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Aus der
"Flut" der Pflegebedürftigen
darf keine "Sturmflut" werden
Kiel (SHL/26.09.)
Die Nord-Ampel will angesichts einer immer älter werdenden
Bevölkerung die Pflege im Land auf neue Füße stellen. Den Plänen
von SPD, Grünen und SSW zufolge sollen in der Branche tätige
Betriebe künftig eine Ausbildungsumlage zahlen, und es soll eine
Pflegekammer eingerichtet werden. Zudem ist beabsichtigt, den Bund
aufzufordern, das dritte Ausbildungsjahr für
Pflegefachkräfte dauerhaft zu finanzieren. Sozialministerin Kristin
Alheit (SPD) kündigte zudem in einer von der Regierungskoalition
angeregten Debatte an, stufenweise ab 2013 insgesamt 400 weitere
Ausbildungsplätze in der Altenpflege zu schaffen. Der Opposition
gehen diese Maßnahmen noch nicht weit genug.
"Unser Ziel ist eine menschenwürdige
Pflege für alle in Schleswig-Holstein", begründete Marret
Bohn (Grüne) den Vorstoß von SPD, Grünen und SSW. Aus der
"Flut" der Pflegebedürftigen dürfe keine
"Sturmflut" werden. Daher müsse die Infrastruktur im
Pflege-Sektor zügig ausgebaut werden, so Bohn.
Die Opposition forderte, eine noch
breitere Diskussion zu führen, eine umfassende Ausbildungs- und
Imagekampagne für den Pflegeberuf zu starten sowie Gelder für die
schulische Ausbildung sukzessive anzuheben. Außerdem sollten mehr
ausländische Fachkräfte die Möglichkeit haben, in Deutschland zu
arbeiten.
Der Sozialausschuss behandelt das Thema
weiter.
Weitere Redner:
Katja Rathje-Hoffmann
(CDU), Birte Pauls (SPD), Anita Klahn (FDP), Wolfgang Dudda
(Piraten), Flemming Meyer (SSW)
Hintergrund:
In
den kommenden Jahren wird es immer mehr pflegebedürftige
ältere Menschen in Schleswig-Holstein geben - und
voraussichtlich immer weniger Pflegefachkräfte. Vor
diesem Hintergrund fordern die Koalitionsfraktionen mehr
Ausbildungsplätze in diesem Bereich und bessere
Rahmenbedingungen für Pflegeschüler. Die CDU ruft die
Landesregierung auf, den "tatsächlichen Bedarf"
an Pflegenachwuchs zu ermitteln und ausländische Pfleger
im Lande "unbürokratisch" anzuerkennen.
Hintergrund sind aktuelle Medienberichte, wonach spanische
Fachkräfte wegen mangelhafter Sprachkenntnisse in
Schleswig-Holstein nicht anerkannt wurden.
Die
Landesregierung hat unterdessen angekündigt, die Anzahl
der geförderten Ausbildungsplätze um 400 Plätze
erhöhen. Ab April 2013 sollen laut Sozialministerium 200
zusätzliche Plätze gefördert werden, ab April 2014
weitere 200. Derzeit werden vom Land 1.200
Ausbildungsplätze in der Pflege finanziert. Für die 400
zusätzlichen geförderten schulischen Ausbildungsplätze
werden im Jahr 2013 Kosten in Höhe von rund 520.000 Euro,
im Jahr 2014 von rund 1,2 Millionen Euro und ab dem Jahr
2015 von jährlich rund 1,4 Millionen entstehen, die durch
Umschichtungen im Landeshaushalt finanziert werden sollen.
Zudem
fordern die Nord-Ampel und die CDU vom Bund, dass die
Arbeitsagentur die Kosten für eine dreijährige
Umschulung zur Pflegefachkraft künftig komplett
übernimmt - und nicht nur, wie jetzt, nur die ersten
beiden Jahre. Es dürfe nicht sein, dass Auszubildende
"Geld mitbringen müssen", heißt es aus dem
Ministerium. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hatte zur
Reform der Pflegeausbildung ein Eckpunktepapier erarbeitet
und Ende März 2012 vorgestellt. Die Länder erwarten nun
die Vorlage eines Gesetzentwurfes durch den Bund.
In
Schleswig-Holstein arbeiten rund 37.000 Beschäftigte in
der Altenpflege, davon 8.000 Altenpflegefachkräfte. Nach
einer Bedarfseinschätzung aus dem Frühjahr wird bis zum
Jahr 2020 die Zahl der Beschäftigten in der Altenpflege
um rund 11.000 Arbeitskräfte ansteigen, wovon innerhalb
der Gruppe der Pflegefachkräfte rund 2.100
Altenpflegefachkräfte sind. Die Zahl der
Pflegebedürftigen im Lande wird laut den Berechnungen der
Pflegestatistik vom Jahresanfang von derzeit rund 80.000
auf 114.000 im Jahr 2025 ansteigen. Im gleichen Zeitraum
wird die Zahl der Erwerbstätigen um rund 50.000 sinken.
Und: Die Kosten für die Pflege werden sich innerhalb der
nächsten 40 Jahre voraussichtlich auf 2,7 Prozent des
Bruttoinlandprodukts verdoppeln.
Vorherige
Debatten zum Thema (17. Wahlperiode):
plenum-online März
2011, November
2011
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