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Doppelhaushalt
2009/2010:
Koalition
strebt verfassungsgemäßen Haushalt an und will in Zukunftsprojekte
investieren – Opposition hat erhebliche Zweifel
Kreisreform bleibt Zankapfel zwischen CDU und SPD
Kiel (SHL/10.09.) Anlässlich
der Haushaltsdebatte im Kieler Landtag hat der
schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen
(CDU) eine positive Bilanz der schwarz-roten Regierungspolitik
gezogen: In den Bereichen Bildung, Infrastruktur, Forschung und
Arbeit habe das Land in den letzten Jahren eine Reihe von Erfolgen
verzeichnet, betonte der Regierungschef. „Diese
Schwerpunkte", so Carstensen, „sind auch in diesem
Haushaltsentwurf klar abzulesen".
Auch die Vertreter der Regierungsfraktionen
lobten den Entwurf für den Doppelhaushalt 2009/2010 als
zukunftsweisend. Der Etat erfülle erstmals seit 1996 die
Verfassungsvorgabe, dass weniger Neuschulden aufgenommen werden als
für Investitionen ausgegeben wird. Zudem enthalte er Einsparungen
an den „schwierigsten Stellen" wie beim Landespersonal oder
bei den Zuschüssen für die Kommunen . Die Opposition warf
Schwarz-Rot dagegen „Konzeptionslosigkeit" vor. So hatte
Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) erhebliche Zweifel an der
Verfassungsmäßigkeit des Doppelhaushalts: Wegen sinkender
Steuereinnahmen und steigender Zinsen würden „der Landesregierung
die Finanzen aus dem Ruder laufen".
Personaleinsparkonzept eine „Blamage"
Karl-Martin Hentschel (Grüne) bezeichnete das
Personaleinsparkonzept der Landesregierung als „Blamage":
Statt, wie zu Beginn der Wahlperiode angekündigt, 5.000 Stellen zu
streichen, werde nun „nicht mal ein Zehntel" davon in die Tat
umgesetzt. Gegen eine „Politik des Kürzens und Beschneidens"
wandte sich Anke Spoorendonk (SSW). Sie warnte vor weiteren
Abstrichen bei den Gehältern der Landesmitarbeiter und forderte
mehr Geld für die Verkehrsinfrastruktur im nördlichen Landesteil
und für die Hochschulen.
Disput um Verwaltungsreform
Differenzen innerhalb der Koalition traten beim
Streitthema Verwaltungsreform zutage. Ministerpräsident Carstensen
und CDU-Fraktionschef Johann Wadephul verwiesen auf ein neues
Gutachten, das die Spareffekte der Reform statt wie bislang mit bis
zu 61 Millionen Euro nur noch mit etwa 15 Millionen beziffert. Vor
diesem Hintergrund mahnte Wadephul eine „sehr sorgfältige
Analyse" an, in welcher Form die Neugestaltung noch sinnvoll
sei. Demgegenüber sprach sich sein SPD-Gegenüber Ralf Stegner
gegen ein „zahnloses Scheinreförmchen" aus und forderte eine
„konsequente Struktur- und Kommunalreform". Die Differenzen
innerhalb der Koalition riefen die Opposition auf den Plan:
Schwarz-Rot sei in diesem wie in vielen anderen Bereichen nicht mehr
zu verantwortungsvoller Politik fähig.
Wiegard setzt auf Föderalismusreform
Zuvor hatte Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) die
erheblichen strukturellen Finanzprobleme des nördlichsten
Bundeslandes in den Mittelpunkt gerückt. Der Weg zu einem
ausgeglichenen Budget und zur Tilgung des
23-Milliarden-Schuldenbergs sei noch weit, so der Minister. Er
appellierte deshalb an die anderen Bundesländer, im Rahmen der
laufenden Beratungen zur Föderalismusreform eine Regelung zum Abbau
der Altschulden zu finden.
