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07.11.18
17:44 Uhr
SPD

Heiner Dunckel zu Top 18: Schleswig-Holstein ist der ideale Standort für Tourismusforschung

Es gilt das gesprochene Wort!


Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:
http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

Kiel, 7. November 2018



TOP 18: Deutsches Institut für Tourismusforschung (Drs. 19/986)


Dr. Heiner Dunckel


Schleswig-Holstein ist der ideale Standort für Tourismusforschung „Tourismus als Gesamtheit aller Reiseaktivitäten in eine andere Region, ein anderes Land, einen anderen Kontinent, eine andere Kultur ist selbstverständlicher Teil unseres Lebens und sicherlich zu unterstützen. Seitdem der Begriff „Overtourism“ auch in der öffentlichen Diskussion angekommen ist, zeigt sich aber auch, dass Tourismus ein komplexes gesellschaftliches Phänomen und nicht nur ein Marketingproblem ist, auch wenn einige Regionen unseres Landes durchaus vor dem Problem stehen, wie die jeweilige Region in Konkurrenz mit anderen Regionen noch besser vermarktet werden kann. Wir sehen auch, wie internationale Veränderungen und Konflikte Folgen für den Tourismus haben, aber auch wie Tourismus Gesellschaften verändert. Denken Sie z.B. an den deutlichen Rückgang des deutschen Tourismus in Richtung Türkei als Antwort auf die Negativschlagzeilen, die die Türkei leider seit einiger Zeit ständig produziert. Wir erkennen aber auch zum Teil schmerzlich, welche Auswirkungen der so genannte Massentourismus als Devisenquelle und als Beschäftigungsmotor auf die Gesellschaften und ihre Kulturen und vor allem auf die Umwelt z.B. des Mittelmeers oder auch Asiens hat und hatte. Eine nicht abschließend geklärte Frage ist auch, inwieweit der Massentourismus zum gesellschaftlichen Wandel in den damaligen Diktaturen wie Spanien, Portugal und Griechenland und zu deren Demokratisierung beigetragen hat und inwieweit diese Erfahrungen auf die arabischen Länder im Mittelmeerraum wie Tunesien, Marokko oder Ägypten übertragbar sind. Wir sehen also schon an den wenigen 2



Beispielen, dass Tourismusforschung oder Tourismuswissenschaft als interdisziplinärer Wissenschaftsansatz sinnvoll und erforderlich ist. Hier treffen u.a. Soziologie, Geographie, Ökonomie, Ökologie, Politikwissenschaft und Psychologie aufeinander.
Tourismuswissenschaft ist keine neue Disziplin. Sie stößt aber schnell an ihre Grenzen, wenn sie nicht Wissenschaftler*innen aus den genannten Disziplinen miteinander vernetzt, die kein einzelner Forscher / keine einzelne Forscherin gleichzeitig kompetent im Auge behalten kann. Die Fachhochschule Westküste hat 2004 einen Studiengang „International Tourism Management“ eingerichtet und 2006 ein Institut für Management und Tourismus mit einem interdisziplinären Ansatz etabliert. Trotzdem ist es sehr ambitioniert, dass die Fachhochschule Westküste in Heide jetzt auf dieser Grundlage ein „Deutsches Institut für Tourismusforschung“ aufbauen will. Damit ist der Anspruch verbunden, bundesweit und international auszustrahlen und sich in die deutsche Forschungslandschaft sinnvoll einzubetten. Ein Standort in Schleswig- Holstein und gerne auch an der FH Westküste ist in der Sache richtig, weil wir zu den tourismusstärksten Bundesländern gehören und Forschung und Praxis in diesem Bereich verzahnt werden müssen. Nun sind Fachhochschulen in der Regel strukturell, sächlich und personell nicht ausreichend ausgestattet, um Forschung in dem genannten Sinne zu betreiben.
Insofern, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Jamaika-Koalition, braucht das bisherige Institut der FH Westküste nicht nur unsere Begleitung – wie es in Ihrem Antrag steht – sondern unsere handfeste Unterstützung, also zusätzliche Ressourcen. Denn die erforderlichen Personal- und Sachkosten sind nicht einfach durch die Akquise von Drittmitteln zu erreichen bzw. viele Drittmittelgeber erwarten immer einen Eigenanteil. Wenn Sie nun unsicher sind, welche zusätzlichen Ressourcen erforderlich sind, dann kann ich Ihnen z.B. die Universität Salzburg oder die Universität Bern als Referenz empfehlen. Zwei Universitäten, die ich erfreulicherweise auch aus eigener Anschauung kenne. Beide sind durch ihr Institut für interdisziplinäre Tourismusforschung bzw. ihre Forschungsstelle Tourismus seit Jahren international bekannt. Wenn also die Landesregierung dieses Projekt der FH Westküste für richtig hält, erwarte ich von ihr eine klare Aussage, inwieweit sie bereit ist, die Hochschule mit zusätzlichen Ressourcen zu unterstützen.
Es ist jedenfalls nicht diskutabel, zugunsten dieses neuen wissenschaftlichen Flaggschiffs die zahlreichen anderen Studiengänge der Fachhochschule Westküste finanziell schlechter zu stellen. Darüber sollten wir im Wirtschafts- und Bildungsausschuss weiter diskutieren. Ich bitte um Überweisung.“