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Auf dieser Seite: Klimaenergie 

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Top 23:
100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
   Aufruf gemeinsam mit

Top 41:
Fortschreibung des Klimaschutzberichtes 
der Landesregierung
Landtagsbeschluss vom 29. Mai 2008 – Drs. 16/2039
Federführend ist das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

Drs.:16/2743

   Aufruf gemeinsam mit
Top 47:
Konzept zur zukünftigen Energieversorgung und für 
den Klimaschutz des Landes Schleswig-Holstein
Energiepolitische Leitlinien für Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 26. Februar 2009 – Drs. 16/2459
Federführend ist das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr

Drs.: 16/2849

   Aufruf gemeinsam mit
Top 40a: 
Störfall Atomkraftwerk Krümmel (KKK)

Antrag der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Abg. des SSW – Drucksache 16/2789 (neu) Nr. 2 bis 4
(Ausschussüberweisung am 16. Juli 2009)
Änderungsantrag der Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und den Abgeordneten des SSW – Drucksache 16/2876
Bericht und Beschlussempfehlung des Sozialausschusses
Änderungsantrag der Fraktion der FDP – Drucksache 16/2877

Drs.: 16/2871


Schleswig-Holsteins Zukunft 
liegt im Wind

Aber: Streit um Tempo der Energiewende und 
um Kernkraftwerk Krümmel

Kiel (SHL/17.09.) Zehn Tage vor der Wahl sind im Landtag noch einmal die unterschiedlichen Positionen in der Energiepolitik aufeinandergeprallt. Streitpunkt: Wie schnell kann Schleswig-Holstein auf erneuerbare Energieträger umsatteln, um die vom Bund definierten Klimaschutzziele zu erfüllen? Die Grünen präsentierten ihren Plan, wonach das Land zwischen den Meeren seinen Strombedarf bis 2015 komplett durch Windkraft, Biomasse und Solarstrom decken kann. Schleswig-Holstein müsse wieder zum „Wind-Land Nummer eins" werden, forderte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel. Auch die SPD unterstützte einen sofortigen Wechsel zum Wind. Wirtschaftsminister Jörn Biel (CDU) wie auch Liberale und SSW zeigten sich zwar skeptischer, bezeichneten aber ebenfalls die Windkraft als Schlüsseltechnologie.

Bis zum Jahr 2030, so Biel, könne die Windkraft das „Rückgrat der Energieversorgung" im Lande bilden. Zunächst müssten aber mehr Flächen für Windräder ausgewiesen, der Off-Shore-Sektor ausgebaut und die Stromnetze erweitert werden. Bis dahin setzt der Minister auf einen „Energiemix", der auch Kohle und Atom als Übergangstechnologien enthält. Mit diesen vielen verschiedenen Energieträgern, ergänzte Manfred Ritzek (CDU), könne Schleswig-Holstein „das Kraftwerk Deutschlands werden". Aus diesen Worten hörte Hentschel einen Sinneswandel bei den Christdemokraten heraus: Ihr Energiekonzept enthält „eine Mischung aus bekannter CDU-Rhetorik und einer Öffnung zu neuen Wegen", erkannt er an. Auch der CDU-Parlamentarier Axel Bernstein machte eine Reihe von Überschneidungen in den schwarzen und den grünen Energie-Ansätzen aus.

Tiefe Kluft in Sachen Krümmel

Streit gab es erneut über das Pannen-AKW in Krümmel. Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) weigerte sich erneut, den Meiler sofort stillzulegen. Die „politisch neutrale Atomaufsicht" unter seiner Leitung werde zunächst die Pannenserie „seriös aufarbeiten" und die auf Bundesebene angekündigte Atomgesetznovelle abwarten, bevor sie eine Entscheidung trifft. Hier gingen Rot-Grün sowie der SSW auf Gegenkurs und forderten erneut eine sofortige Stilllegung. Der SSW-Abgeordnete Lars Harms beklagte, es sei „keinem Bürger zu vermitteln", dass das AKW noch immer nicht stillgelegt sei. Ebenso unverständlich sei es, dass „ein Betreiber einer staatlichen Aufsichtsbehörde so auf der Nase herumtanzen kann".

Einen radikalen Wandel in der Energie- und Klimapolitik forderte der aus dem Landtag ausscheidende SPD-Abgeordnete Konrad Nabel in seiner Abschiedsrede. Die vorausgesagte durchschnittliche globale Erwärmung um zwei Grad werde die Lebensbedingungen grundlegend verändern, so Nabel. In den kommenden fünf Jahren müsse daher die Energiewende für Nachhaltigkeit und für mehr Klimaschutz mit aller Konsequenz eingeleitet und ein „völliger Umbau der Energieversorgung" erreicht werden.

