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Anke Spoorendonk zu TOP 20 - Bericht über die aktuelle Umsetzung des Schulgesetzes
Presseinformation Kiel, den 7.6.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 20/23 Bericht über die aktuelle Umsetzung des Schulgesetzes und zu Schulanmeldungen Drs. 16/1407 u. 16/1410Natürlich ist die Einrichtung der ersten sieben Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein einerfreuliches Ereignis für die zukünftige Schulpolitik hier im Lande. Das gemeinsame längereLernen von Kindern bis zum 10. Schuljahr ist das Zukunftsmodell schlecht hin, dass haben unsnicht zuletzt immer wieder die verschiedenen PISA-Studien vor Augen geführt. Die Einführung derGemeinschaftsschulen ist eine vernünftige Antwort auf die fehlende Chancengleichheit imunseren Bildungssystem und schafft die Vorraussetzung dafür, dass alle Kinder jedwederHerkunft Fitt fürs Leben gemacht werden.Bei aller Freude gibt es aber auch immer noch viele Widerstände zu überwinden. Der Schulkampfist immer noch nicht vorbei und die Anhänger der geteilten Schule sind nicht bereit ihren Irrtumzu erkennen. Wenn nämlich konservative Politiker und Lehrerverbände nicht nach wie vor dieGemeinschaftsschule aus ideologischen Gründen blockieren würden, würden zum neuenSchuljahr noch wesentlich mehr als 750 Schulkinder gemeinsam unterrichtet werden. 2Geht es in diesem Tempo weiter, dann dauert die Reform Jahrzehnte. Deshalb muss dieLandesregierung weiterhin dafür werben, dass die Schule der Zukunft vor Ort auch wirklichgebaut wird. Vor allem die CDU-Mehrheiten in den Kreisen müssen endlich akzeptieren undrespektieren, dass die Gemeinschaftsschulen von den Eltern vor Ort gewollt werden, statt sichweiterhin mit aller Macht gegen die Schulreform zu stemmen.Es kann also nicht angehen, dass einige Kreise mit den so genannten Schulentwicklungsplänen inder Hand versuchen die Bildung von Gemeinschaftsschulen vor Ort zu verhindern. Im Bericht derMinisterin wird deutlich, dass Schulentwicklungspläne zwar aufzustellen und regelmäßigfortzuschreiben sind, aber de facto können sie nicht als Argument dafür herhalten, dass dasMinisterium die Genehmigung für die Errichtung von Gemeinschaftsschulen verweigern soll.Dies ist dann ja auch nachweislich nicht geschehen und ich finde im Bericht wird dieseProblematik mit der Formulierung „ unter der Würdigung der Stellungnahmen der jeweiligenKreise“ elegant umschifft.Allerdings gab es besonders im Kreis Schleswig-Flensburg die interessante Konstellation, dassvernünftige CDU-Kommunalpolitiker mit Unterstützung von SSW und SPD sich vehement für dieEinführung von Gemeinschaftsschulen in den Gemeinden Handewitt und Schafflund eingesetzthaben, während die CDU-Kreistagspolitiker Stimmung gegen diese Schulart machten. InFlensburg hingegen gab es eine Mehrheit von SSW, SPD und Grüne für die Errichtung vonGemeinschaftsschulen gegen den erbitterten Widerstand der CDU vor Ort.Insgesamt macht der Bericht über die aktuelle Umsetzung des Schulgesetzes aber auch dieinneren Gegensätze dieser Schulreform deutlich. Das Gesetz ist eben ein Kompromiss zwischenzwei völlig verschiedenen schulpolitischen Ansätzen. Zwar können sich beiden Richtungen imGesetz wieder finden, aber dadurch wird der Kampf zwischen den Schularten nur auf diekommunale Ebene verlagert. Regionalschule oder Gemeinschaftsschule ist heute die Frage allerFragen in den kommunalen Gremien oder Schulträgern vor Ort. 3Der Streit der Großen Koalition um die Gemeinschaftsschulen darf aber nicht auf die kommunaleEbene verschoben werden. Die Leidtragenden werden in so einem Fall die Schulträger und dieEltern, die große Hoffnungen in die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen setzen, weil sich so ihrländlicher Schulstandort erhalten lässt. So kann man nicht mit den Menschen in Schleswig-Holstein umgehen. Daher mein Appell an die CDU: Stehen sie zu allen Teilen des Schulgesetzesund versuchen sie nicht die guten Ansätze für eine zukunftsfähige Schule zu unterlaufen.Allerdings muss auch die Landesregierung ihre Hausaufgaben machen damit weitereGemeinschaftsschulen im Lande entstehen können. Nicht zuletzt die GEW weißt ja darauf hin,dass es immer noch Probleme mit der Finanzierung und den etwas unklaren Rahmenbedingungenbei der Einführung von Gemeinschaftsschulen gibt. Dies betrifft auch das Ganztagsschulangebotfür diese Schulart, wo bei der offenen Ganztagsschule gerade viele Kinder nicht erreicht werdendie ein solches Angebot benötigen würden. Hier sollte das Bildungsministerium also nochnachbessern.Auch die Frage, was denn nun mit den heutigen Gesamtschulen genau geschehen soll und wiederen Zukunft aussieht, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch hier wünschen wir uns, dass dasMinisterium die notwendige Flexibilität ausweist um den berechtigten Forderungen dererfolgreichen Gesamtschulen in Schleswig-Holstein entgegen zu kommen. Es gibt keinensachlichen Grund dafür, dass dieses Erfolgsmodell jetzt zu den Verlierern der Schulreform gehörensollte.Im Bereich der Lehrerbildung kündigt die Landesregierung eine Fortbildungsoffensive an. Das istwichtig und vielleicht sogar entscheiden für den Erfolg der Gemeinschaftsschulen. Denn der SSWvertritt die Auffassung, dass das Verharren an traditionellen Laufbahnen eher kontraproduktiv istbei der Entwicklung einer zukunftsfähigen Schule. Denn bei der Umwandlung von Schulen inGemeinschaftsschulen müssen alle Lehrkräfte bei der Erarbeitung des pädagogischen Konzeptes 4miteingebunden werden. Dazu gehört dann auch, dass dieser Schulentwicklungsprozess durchFortbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte entscheidend flankiert wird.Es kommt also noch viel Arbeit bei der zukünftigen Schulentwicklung auf uns zu. Natürlich wärehier ein mehr stringenteres Schulgesetz hilfreich gewesen. Aber nun müssen wir mit diesemGesetz leben und alle konstruktiven Kräfte in Schleswig-Holstein sollten sich gemeinsam für diekonstruktive Umsetzung des bestehenden Gesetzes einsetzen. Der SSW wird sich jedenfalls vorOrt und im Landtag weiterhin für die Einführung von Gemeinschaftsschulen nachskandinavischem Vorbild einsetzen. Bei den Schulen der dänischen Minderheit wird dieser Prozessbereits 2010 abgeschlossen sein und wir hoffen, dass unsere Nachbarn im Landesteil Schleswigund Holstein sich dem langfristig zum Wohle der Kinder anschließen werden.