Doppeletat umfasst rund 18 Milliarden Euro
Die Ausgaben sind für das Jahr 2009 mit 8,94
Milliarden Euro und für 2010 mit 9,16 Milliarden Euro veranschlagt.
Die Nettokreditaufnahme soll mit 570 Millionen (2009) und 530
Millionen (2010) innerhalb der Verfassungsgrenze bleiben. Die
Investitionsausgaben belaufen sich dem Entwurf zufolge in den
kommenden beiden Jahren jeweils auf etwa 600 Millionen Euro. Kernpunkt
auf der Ausgabenseite ist ein „Zukunftspakt" für Bildung und
Wissenschaft mit einem Volumen von 120 Millionen Euro. Hiervon
sollen die Betreuung der Kinder unter drei Jahren, das geplante
beitragsfreie Kindergarten-Jahr, eine bessere Lehrerversorgung sowie
die Spitzenforschung und zusätzliche Studienplätze finanziert
werden.
Der Haushaltsentwurf und der Finanzplan wurden an
den Finanzausschuss überwiesen.
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Nachfolgend Auszüge aus den
Reden des Finanzministers, der Fraktionschefs sowie des
Ministerpräsidenten
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Finanzminister
Rainer Wiegard (CDU)
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Oppositionsführer
Wolfgang Kubicki (FDP)
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Johann Wadephul,
CDU-Fraktionschef
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Ralf Stegner,
SPD-Fraktionschef
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Karl-Martin
Hentschel, Fraktionschef Bündnis 90 / Die Grünen
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Anke Spoorendonk, Vorsitzende des SSW im Landtag ...gehe
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Ministerpräsident
Peter Harry Carstensen (CDU)
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Finanzminister Rainer
Wiegard (CDU):
„Die
gute Nachricht – der Haushalt ist verfassungsgemäß." Was
eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist in
Schleswig-Holstein ein Ereignis. Zuletzt war es 1996 der Fall, dass
die Summe der Investitionen die der Neuschulden überstieg. „Als
politisch Verantwortlicher muss man sich eigentlich vor der
Öffentlichkeit entschuldigen, dass die Vorgaben so lange nicht
erfüllt worden sind. Dies ist kein ruhmreiches Kapitel unserer
Geschichte." Die Verfassungsmäßigkeit des Haushaltes muss
auch in Zukunft bestehen bleiben.
„Im Vergleich zu 2005 konnten die Investitionen in die Zukunft um
22 Prozent gesteigert werden. Das Land gibt 150 Millionen Euro mehr
für die Verkehrsinfrastruktur, Ganztagsschule, Tourismusprojekte,
Universitäten und bessere Betreuung unserer Kinder aus.
Es gibt aber auch schlechte Nachrichten: „Eigentlich dürften wir
in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen gar keine neuen Schulden
machen. Eigentlich müssten wir Rücklagen bilden und Schulden
zurückzahlen." Seit 2005 werden nur Kredite aufgenommen um
Zinsen zu bezahlen. Eine konsequente Tilgung der Altschulden ist „für
Schleswig-Holstein nicht aus eigener Kraft zu schaffen".
Im Zuge der Föderalismusreform II muss zur Regelung der Finanzen
eine gemeinsame Lösung für die Entschuldung der Länder her und gleichzeitig
die Schuldengrenze festgelegt, die Investitions-Regel abgeschafft
und ein Haushaltscontrolling eingeführt werden.
Es gibt keinen Spielraum für Steuersenkungen: „Ich möchte die
1,5 Milliarden Euro ausgelagerten Schulden aus dem Haushalt künftig
wieder darstellen und in den Haushalt integrieren."
