete die Vielzahl
der EU-Richtlinien als "Bürokratie-Monster, das die
ordnungsgemäße Fischerei einschränkt."
Die Grünen zeigten sich über den
Bericht der Landesregierung, der auf 58 Seiten einen Überblick
zur Situation der Nord- und Ostseefischerei gibt, wenig erfreut.
"Es steht zu wenig über den Schutz der Meeresumwelt
drin", bemängelte Detlef Matthiessen. Er forderte
Ausgleichszahlungen für die Fischer, bis sich die Fischbestände
erholt haben.
Schleswig-Holsteins Kutterflotte
überaltert?
Regierungsangaben zufolge stehen
dem Fischereisektor bis 2013 insgesamt 32 Millionen Euro an
Fördermitteln zur Verfügung. Laut Bericht ist der Dorsch
weiterhin der wichtigste Fisch für die Fischer im Land. Im
vergangenen Jahr fingen sie davon in der Ostsee gut 4.900 Tonnen
und erzielten damit einen Erlös von 8,4 Millionen Euro. Beim
Hering stiegen die Anlandungen weiter auf 7.200 Tonnen, die einen
Erlös von 1,4 Millionen Euro brachten. 7.100 Tonnen
Nordseekrabben hatten einen Marktwert von 18,6 Millionen Euro.
Weitere Aussage des Berichts: In
der schleswig-holsteinischen Küstenfischerei sind auf der Nordsee
120 Kutter im Haupterwerb im Einsatz und auf der Ostsee 130. Die
Flotte ist überaltert: Nur jeder fünfte Kutter ist weniger als
20 Jahre alt; die Hälfte der Nordseekutter kommt auf mehr als 30
Jahre.
Der Bericht wurde zur weiteren
Beratung an den Umwelt- und Agrarausschuss sowie an den
Wirtschaftsausschuss überwiesen.