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Auf dieser Seite: Haushalt 2009/2010 / Erste Lesung

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Top 03:
a. Entwurf eines Haushaltsstrukturgesetzes zum Haushaltsplan 2009/2010

Gesetzentwurf der Landesregierung / Federführend ist das Finanzministerium
b. Finanzplan des Landes Schleswig-Holstein 2008 bis 2012

Bericht der Landesregierung / Federführend ist das Finanzministerium

Doppelhaushalt 2009/2010:

Koalition strebt verfassungsgemäßen Haushalt an und will in Zukunftsprojekte investieren – Opposition hat erhebliche Zweifel

Kreisreform bleibt Zankapfel zwischen CDU und SPD

Kiel (SHL/10.09.) Anlässlich der Haushaltsdebatte im Kieler Landtag hat der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) eine positive Bilanz der schwarz-roten Regierungspolitik gezogen: In den Bereichen Bildung, Infrastruktur, Forschung und Arbeit habe das Land in den letzten Jahren eine Reihe von Erfolgen verzeichnet, betonte der Regierungschef. „Diese Schwerpunkte", so Carstensen, „sind auch in diesem Haushaltsentwurf klar abzulesen".

Auch die Vertreter der Regierungsfraktionen lobten den Entwurf für den Doppelhaushalt 2009/2010 als zukunftsweisend. Der Etat erfülle erstmals seit 1996 die Verfassungsvorgabe, dass weniger Neuschulden aufgenommen werden als für Investitionen ausgegeben wird. Zudem enthalte er Einsparungen an den „schwierigsten Stellen" wie beim Landespersonal oder bei den Zuschüssen für die Kommunen . Die Opposition warf Schwarz-Rot dagegen „Konzeptionslosigkeit" vor. So hatte Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) erhebliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Doppelhaushalts: Wegen sinkender Steuereinnahmen und steigender Zinsen würden „der Landesregierung die Finanzen aus dem Ruder laufen".

Personaleinsparkonzept eine „Blamage"

Karl-Martin Hentschel (Grüne) bezeichnete das Personaleinsparkonzept der Landesregierung als „Blamage": Statt, wie zu Beginn der Wahlperiode angekündigt, 5.000 Stellen zu streichen, werde nun „nicht mal ein Zehntel" davon in die Tat umgesetzt. Gegen eine „Politik des Kürzens und Beschneidens" wandte sich Anke Spoorendonk (SSW). Sie warnte vor weiteren Abstrichen bei den Gehältern der Landesmitarbeiter und forderte mehr Geld für die Verkehrsinfrastruktur im nördlichen Landesteil und für die Hochschulen.

Disput um Verwaltungsreform

Differenzen innerhalb der Koalition traten beim Streitthema Verwaltungsreform zutage. Ministerpräsident Carstensen und CDU-Fraktionschef Johann Wadephul verwiesen auf ein neues Gutachten, das die Spareffekte der Reform statt wie bislang mit bis zu 61 Millionen Euro nur noch mit etwa 15 Millionen beziffert. Vor diesem Hintergrund mahnte Wadephul eine „sehr sorgfältige Analyse" an, in welcher Form die Neugestaltung noch sinnvoll sei. Demgegenüber sprach sich sein SPD-Gegenüber Ralf Stegner gegen ein „zahnloses Scheinreförmchen" aus und forderte eine „konsequente Struktur- und Kommunalreform". Die Differenzen innerhalb der Koalition riefen die Opposition auf den Plan: Schwarz-Rot sei in diesem wie in vielen anderen Bereichen nicht mehr zu verantwortungsvoller Politik fähig.

Wiegard setzt auf Föderalismusreform

Zuvor hatte Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) die erheblichen strukturellen Finanzprobleme des nördlichsten Bundeslandes in den Mittelpunkt gerückt. Der Weg zu einem ausgeglichenen Budget und zur Tilgung des 23-Milliarden-Schuldenbergs sei noch weit, so der Minister. Er appellierte deshalb an die anderen Bundesländer, im Rahmen der laufenden Beratungen zur Föderalismusreform eine Regelung zum Abbau der Altschulden zu finden.

