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06.03.19
11:56 Uhr
SSW

Flemming Meyer: Schleswig-Holstein hat Windenergie-Branche zu einem Wirtschaftsmotor gemacht

Presseinformation Kiel, den 06.03. 2019


Es gilt das gesprochene Wort



Flemming Meyer
TOP 4 Änderung der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein
Drs. 19/1273


Daher ist es umso bedauerlicher, dass der weitere Ausbau der Windenergie
nun unter Jamaika so dermaßen ins Stocken geraten ist, dass wir beim Ausbau
der Windenergieanlagen mittlerweile nicht mehr Spitzenreiter sind.

Klimawandel und Klimaschutz sind politische Themen, die seit Jahrzehnten weltweit diskutiert
werden, weil sie für uns alle von Bedeutung sind. Nicht zuletzt die internationalen
Klimakonferenzen haben den Stellenwert des Klimawandels und insbesondere dessen
Auswirkungen deutlich gemacht und die Staatengemeinschaft aufs Neue zum Handeln
verpflichtet. Noch zu Beginn der Klimadebatten wurde kontrovers über die Ursachen der
schnellen Erwärmung diskutiert. Unterliegen Klimaschwankungen allein natürlichen Prozessen
oder wieweit nimmt der Mensch durch sein Handeln Einfluss auf den Klimawandel? Wie gesagt,
diese Frage wurde wissenschaftlich und politisch lange diskutiert, doch heute gibt es keine
Zweifel mehr, die Datenlage bestätigt den anthropogenen Einfluss auf den Klimawandel. Das 2

wird auch vom UN-Weltklimarat bestätigt und der jüngste Sonderbericht wurde im Herbst des
letzten Jahres veröffentlicht.
Doch wir erleben immer wieder, dass dieser wissenschaftliche Konsens angezweifelt und
abgestritten wird. Damit verschaffen sich diese Gruppierungen die Rechtfertigung für eine
Politik des „weiter so wie bisher“ und lehnen damit jede Verantwortung für nachfolgende
Generationen ab. Dass diese das so nicht mehr akzeptieren erleben wir zur Zeit bei
Demonstrationen „Fridays for Future“. Hier sind es die jungen Menschen, die für den Klimaschutz
auf die Straße gehen und von der Politik konkrete Maßnahmen einfordern.
Sie fordern dabei nicht das Unmögliche, schlicht die Einhaltung der Klimaschutzziele von Paris –
also etwas was die Politik sich bereits selbst auferlegt hat.
Im Mittelpunkt dieser Verpflichtungen geht es immer wieder um die Eindämmung der vom
Menschen verursachten schädlichen Klimaveränderungen. Dabei ist es insbesondere der
Verbrauch der fossilen Energieträger, wie Kohle und Öl, der den Treibhausgas-Ausstoß
verursacht.
Immer wieder wurden internationale Vereinbarungen getroffen, mit denen die Nationen eine
Selbstverpflichtung eingehen, so auch Deutschland. Faktisch bedeutet die Einhaltung des Pariser
Abkommens langfristige den vollständigen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern wie Kohl, Öl
und Gas spätestens bis zum Jahr 2050.
Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie und insbesondere mit der Energiewende hat Deutschland
einen wichtigen politischen Schritt unternommen, auf dem Weg die Klimaschutzziele zu
erfüllen. Dass diese Schritte nicht immer groß und schnell genug erscheinen wird am Beispiel des
jüngst beschlossenen Kohleausstiegs für 2030 deutlich. Für viele geht der Ausstieg aus der Kohle
nicht schnell genug. Zugegeben, wir hätten längst weiter sein können, wenn Deutschland einen
Plan gehabt hätte, wie es wirklich die Energiewende vollziehen will. Dazu gehört neben dem
Ausstieg aus den fossilen Energieträgern eben auch der Ausbau der großen Leitungsnetze. Diese
wurden nicht zügig und schnell gebaut, weil sie de facto politisch verhindert und verzögert
wurden. Das wissen wir in Schleswig-Holstein am besten.
Wir haben es hier bereits früh verstanden, was der Klimawandel bewirkt und dass wir als Land
zwischen den Meeren direkt von den Auswirkungen betroffen sind. Das haben wir schnell 3