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Oppositionsführer Wolfgang
Kubicki (FDP):
„Dieser
Haushalt ist der Haushalt der verpassten Chancen und der
Verzweifelung." Die Ausgaben steigen massiv an, von
Haushaltskonsolidierung keine Spur. Es fehlt eine Strategie
zur strukturellen Einnahmeverbesserung, zur Steigerung des
wirtschaftlichen Wachstums und zur Schaffung von neuen
Arbeitsplätzen. Die Regierung schafft keine Verwaltungsreform,
keine Privatisierungen, keinen Abbau von Verwaltungsvorschriften,
keine aktive Wirtschaftspolitik. „Das Ergebnis ist eine
Mängelverwaltung zu Lasten der Bürger und der Beschäftigten im
öffentlichen Dienst."
Das groß angekündigte Verwaltungsstruktur-Reformgesetz, das
umfangreiche Bürokratieabbaumaßnahmen umsetzen sollte, ist still
und leise ohne Ergebnisse begraben worden. Es gibt in der Koalition
unterschiedliche Auffassungen in der Sozialpolitik, in der
Wirtschaftspolitik und in der Energiepolitik. „In allen relevanten
Politikfeldern herrscht Uneinigkeit. Und wo Uneinigkeit herrscht, da
herrscht leider auch Stillstand."
Statt über Kooperationsräume, Flächen- und Bevölkerungsgrößen
zu fabulieren, hätte die Koalition schon vor zwei Jahren anfangen
müssen zu definieren, welche Aufgaben überhaupt noch erledigt
werden müssen, um dann mit den Kommunen festzulegen, wer diese
Aufgaben ausführt. „Dafür aber fehlt sowohl der SPD als auch der
CDU der inhaltliche Wille." Stattdessen werden Gutachten nach
Gutachten in Auftrag gegeben, bei denen die potentielle Einsparsumme
immer kleiner wird.
Der Entwurf des Doppelhaushalts 2009/2010 zeigt, dass der
Landesregierung die Finanzen des Landes aus dem Ruder laufen. „Mit
diesem Haushalt täuscht die Koalition nicht nur die Bürger dieses
Landes, sie täuscht vor allem sich selbst"
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Johann Wadephul,
CDU-Fraktionschef:
„Wenn Sie (Wolfgang Kubicki) von Risiken
des Haushalts sprechen, dann erwarte ich von einem
Oppositionsführerführer auch mal ein eigenes Konzept – aber
Fehlanzeige, da war überhaupt nichts zu hören." Rainer
Wiegard ist der Schrittmacher für diesen verfassungsgemäßen
Haushalt.
Den Kommunen wird einiges zugemutet. Dies ist „kein
Zuckerschlecken", sondern Alttagsarbeit der Großen Koalition:
„Den Weg werden wir weitergehen."
Immer noch ist die Ausgangslage schwierig, immer
noch die Nettokreditaufnahme zu hoch. Daran sind – bis auf die
Liberalen – alle Parteien im Landtag verantwortlich. „Auch die
Haushaltspolitik der Union hat in den 80er Jahren nicht immer den
Ansprüchen genügt."
Das von den Grünen vorgerechnete Einsparvolumen in
Sachen Verwaltungsstrukturreform „erinnert mich an Graf Zahl in
der Sesamstraße. Wir müssen uns an Zahlen orientieren, die seriös
ermittelt worden sind." Die Fusions-Rendite muss über eine
vernünftige Kostenberechnung errechnet werden. Mit der Großen
Koalition ist „kein verfassungspolitischer Blindflug zu
machen".
In der Schulpolitik wurden Ganztagsangebote
ausgebaut und mehr Lehrer eingestellt. „Den Schülerinnen und
Schülern muss niemand die neuen Schulen aufzwingen. Es gibt einen
Run auf diese neuen Schulen. Es fühlt sich niemand irgendwo
reingedrängt."
Schleswig-Holsteins Wirtschaft steht gut da. Die
Unterschreitung der magischen Grenze von 100.000 Arbeitslosen ist
machbar.