Doppeletat umfasst rund 18 Milliarden Euro

Die Ausgaben sind für das Jahr 2009 mit 8,94 Milliarden Euro und für 2010 mit 9,16 Milliarden Euro veranschlagt. Die Nettokreditaufnahme soll mit 570 Millionen (2009) und 530 Millionen (2010) innerhalb der Verfassungsgrenze bleiben. Die Investitionsausgaben belaufen sich dem Entwurf zufolge in den kommenden beiden Jahren jeweils auf etwa 600 Millionen Euro. Kernpunkt auf der Ausgabenseite ist ein „Zukunftspakt" für Bildung und Wissenschaft mit einem Volumen von 120 Millionen Euro. Hiervon sollen die Betreuung der Kinder unter drei Jahren, das geplante beitragsfreie Kindergarten-Jahr, eine bessere Lehrerversorgung sowie die Spitzenforschung und zusätzliche Studienplätze finanziert werden.

Der Haushaltsentwurf und der Finanzplan wurden an den Finanzausschuss überwiesen.

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Nachfolgend Auszüge aus den Reden des Finanzministers, der Fraktionschefs sowie des Ministerpräsidenten

Finanzminister Rainer Wiegard (CDU)
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Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP)
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Johann Wadephul, CDU-Fraktionschef
...gehe zu
Ralf Stegner, SPD-Fraktionschef
...gehe zu
Karl-Martin Hentschel, Fraktionschef Bündnis 90 / Die Grünen
...gehe zu
Anke Spoorendonk, Vorsitzende des SSW im Landtag  ...gehe zu
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU)
...gehe zu

Finanzminister Rainer Wiegard (CDU):

„Die gute Nachricht – der Haushalt ist verfassungsgemäß." Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist in Schleswig-Holstein ein Ereignis. Zuletzt war es 1996 der Fall, dass die Summe der Investitionen die der Neuschulden überstieg. „Als politisch Verantwortlicher muss man sich eigentlich vor der Öffentlichkeit entschuldigen, dass die Vorgaben so lange nicht erfüllt worden sind. Dies ist kein ruhmreiches Kapitel unserer Geschichte." Die Verfassungsmäßigkeit des Haushaltes muss auch in Zukunft bestehen bleiben.

„Im Vergleich zu 2005 konnten die Investitionen in die Zukunft um 22 Prozent gesteigert werden. Das Land gibt 150 Millionen Euro mehr für die Verkehrsinfrastruktur, Ganztagsschule, Tourismusprojekte, Universitäten und bessere Betreuung unserer Kinder aus.

Es gibt aber auch schlechte Nachrichten: „Eigentlich dürften wir in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen gar keine neuen Schulden machen. Eigentlich müssten wir Rücklagen bilden und Schulden zurückzahlen." Seit 2005 werden nur Kredite aufgenommen um Zinsen zu bezahlen. Eine konsequente Tilgung der Altschulden ist „für Schleswig-Holstein nicht aus eigener Kraft zu schaffen".

Im Zuge der Föderalismusreform II muss zur Regelung der Finanzen eine gemeinsame Lösung für die Entschuldung der Länder her und gleichzeitig die Schuldengrenze festgelegt, die Investitions-Regel abgeschafft und ein Haushaltscontrolling eingeführt werden.

Es gibt keinen Spielraum für Steuersenkungen: „Ich möchte die 1,5 Milliarden Euro ausgelagerten Schulden aus dem Haushalt künftig wieder darstellen und in den Haushalt integrieren."

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Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP):

„Dieser Haushalt ist der Haushalt der verpassten Chancen und der Verzweifelung." Die Ausgaben steigen massiv an, von Haushaltskonsolidierung keine Spur.  Es fehlt eine Strategie zur strukturellen Einnahmeverbesserung, zur Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums und zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Die Regierung schafft keine Verwaltungsreform, keine Privatisierungen, keinen Abbau von Verwaltungsvorschriften, keine aktive Wirtschaftspolitik. „Das Ergebnis ist eine Mängelverwaltung zu Lasten der Bürger und der Beschäftigten im öffentlichen Dienst."

Das groß angekündigte Verwaltungsstruktur-Reformgesetz, das umfangreiche Bürokratieabbaumaßnahmen umsetzen sollte, ist still und leise ohne Ergebnisse begraben worden. Es gibt in der Koalition unterschiedliche Auffassungen in der Sozialpolitik, in der Wirtschaftspolitik und in der Energiepolitik. „In allen relevanten Politikfeldern herrscht Uneinigkeit. Und wo Uneinigkeit herrscht, da herrscht leider auch Stillstand."

Statt über Kooperationsräume, Flächen- und Bevölkerungsgrößen zu fabulieren, hätte die Koalition schon vor zwei Jahren anfangen müssen zu definieren, welche Aufgaben überhaupt noch erledigt werden müssen, um dann mit den Kommunen festzulegen, wer diese Aufgaben ausführt. „Dafür aber fehlt sowohl der SPD als auch der CDU der inhaltliche Wille." Stattdessen werden Gutachten nach Gutachten in Auftrag gegeben, bei denen die potentielle Einsparsumme immer kleiner wird.