Heiner Garg (FDP) nahm diese Ankündigungen der Sozialdemokraten ins Visier. Angesichts der Pannenserie in Krümmel bezweifelte er, ob die die Wiederanfahrgenehmigung für das Kraftwerk, die die ehemalige SPD-Ministerin Gitta Trauernicht im Sommer ausgestellt hatte, „wirklich in Ordnung" war. Und: Angesichts der Positionen der Bundespartei bezeichnete er die SPD als „Kohlepartei schlechthin".

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Hintergrund:
Wenige Tage vor der Landtagswahl treffen im Plenum noch einmal die unterschiedlichen Vorstellungen in der Energie- und Klimapolitik aufeinander. Die Grünen fordern „100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien", die CDU-Landesregierung stellt ihre „energiepolitischen Leitlinien" vor und liefert einen knapp 400 Seiten starken Klimaschutzbericht ab. Zudem steht der "Pannenreaktor" Krümmel erneut auf der Tagesordnung.

Nach Vorstellung der Grünen soll Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2015 seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energieträgern decken. Bis 2020 soll das Land sogar die doppelte Menge des Eigenbedarfs regenerativ produzieren und den Überschuss exportieren. Um dieses Ziel zu erreichen, plädieren die Grünen für die Aufrüstung bestehender Windanlagen an Land (das so genannte Repowering) und den Ausbau von Off-Shore-Windparks. Zudem sollen zusätzliche Stromleitungen errichtet werden, und Schleswig-Holstein soll in ein europäisches Hochspannungsnetz eingebunden werden. Wenn zusätzlich noch Biomasse, Solarenergie und Kraft-Wärme-Kopplung forciert werden, so die Grünen, könnten alle Kernkraftwerke im Lande wie geplant abgeschaltet werden, ohne dass als Ersatz dafür neue Kohlekraftwerke entstehen müssten.

Regierung schließt längere Laufzeiten für AKWs nicht aus und zieht positive Klima-Bilanz

Das sieht die Landesregierung anders. Die Kernkraft sei unentbehrlich, um die Zeit bis zum Ausbau der erneuerbarer Energien zu überbrücken. Auch verlängerte Laufzeiten der Kernkraftwerke über die im Atomkonsens vereinbarten Fristen hinaus schließt der Regierungsbericht nicht aus. Zudem sei der Neubau von Kohlekraftwerken „sinnvoll und notwendig". Demgegenüber schätzt das Wirtschaftsministerium die Potentiale der erneuerbaren Energien bei weitem nicht so optimistisch ein wie die Grünen: Bis 2020 sei lediglich eine Steigerung auf 50 Prozent des schleswig-holsteinischen Energieverbrauchs möglich. Der Löwenanteil hiervon entfällt auf die Windenergie.

Mit diesem Wert läge Schleswig-Holstein um ein Dreifaches über dem angepeilten Bundesdurchschnitt – so das Umweltministerium in seinem Klimaschutzbericht. Auch in anderen Bereichen zieht das Ministerium eine positive Klima-Bilanz für das Land. So liegt der Kohlendioxid-Ausstoß, umgerechnet auf jeden Einwohner, deutlich unterhalb dem gesamtdeutschen Wert: Im Norden waren es 2006 rund 6,8 Tonnen pro Einwohner, während es deutschlandweit 9,5 Tonnen waren. Angesichts dieser Zahlen hat Schleswig-Holstein nach Überzeugung der Landesregierung gute Voraussetzungen, das Klimaziel der Bundesregierung zu erfüllen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent gegenüber 1990 zu drosseln. Zudem sollen die Deiche im Lande um einen "Klimazuschlag" von 40 Zentimetern erhöht werden.

Union und Liberale lehnen Resolution zu Krümmel ab

Thema Krümmel: Die Grünen hatten im Juli den AKW-Betreiber, den schwedischen Vattenfall-Konzern, heftig kritisiert und eine strenge Sicherheitsüberprüfung des Meilers gefordert. Zudem soll die Landesregierung alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, „um wegen der häufigen, erheblichen und fortgesetzten Störfälle eine endgültige Stilllegung des Reaktors zu erreichen". CDU und FDP haben sich im zuständigen Sozialausschuss gegen diese Formulierung ausgesprochen. Das Atomkraftwerk Krümmel hat in den vergangenen zwei Jahren eine aufsehenerregende Serie von Störungen durchlaufen.

Vorherige Klima-Debatte zum Thema - mehr Info:
plenum-online
Mai 2008
Debatte bei Antragstellung des Energiethemas:
plenum-online
Februar 2009

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