erkannt und daher haben wir den Ausbau der regenerativen Energien hier im Land stets positiv
begleitet und ihn vorangebracht. Wir haben es in Schleswig-Holstein geschafft, dass die
Windenergie-Branche sich zu einem Wirtschaftsmotor entwickelt hat, der für qualifizierte
Arbeitsplätze sorgt. Damit hat unsere Energiewende und der Ausbau der Erneuerbaren Energien
eine Wertschöpfung herbeigeholt, die in Deutschland einzigartig war. Daher ist es umso
bedauerlicher, dass der weitere Ausbau der Windenergie nun unter Jamaika so dermaßen ins
Stocken geraten ist, dass wir beim Ausbau der Windenergieanlagen mittlerweile nicht mehr
Spitzenreiter sind.
Trotzdem erkennen wir die bisher vollbrachten Leistungen hier im Land durchaus an und wir
können stolz darauf sein, dass wir unseren Strombedarf mittlerweile zu 150% aus Erneuerbaren
decken. Das heißt, wir in Schleswig-Holstein haben bereits einen wichtigen Anteil zur Einhaltung
der Klimaziele beigetragen. Wir können und müssen aber noch mehr machen. Das haben wir
bereits als Küstenkoalition bewiesen, als wir seinerzeit das Energiewende- und
Klimaschutzgesetz für Schleswig-Holstein auf den Weg gebracht haben. Damit haben wir uns
quasi selbst verpflichtet die Klimaschutzziele und Grundsätze einzuhalten. Doch wir wissen, dass
solche hehren Ziele gerne aus dem politischen Focus geraten, wenn nicht immer wieder darauf
hingewiesen wird. Nicht nur wir in Schleswig-Holstein haben dies erkannt, auch andere
Bundesländer haben mittlerweile ihr eigenes Klimaschutzgesetz oder es zumindest auf den Weg
gebracht. Das ist auch gut so, denn wir vermissen immer noch eine bundesrechtliche Regelung
für den Klimaschutz. Es gibt auf Bundesebene zwar Zielsetzungen und Grundsätze bezüglich der
Energiepolitik und des Klimaschutzes, aber wie gesagt, es fehlt die rechtlich verbindliche
Festlegung. Und jetzt bleibt abzuwarten, wie sich das Kanzleramt zum Entwurf für ein
Klimaschutzgesetz positioniert, beziehungsweise wie sehr die SPD an ihrem Entwurf festhält.
Wir sind gespannt.


Nun hat die SPD hier einen Gesetzentwurf zur Änderung der Verfassung eingereicht, mit dem
Ziel, insbesondere das Klima als Staatszielbestimmung in die Schleswig-Holsteinische
Verfassung mit aufzunehmen. Die vorliegende Initiative ist insoweit politisch interessant, als
dass sich die SPD in Bayern jüngst bei einer vergleichbaren Staatszielbestimmung im Landtag 4

enthalten hat. Umso besser, wenn sich die schleswig-holsteinischen Genossen in dieser Frage
nicht von den bayrischen Genossen leiten lassen.
Als SSW begrüßen wir durchaus das verfolgte Ziel dieser Verfassungsinitiative. Wir sehen in einer
solchen Staatszielbestimmung den Vorteil, dass die Interessen des Klimaschutzes weiter in den
gesellschaftlichen Focus gerückt werden. Darüber hinaus, sehen wir durchaus eine Stärkung der
bisherigen rechtlichen Bestrebungen den Klimaschutz zu berücksichtigen. Aus diesem Grund
teilen wir die Zielrichtung des SPD-Antrages den Klimaschutz in die Verfassung aufzunehmen.
Gleichwohl haben wir Fragen, die wir beantwortet haben möchten. Prinzipiell geht es um den
Begriff: Klima. Für uns als SSW ist in der Formulierung: „die natürlichen Grundlagen des Lebens“
quasi das Klima schon impliziert. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages teilt in dieser
Hinsicht unsere Auffassung. In einer Ausarbeitung schreibt er: „Nach herrschender Auffassung
gehört zum Schutzgut der „natürlichen Lebensgrundlagen“ auch das Klima; teilweise wird auch
die Atmosphäre mit Ozonschicht ausdrücklich genannt.“
Mit der bestehenden Formulierung in der Verfassung hat Schleswig-Holstein quasi die
Schutzgüter benannt, zu denen dann auch das Klima gehört. Sowie die daraus entstehenden
Schutzwirkungen.
Nun kann man natürlich sagen, als politische Botschaft möchten wir zusätzlich das Klima in die
Verfassung mit aufnehmen, um dem Ganzen damit extra Ausdruck zu verleihen. Das können wir
soweit nachvollziehen und stützen sogar den Ansatz.
Nun hat die SPD aber eine Formulierung für ihren Antrag genutzt, den wir so nicht teilen. Denn
dadurch, dass „insbesondere das Klima“ unter dem besonderen Schutz stehen soll, wird aus
unserer Sicht eine Wertung reingebracht, die die anderen Güter wohlmöglich schlechter
dastehen lassen. Soll heißen, durch das Wort „insbesondere“ sehen wir eine Besserstellung für
das Klima. Aus unserer Sicht sollte das Klima genauso gewichtet werden, wie die anderen
natürlichen Grundlagen des Lebens auch. Hier würden wir uns eine andere Formulierung
wünschen. Aber dazu bleibt ja noch Zeit, wenn wir das Thema im Ausschuss behandeln.


Angesichts der nationalen und globalen Bedeutung dieses Themas wäre es meines Erachtens
fatal, wenn der Schleswig-Holsteinische Landtag in dieser Sache keine entsprechende Mehrheit 5

für den Klimaschutz bekommen würde. Der Fall in Bayern hat meines Erachtens deutlich
gemacht, wie man ein wertvolles Thema politisch Verbrennen kann. Das sollten wir uns auf
jeden Fall ersparen.


Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden:
http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html