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07.03.19
15:34 Uhr
B 90/Grüne

Rasmus Andresen zum Verbot sogenannter Homo-Heilung

Presseinformation

Landtagsfraktion Es gilt das gesprochene Wort! Schleswig-Holstein TOP 21 – Sogenannte Homo-Heilung verbieten Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 Dazu sagt der queerpolitische Sprecher der 24105 Kiel Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Zentrale: 0431 / 988 – 1500 Durchwahl: 0431 / 988 - 1503 Rasmus Andresen: Mobil: 0172 / 541 83 53
presse@gruene.ltsh.de www.sh-gruene-fraktion.de
Nr. 104.19 / 07.03.2019


Liebe ist keine Krankheit, sondern ein Menschenrecht
„Irgendwann schlug die Therapeutin Elektroschocks vor. Nur ganz leichte, versprach die Therapeutin. Ein Stoß, bei jedem Foto einer hübschen Frau. Bis Rousseau die Bilder nicht mehr mit Lust verbinden würde, sondern mit Schmerzen."
Mit diesen Worten beschreibt eine 29 jährige Frau in einem Presseartikel ihre Erfahrun- gen mit einer deutschen Therapeutin, die ihr eindrücklich zu verstehen gab, dass ihre Sexualität unnatürlich sei und Sie in Behandlung gehört. Lassen Sie es uns gleich am Anfang der Debatte an alle Homo- oder Bisexuellen ganz klar sagen:
Eure Liebe ist keine Krankheit. Lasst euch das nicht einreden. Ihr seid richtig, so wie ihr seid.
Konversionsverfahren, sogenannte „Homo-Heilungen“, finden auch bei uns in Deutsch- land statt. Von Gesprächstherapien bis hin zu Elektroschocks bieten Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen sogenannte Homo Heilungen an. Diese Ärzt*innen beschreiben Homosexualität als „perverse sexuelle Fixierung" und outen sich oft als fundamentalisti- sche Christ*innen.
Dass ausgebildete Ärzt*innen und Physiotherapeut*innen die Würde von Menschen mit Füßen treten und Menschenrechte brechen, ist skandalös. Dass sie diese Pseudo- Therapien auch noch teilweise über Krankenkassen abrechnen, ist inakzeptabel und muss gestoppt werden.
Gerade durch und in religiös fundamentalistischen, christlichen Gruppen werden Kon- versionsverfahren angepriesen und durchgeführt. Dies gilt zum Beispiel für den Bund freier evangelischer Gemeinden. Immerhin 40.000 Mitglieder, davon 10.000 Minderjäh- rige. Und für aktive Gemeinden unter anderem in Kiel, Norderstedt, Lübeck, Eutin, Har-
Seite 1 von 2 rislee, Hohenlockstedt, Mölln und Ahrensburg.
Konversionsverfahren sind widerlich. Sie sind menschenrechtswidrig und gehören ver- boten. Wir Grüne wollen ein generelles Verbot von Anpreisung und Durchführung von sogenannten "Homo Heilungen". Ganz egal ob Sie von Ärzt*innen und Psychothera- peut*innen in ihrer Praxis oder durch fundamentalistische und verrückte Freikirchen durchgeführt werden.
Wir wollen verhindern, dass Ärzt*innen oder Therapeut*innen diese widerlichen Pseu- do-Therapien auch noch über die Krankenkassen abrechnen. Dazu müssen wir Geset- ze beschließen. So wie einige Bundesstaaten der USA, Malta und bald auch Großbri- tannien es getan haben oder tun werden.
Gerade Minderjährige müssen wir vor diesem christlich-fundamentalistischen und men- schenfeindlichen Weltbild schützen. Wenn jungen Schwulen oder Lesben vermittelt wird, dass Homosexualität eine Krankheit ist und behandelt werden muss, kann dies zu enormen Selbstzweifeln und psychischen Störungen führen. Statt akzeptiert zu werden, bekommen sie das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt und werden dazu gedrängt, gegen ihre Sexualität aktiv zu werden. Junge Menschen werden durch diese Pseudo- Therapien psychisch krank.
Die Bundesärztekammer warnt schon länger vor den gesundheitlichen Folgen bei Kon- versionsverfahren. Es geht aber nicht ausschließlich um ein gesetzliches Verbot. Selbstzweifel und der Weg zur Therapie beginnen, wenn man nicht akzeptiert wird. Wenn einem eingeredet wird, dass es nicht ok sei, gleichgeschlechtlich zu lieben. Wenn man Ausgrenzung durch die Familie, in der Schule oder durch Freund*innen erfährt. Deshalb brauchen wir mehr Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Schule, im Jugendzentrum oder auch beim Sport. Wir brauchen Aufklärung über die psychischen und gesundheitlichen Gefahren, die durch Konversionsverfahren entste- hen.
Es ist ein Skandal, dass die Existenz von diesen Menschenrechtsverletzungen in Deutschland so lange unter den Tisch gekehrt wurde. Es ist gut, dass jetzt viele han- deln wollen. Das haben wir auch dem Aktivisten Lucas Hawrylak zu verdanken. Seine Petition zum Verbot von Konversionsverfahren wurde inzwischen von über 80.800 Menschen unterzeichnet.
Unsere Grüne Bundestagsfraktion hat einen umfangreichen und guten Gesetzentwurf zum Verbot von Konversionsverfahren vorgelegt. Unter Grüner Regierungsbeteiligung haben sich Bremen, Hessen und Berlin eindeutig positioniert. Heute ist Schleswig- Holstein dran.
Wir machen aus den Bundesländern Druck auf die Bundesregierung und Gesundheits- minister Spahn. Im Bundesrat werden wahrscheinlich noch diesen Monat die ersten Ini- tiativen eingebracht. Wir sollten nicht mehr länger warten: Liebe ist keine Krankheit, sondern ein Menschenrecht.
Vielen Dank.
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