Der Entwurf des Doppelhaushalts 2009/2010 zeigt, dass der Landesregierung die Finanzen des Landes aus dem Ruder laufen. „Mit diesem Haushalt täuscht die Koalition nicht nur die Bürger dieses Landes, sie täuscht vor allem sich selbst"

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Johann Wadephul, CDU-Fraktionschef:

„Wenn Sie (Wolfgang Kubicki) von Risiken des Haushalts sprechen, dann erwarte ich von einem Oppositionsführerführer auch mal ein eigenes Konzept – aber Fehlanzeige, da war überhaupt nichts zu hören." Rainer Wiegard ist der Schrittmacher für diesen verfassungsgemäßen Haushalt.

Den Kommunen wird einiges zugemutet. Dies ist „kein Zuckerschlecken", sondern Alttagsarbeit der Großen Koalition: „Den Weg werden wir weitergehen."

Immer noch ist die Ausgangslage schwierig, immer noch die Nettokreditaufnahme zu hoch. Daran sind – bis auf die Liberalen – alle Parteien im Landtag verantwortlich. „Auch die Haushaltspolitik der Union hat in den 80er Jahren nicht immer den Ansprüchen genügt."

Das von den Grünen vorgerechnete Einsparvolumen in Sachen Verwaltungsstrukturreform „erinnert mich an Graf Zahl in der Sesamstraße. Wir müssen uns an Zahlen orientieren, die seriös ermittelt worden sind." Die Fusions-Rendite muss über eine vernünftige Kostenberechnung errechnet werden. Mit der Großen Koalition ist „kein verfassungspolitischer Blindflug zu machen".

In der Schulpolitik wurden Ganztagsangebote ausgebaut und mehr Lehrer eingestellt. „Den Schülerinnen und Schülern muss niemand die neuen Schulen aufzwingen. Es gibt einen Run auf diese neuen Schulen. Es fühlt sich niemand irgendwo reingedrängt."

Schleswig-Holsteins Wirtschaft steht gut da. Die Unterschreitung der magischen Grenze von 100.000 Arbeitslosen ist machbar.

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Ralf Stegner, SPD-Fraktionschef

Die SPD-Fraktion bekennt sich ausdrücklich dazu, alle Anstrengungen für eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung zu unternehmen. „Wir sehen, dass wir trotz steigender Steuereinnahmen Probleme haben, allein die Minimalanforderungen finanziell zu bedienen. Wir sehen, dass wir für ein gesellschaftlich und wirtschaftlich zukunftsfähiges Schleswig-Holstein einen enormen Investitionsbedarf in den Bereichen Bildung und Betreuung haben."

Das Land braucht ein Zukunftspakt für Bildung, Kinderbetreuung und Familien. „Wir werden uns in diesen Haushaltsberatungen dafür stark machen, dass Bildung aller erste Priorität bleibt." Es gilt, die Kostenfreiheit für Bildungsangebote auf allen Ebenen zu erreichen: „Mit der SPD wird es Studiengebühren in Schleswig-Holstein nicht geben."

Wer Schwerpunkte setzt, muss sich darüber klar sein, dass andere Dinge dann nur in geringerem Maß gefördert werden können. Bei Bürokratieabbau und Posten kann gespart werden.

Ein Staat muss in der Lage sein, notwendige Zukunftsaufgaben zu finanzieren und auf konjunkturelle Schwankungen zu reagieren." Wenn die Zinsen jedoch, wie im Haushalt von Schleswig-Holstein, so hoch sind, dass sie den Haushaltsgesetzgeber knebeln, gibt es dringenden Handlungsbedarf.

Die SPD-Fraktion erwartet, dass die bestehenden Vereinbarungen mit der CDU bei der Föderalismusreform eingehalten werden, „zumal wir im Dezember mit dem Kompromiss zur Revisionsklausel in Sachen Kooperation statt Fusion weit auf unseren Koalitionspartner zugegangen sind." Jede Maßnahme im Land wird sich an der Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit messen lassen müssen.

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Karl-Martin Hentschel, Grünen-Fraktionschef

Das ist schon eine seltsame Haushaltsdebatte: Minister Wiegard erklärt, wie schwierig alles ist und bekommt kaum Beifall; und der SPD-Fraktionsvorsitzende Stegner hält eine Rede, als wolle er den Oppositionsführer in der Oppositionsarbeit übertrumpfen. „Konsolidieren, Investieren, Reformieren – das hatte sich die Landesregierung vorgenommen. Abkassieren, Rumlavieren und Blockieren – das ist die Realität."

