Top 15 - OER-Strategie / freies Lern- und Lehrmaterial

13.10.2016

» Große Antrage «
Entwicklung einer OER-Strategie
Große Anfrage der Fraktion der PIRATEN - Drs. 18/3969
→ Antwort der Landesregierung - Drucksache 18/4163
(Federführend ist das Ministerium für Schule und Berufsbildung)

zum Plenarprotokoll

 

Landtag bricht Lanze für freie Lern- und Lehrmaterialien im Internet

Der Landtag ist sich einig: Das digitale Lernen an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen wird immer wichtiger. Dabei spielen sogenannte OER-Materialien (Open Educational Resources) eine immer entscheidendere Rolle. Das sind freie Lern- und Lehrmaterialien im Internet oder über Software, die mit einer für die Allgemeinheit nutzbaren Lizenz veröffentlicht wurden. Noch offene Fragen zur Rechtssicherheit, zum Urheberrecht, zur Unterrichtsgestaltung und zur Qualitätskontrolle sollen jetzt im Bildungsausschuss beraten werden.

Schleswig-Holstein sei im OER-Bereich bereits gut ausgestattet, erklärte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) in ihrer Antwort auf eine Große Anfrage. Schon heute könnten alle Lehrer im Land kostenfrei auf ein Medienportal mit 27.000 Medien und zusätzlich auf 35.000 Bilder für den Unterricht zurückgreifen. Dennoch sei der Einsatz weiter ausbaufähig, sagte die Ministerin. Sie forderte eine bessere Vernetzung des Angebotes in Zusammenarbeit von Kommunen, Bund und Ländern.

Piraten: „Wir brauchen wir einen Kulturwandel“

Sven Krumbeck, dessen Piraten-Fraktion die Große Anfrage initiiert hatte, dankte der Landesregierung für ihren Einsatz. „Wenn wir national und international mithalten und unseren Kindern die besten Möglichkeiten mit auf dem Weg geben wollen, brauchen wir einen Kulturwandel“, sagte er.

Krumbeck forderte, das Urheberrecht nach dem Vorbild der USA oder Großbritanniens zu lockern, damit digitale Inhalte für Bildung und Fortbildung grundsätzlich kostenfrei genutzt werden können. Dieses lehnten die Redner von CDU und SPD allerdings ab.

Weitere Redner:
Heike Franzen (CDU), Martin Habersaat (SPD), Anke Erdmann (Grüne), Anita Klahn (FDP), Jette Waldinger-Thiering (SSW)

 

Hintergrund

(Stand: 10.10.2016)

Die Landesregierung sieht in der Verwendung freier Lern- und Lehrmaterialien in Schulen und Unis sowie in den Bereichen der beruflichen Bildung und der Weiterbildung einen großen Nutzen. Insbesondere an Schulen erwartet das Bildungsministerium von der fortschreitenden Entwicklung sogenannter OER-Materialien (Open Educational Resources) „positive Erwartungen im Hinblick auf Unterrichtsqualität und Differenzierungsmöglichkeiten sowie eine Entlastung der Lehrkräfte“. Das ergibt sich aus der Antwort auf eine Große Anfrage der Piraten zur OER-Strategie.

Unter OER werden freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz wie etwa Creative Commons in Anlehnung an den englischen Begriff für Freie Inhalte (open content) bezeichnet. Grundsätzlich ist die Verbreitung des OER-Materials derzeit im Aufbau. Noch seien „im Bildungsbereich zentrale Fragestellungen zur Qualitätskontrolle, Urheberkennzeichnung und Rechtssicherheit nicht zufriedenstellend geklärt“, heißt es in dem Regierungspapier mit Verweis auf einen Bericht einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Bundesforschungsministerium und Kultusministerkonferenz zum Thema.

„Förderung von Bildung und Wissen für alle Menschen“

„Klar ist“, wird in dem Bericht hervorgehoben, „dass OER vor allem in digitaler Form die Möglichkeiten des Lehrens und Lernens erheblich erweitern wird“. Der offene Zugang zu Bildungsmaterialien eröffne neue Perspektiven „zur Förderung von Bildung und Wissen für alle Menschen und damit zur Teilhabe an der digitalen Informationsgesellschaft“.

Aus der Antwort der Landesregierung ist weiter herauszulesen, dass OER vor allem im schulischen Bereich schon fortgeschritten ist. So werde seitens des Ministeriums seit 2003 vor allem die Mediathek des IQSH für Schleswig-Holstein, welche sämtliche Schulfernsehsendungen, NDR-Produktionen mit Dokumentarcharakter, und für Schleswig-Holstein lizensierte Unterrichtsfilme kommerzieller Anbieter enthält, gefördert. Das Angebot umfasst den Angaben zufolge rund 24.000 Medien, davon 12.000 Filme. „Damit hält das Land Schleswig-Holstein für seine Schulen das zweitgrößte kostenlos zu nutzende Medienangebot im Bund vor“, heißt es.

Bundespolitisches Engagement gefragt

Seit 2015 sei über die Mediathek des IQSH auch der Zugriff auf eine OER-Bilderdatenbank des Tiroler Bildungsservers möglich. Für den Erwerb von Nutzungslizenzen von kommerziellen Unterrichtsfilmen gibt das Ministerium einen jährlichen Etat in Höhe von 65.000 Euro an.

Im Bildungsministerium ist derzeit nicht geplant, eine eigenständige Informations- und Koordinierungsstelle für OER im schulischen Bereich einzurichten. Es wird auf eine Empfehlung der OER-Arbeitsgruppe der Länder und des Bundes für eine Informations- und Koordinierungsstelle auf Bundesebene verwiesen.

» weitere Debatte zum Thema:
...in dieser Tagung: Regierungsbericht zu Lernmitteln in Schulen

Stichwort: Große Anfrage

Um ein komplexes politisches Thema zu beleuchten, kann eine Fraktion der Landesregierung einen umfangreichen Fragenkatalog vorlegen. Die Regierung hat dann vier Wochen Zeit um schriftlich auf diese Große Anfrage zu antworten. Anschließend debattiert das Plenum ausführlich über die Auskunft der Landesregierung.

Die Große Anfrage gehört zu den Kontroll- und Auskunftsrechten des Parlaments gegenüber der Regierung. In der vergangenen 17. Wahlperiode hat der Landtag insgesamt 16 solcher Anfragen gestellt.