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Ralf Stegner,
SPD-Fraktionschef
Die
SPD-Fraktion bekennt sich ausdrücklich dazu, alle Anstrengungen
für eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung zu unternehmen. „Wir
sehen, dass wir trotz steigender Steuereinnahmen Probleme haben,
allein die Minimalanforderungen finanziell zu bedienen. Wir sehen,
dass wir für ein gesellschaftlich und wirtschaftlich
zukunftsfähiges Schleswig-Holstein einen enormen Investitionsbedarf
in den Bereichen Bildung und Betreuung haben."
Das Land braucht ein
Zukunftspakt für Bildung, Kinderbetreuung und Familien. „Wir
werden uns in diesen Haushaltsberatungen dafür stark machen, dass
Bildung aller erste Priorität bleibt." Es gilt, die
Kostenfreiheit für Bildungsangebote auf allen Ebenen zu erreichen:
„Mit der SPD wird es Studiengebühren in Schleswig-Holstein nicht
geben."
Wer Schwerpunkte setzt,
muss sich darüber klar sein, dass andere Dinge dann nur in
geringerem Maß gefördert werden können. Bei Bürokratieabbau und
Posten kann gespart werden.
Ein Staat muss in der
Lage sein, notwendige Zukunftsaufgaben zu finanzieren und auf
konjunkturelle Schwankungen zu reagieren." Wenn die Zinsen
jedoch, wie im Haushalt von Schleswig-Holstein, so hoch sind, dass
sie den Haushaltsgesetzgeber knebeln, gibt es dringenden
Handlungsbedarf.
Die SPD-Fraktion
erwartet, dass die bestehenden Vereinbarungen mit der CDU bei der
Föderalismusreform eingehalten werden, „zumal wir im Dezember mit
dem Kompromiss zur Revisionsklausel in Sachen Kooperation statt
Fusion weit auf unseren Koalitionspartner zugegangen sind."
Jede Maßnahme im Land wird sich an der Nachhaltigkeit und
Gerechtigkeit messen lassen müssen.
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Karl-Martin
Hentschel, Grünen-Fraktionschef
Das
ist schon eine seltsame Haushaltsdebatte: Minister Wiegard erklärt,
wie schwierig alles ist und bekommt kaum Beifall; und der
SPD-Fraktionsvorsitzende Stegner hält eine Rede, als wolle er den
Oppositionsführer in der Oppositionsarbeit übertrumpfen. „Konsolidieren,
Investieren, Reformieren – das hatte sich die Landesregierung
vorgenommen. Abkassieren, Rumlavieren und Blockieren – das ist die
Realität."
Die 1,8 Milliarden Steuermehreinnahmen sind nicht
Folge der Politik der Landesregierung, sondern der sinkenden
Arbeitslosigkeit, des Wirtschaftswachstums und der
Mehrwertsteuererhöhung. Bei dem vorgelegten Etat handelt es sich um
einen „reinen Wahlkampfhaushalt".
Wenn die CDU sich von einer großen
Verwaltungsstrukturreform verabschiedet, „ist das der GAU dieser
Landesregierung." Aus Angst vor kommunalen Parteikollegen
verspielt die Union die Chance zum Ausgabenabbau.
Es fehlt Geld für die Gemeinschaftsschulen. Die
Frage ist, ob die 150 nachträglich geschaffenen Stellen ausreichen
werden. Unklar ist auch: Wie kann die Fort- und Weiterbildung der
Lehrer bewerkstelligt werden? Dieser Haushaltsposten enthält 35
Euro pro Lehrer – „das ist eine Lachnummer."
„Umweltpolitik ist der Steinbruch der Schwarzen.
Hier feiert die Entbürokratisierung ihre Triumphe."
Umweltpolitik kann auch „an den Bauernverband überwiesen
werden".