Die 1,8 Milliarden Steuermehreinnahmen sind nicht Folge der Politik der Landesregierung, sondern der sinkenden Arbeitslosigkeit, des Wirtschaftswachstums und der Mehrwertsteuererhöhung. Bei dem vorgelegten Etat handelt es sich um einen „reinen Wahlkampfhaushalt". 

Wenn die CDU sich von einer großen Verwaltungsstrukturreform verabschiedet, „ist das der GAU dieser Landesregierung." Aus Angst vor kommunalen Parteikollegen verspielt die Union die Chance zum Ausgabenabbau.

Es fehlt Geld für die Gemeinschaftsschulen. Die Frage ist, ob die 150 nachträglich geschaffenen Stellen ausreichen werden. Unklar ist auch: Wie kann die Fort- und Weiterbildung der Lehrer bewerkstelligt werden? Dieser Haushaltsposten enthält 35 Euro pro Lehrer – „das ist eine Lachnummer." 

„Umweltpolitik ist der Steinbruch der Schwarzen. Hier feiert die Entbürokratisierung ihre Triumphe." Umweltpolitik kann auch „an den Bauernverband überwiesen werden".

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Anke Spoorendonk, Vorsitzende des SSW im Landtag

Die Regierung hat das Land nicht fit für die Zukunft gemacht. Durch das Wirtschaftswachstum sind die Steuereinnahmen angestiegen. Nun nähert sich der wirtschaftliche Aufschwung aber dem Ende. „Es ist fraglich, ob der Haushaltsentwurf den kommenden Herausforderungen auch gerecht wird." Die Eckpunkte sehen oberflächlich betrachtet nicht schlecht aus. Die Verfassungsmäßigkeit bleibt gewahrt. Aber trotz der höheren Steuereinnahmen gibt es kaum finanzpolitische Spielräume.

„Über 95 Prozent des Landeshaushalts sind in Beton gegossen, allein mit einer Politik des Kürzens und Beschneidens kann man die Zukunft des Landes nicht in den Griff bekommen." Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist für die Haushaltskonsolidierung viel wichtiger als harte Sparmaßnahmen. Höhere Investitionen des Landes sind gerade in beginnender Abschwungphase wichtig, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln.

Die Verwaltungsreform ist tot, die Regierung hat die Reform falsch angefasst. Sie „steht jetzt da wie im Märchen von Hans-Christian Andersen, sie hat nur Luftgewänder an."

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Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU)

„Wir haben die finanzpolitischen Weichen für die nächsten zwei Jahre gestellt. Wir haben wissenschaftliche Exzellenz im Land. Und: Wir sind die Brücke zwischen dem Ostseeraum und Mitteleuropa."

Die Unterzeichnung des Vertrages zur Fehmarnbelt-Brücke ist ein Beispiel für den wirtschaftlichen Aufbruch: „Ein Erfolg, der den Menschen nutzt." Die Arbeitnehmer, die jenseits der Grenzen arbeiten, haben Hypotheken der Vergangenheit abgetragen und für Zukunftsfähigkeit gesorgt.

Die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ist geschafft. Und: Die sozialste Politik ist es, aus Leistungsempfängern Beitragszahler zu machen.

Eine solide Haushaltspolitik ist die Voraussetzung dafür, bei den Verhandlungen über die Neuordnung der Finanzen zwischen Bund und Ländern erfolgreich zu sein. Es wächst die Bereitschaft bei anderen Ländern und im Bund, unseren Weg der Konsolidierung zu unterstützen.

Es ist notwendig, überall dort, wo es geht, zu sparen. Deshalb gilt es auch in der Verwaltung einzusparen. „Wir haben uns durchaus neu geordnet und vom Kopf auf die Füße gestellt."

Die Fusionsrendite für die Verwaltungsstrukturreform sollte konkret noch einmal berechnet werden. Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen – 12,8 bis 24 Millionen Euro – sind ernüchtert. Aber: „Wir dürfen nicht vergessen, was wir schon durch die Ämterfusionen erreicht haben." Das Gutachten wird sorgfältig ausgewertet und ist Grundlage für die Diskussion. Ziel ist die Einsparung und nicht die Neuordnung um jeden Preis.

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Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Landtag ihren Entwurf eines Doppelhaushaltes für die Jahre 2009 und 2010 vor. Zudem berät das Parlament den Finanzplan des Landes für die Jahre 2008 bis 2012 (s. Stichwort).