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Anke
Spoorendonk, Vorsitzende des SSW im Landtag
Die
Regierung hat das Land nicht fit für die Zukunft gemacht. Durch das
Wirtschaftswachstum sind die Steuereinnahmen angestiegen. Nun
nähert sich der wirtschaftliche Aufschwung aber dem Ende. „Es ist
fraglich, ob der Haushaltsentwurf den kommenden Herausforderungen
auch gerecht wird." Die Eckpunkte sehen oberflächlich
betrachtet nicht schlecht aus. Die Verfassungsmäßigkeit bleibt
gewahrt. Aber trotz der höheren Steuereinnahmen gibt es kaum
finanzpolitische Spielräume.
„Über 95 Prozent des
Landeshaushalts sind in Beton gegossen, allein mit einer Politik des
Kürzens und Beschneidens kann man die Zukunft des Landes nicht in
den Griff bekommen." Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist
für die Haushaltskonsolidierung viel wichtiger als harte
Sparmaßnahmen. Höhere Investitionen des Landes sind gerade in
beginnender Abschwungphase wichtig, um die Binnenkonjunktur
anzukurbeln.
Die Verwaltungsreform ist tot, die
Regierung hat die Reform falsch angefasst. Sie „steht jetzt da wie
im Märchen von Hans-Christian Andersen, sie hat nur Luftgewänder
an."
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Ministerpräsident Peter
Harry Carstensen (CDU)
„Wir
haben die finanzpolitischen Weichen für die nächsten zwei Jahre
gestellt. Wir haben wissenschaftliche Exzellenz im Land. Und: Wir
sind die Brücke zwischen dem Ostseeraum und Mitteleuropa."
Die Unterzeichnung des Vertrages zur
Fehmarnbelt-Brücke ist ein Beispiel für den wirtschaftlichen
Aufbruch: „Ein Erfolg, der den Menschen nutzt." Die
Arbeitnehmer, die jenseits der Grenzen arbeiten, haben Hypotheken
der Vergangenheit abgetragen und für Zukunftsfähigkeit gesorgt.
Die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt
ist geschafft. Und: Die sozialste Politik ist es, aus
Leistungsempfängern Beitragszahler zu machen.
Eine solide Haushaltspolitik ist die
Voraussetzung dafür, bei den Verhandlungen über die Neuordnung der
Finanzen zwischen Bund und Ländern erfolgreich zu sein. Es wächst
die Bereitschaft bei anderen Ländern und im Bund, unseren Weg der
Konsolidierung zu unterstützen.
Es ist notwendig, überall dort, wo
es geht, zu sparen. Deshalb gilt es auch in der Verwaltung
einzusparen. „Wir haben uns durchaus neu geordnet und vom Kopf auf
die Füße gestellt."
Die Fusionsrendite für die
Verwaltungsstrukturreform sollte konkret noch einmal berechnet
werden. Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen – 12,8 bis 24 Millionen
Euro – sind ernüchtert. Aber: „Wir dürfen nicht vergessen, was
wir schon durch die Ämterfusionen erreicht haben." Das
Gutachten wird sorgfältig ausgewertet und ist Grundlage für die
Diskussion. Ziel ist die Einsparung und nicht die Neuordnung um
jeden Preis.
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Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Landtag ihren
Entwurf eines Doppelhaushaltes für die Jahre 2009 und
2010 vor. Zudem berät das Parlament den Finanzplan des
Landes für die Jahre 2008 bis 2012
(s. Stichwort).
Die
Ausgaben sind für das Jahr 2009 mit 8,94 Milliarden Euro
und für 2010 mit 9,16 Milliarden Euro veranschlagt. Die
Nettokreditaufnahme soll mit 570 Millionen (2009) und 530
Millionen (2010) erstmals seit Jahren innerhalb der
Verfassungsgrenze bleiben. Das würde bedeuten: Die Summe
der Investitionen liegt über der Neuverschuldung. Die
Investitionsausgaben belaufen sich dem Entwurf zufolge in
den kommenden beiden Jahren jeweils auf rund 600 Millionen
Euro.
Personalabbau
geplant
Einsparungen
hat die Landesregierung beispielsweise beim Personal
vorgesehen. Im Stellenplan des Doppelhaushaltes fallen
1.915 Stellen weg. Diesen stehen 1.235 neue Stellen
gegenüber, von denen 930 Lehrer sind. Im Saldo werden
also 680 Stellen gestrichen. Für den Zeitraum ab 2011 ist
in der Koalition vereinbart, dass aufgrund rückläufiger
Schülerzahlen schrittweise 2.900 Lehrerstellen abgebaut
werden.
Kernpunkt
auf der Ausgabenseite ist ein "Zukunftspakt"
für Bildung und Wissenschaft mit einem Volumen von 120
Millionen Euro. Hiervon entfallen zwölf Millionen auf
Betriebskosten für die Betreuung der Kinder unter drei
Jahren. 50 Millionen Euro sind für das geplante
beitragsfreie Kindergarten-Jahr vorgesehen. Für eine
bessere Lehrerversorgung an Gymnasien sowie Regional- und
Gemeinschaftsschulen soll es in den beiden Haushaltsjahren
jeweils 150 zusätzliche Lehrerstellen geben. Dafür
werden insgesamt 22 Millionen Euro aufgebracht. 36
Millionen Euro fließen in Spitzenforschung und
zusätzliche Studienplätze.
Schuldenlast drückt den Etat
Schleswig-Holstein
ist derzeit mit rund 23 Milliarden Euro verschuldet und
muss deshalb jährlich eine knappe Milliarde für Zinsen
ausgeben.
Debatte zu den ersten
Eckwerten des Landeshaushalts:
plenum-online, Juni 2008
Der letzte Doppelthaushalt für die Jahre 2007/2008:
plenum-online, Dezember 2006
Stichwort:
Haushaltsplanung
Im Haushaltsplan,
der aus den Einzelplänen und dem Gesamtplan besteht, sind alle Einnahmen und Ausgaben sowie Verpflichtungsermächtigungen des Landes für ein Rechnungsjahr eingestellt.
Die Einzelpläne enthalten Einnahmen, Ausgaben und
Verpflichtungsermächtigungen eines einzelnen
Verwaltungszweigs oder von bestimmten Gruppen. Der Gesamtplan
enthält eine Haushaltsübersicht und eine
Finanzierungsübersicht sowie den Kreditfinanzierungsplan.
Landesbedienstete
kosten...
Der
größte Block im Landesetat sind die Personalausgaben
für etwa 69.500 Landesbedienstete, darunter Lehrer,
Richter und Polizisten. Die größten Einzeletats stellen
das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
und das für Schulen und Hochschulen zuständige
Bildungsministerium.
Der Entwurf des Haushaltsplans wird zusammen mit dem Entwurf des Haushaltsgesetzes von der Landesregierung beraten, beschlossen und in den Landtag eingebracht. Die parlamentarische Beratung umfasst zwei, auf Beschluss des Plenums drei Lesungen.
Alle Fachausschüsse
prüfen
Nach der Ersten Lesung lässt der Landtag die Einzelheiten der Gesetzesvorlage
nicht nur durch seinen Finanzausschuss prüfen. Auch die anderen Fachausschüsse
diskutieren den Entwurf des jeweils in ihrem Fachbereich tätigen Ministerium.
Die politische Diskussion über das Zahlenwerk beginnt
allerdings schon bevor der Landtag sich damit befasst. Die
Grundzüge des Doppelhaushalts 2009/2010 hatte die
Landesregierung der Öffentlichkeit schon vor den
Parlamentsferien im Frühsommer präsentiert (s. plenum-online, Juni 2008).
Das Gesetzgebungsverfahren
schließt üblicherweise im Dezember mit der Zweiten Lesung
ab. Anschließend wird das Haushaltsgesetz mit dem Gesamtplan vom
Finanzminister des Landes und vom Ministerpräsidenten gegengezeichnet und im Gesetzblatt verkündet.
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