Die Ausgaben sind für das Jahr 2009 mit 8,94 Milliarden Euro und für 2010 mit 9,16 Milliarden Euro veranschlagt. Die Nettokreditaufnahme soll mit 570 Millionen (2009) und 530 Millionen (2010) erstmals seit Jahren innerhalb der Verfassungsgrenze bleiben. Das würde bedeuten: Die Summe der Investitionen liegt über der Neuverschuldung. Die Investitionsausgaben belaufen sich dem Entwurf zufolge in den kommenden beiden Jahren jeweils auf rund 600 Millionen Euro.

   Personalabbau geplant

Einsparungen hat die Landesregierung beispielsweise beim Personal vorgesehen. Im Stellenplan des Doppelhaushaltes fallen 1.915 Stellen weg. Diesen stehen 1.235 neue Stellen gegenüber, von denen 930 Lehrer sind. Im Saldo werden also 680 Stellen gestrichen. Für den Zeitraum ab 2011 ist in der Koalition vereinbart, dass aufgrund rückläufiger Schülerzahlen schrittweise 2.900 Lehrerstellen abgebaut werden.

Kernpunkt auf der Ausgabenseite ist ein "Zukunftspakt" für Bildung und Wissenschaft mit einem Volumen von 120 Millionen Euro. Hiervon entfallen zwölf Millionen auf Betriebskosten für die Betreuung der Kinder unter drei Jahren. 50 Millionen Euro sind für das geplante beitragsfreie Kindergarten-Jahr vorgesehen. Für eine bessere Lehrerversorgung an Gymnasien sowie Regional- und Gemeinschaftsschulen soll es in den beiden Haushaltsjahren jeweils 150 zusätzliche Lehrerstellen geben. Dafür werden insgesamt 22 Millionen Euro aufgebracht. 36 Millionen Euro fließen in Spitzenforschung und zusätzliche Studienplätze.

   Schuldenlast drückt den Etat

Schleswig-Holstein ist derzeit mit rund 23 Milliarden Euro verschuldet und muss deshalb jährlich eine knappe Milliarde für Zinsen ausgeben.

Debatte zu den ersten Eckwerten des Landeshaushalts:
plenum-online,
Juni 2008
Der letzte Doppelthaushalt für die Jahre 2007/2008:
plenum-online, Dezember 2006

Stichwort: Haushaltsplanung
Im Haushaltsplan, der aus den Einzelplänen und dem Gesamtplan besteht, sind alle Einnahmen und Ausgaben sowie Verpflichtungsermächtigungen des Landes für ein Rechnungsjahr eingestellt. Die Einzelpläne enthalten Einnahmen, Ausgaben und Verpflichtungsermächtigungen eines einzelnen Verwaltungszweigs oder von bestimmten Gruppen. Der Gesamtplan enthält eine Haushaltsübersicht und eine Finanzierungsübersicht sowie den Kreditfinanzierungsplan.

   Landesbedienstete kosten...

Der größte Block im Landesetat sind die Personalausgaben für etwa 69.500 Landesbedienstete, darunter Lehrer, Richter und Polizisten. Die größten Einzeletats stellen das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr und das  für Schulen und Hochschulen zuständige Bildungsministerium.

Der Entwurf des Haushaltsplans wird zusammen mit dem Entwurf des Haushaltsgesetzes von der Landesregierung beraten, beschlossen und in den Landtag eingebracht. Die parlamentarische Beratung umfasst zwei, auf Beschluss des Plenums drei Lesungen. 

   Alle Fachausschüsse prüfen

Nach der Ersten Lesung lässt der Landtag die Einzelheiten der Gesetzesvorlage nicht nur durch seinen Finanzausschuss prüfen. Auch die anderen Fachausschüsse diskutieren den Entwurf des jeweils in ihrem Fachbereich tätigen Ministerium. Die politische Diskussion über das Zahlenwerk beginnt allerdings schon bevor der Landtag sich damit befasst. Die Grundzüge des Doppelhaushalts 2009/2010 hatte die Landesregierung der Öffentlichkeit schon vor den Parlamentsferien im Frühsommer präsentiert (s. plenum-online, Juni 2008).

Das Gesetzgebungsverfahren schließt üblicherweise im Dezember mit der Zweiten Lesung ab. Anschließend wird das Haushaltsgesetz mit dem Gesamtplan vom Finanzminister des Landes und vom Ministerpräsidenten gegengezeichnet und im Gesetzblatt verkündet.

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