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19.06.20
17:33 Uhr
B 90/Grüne

Marret Bohn zur Corona-Strategie

Presseinformation

Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Zentrale: 0431 / 988 – 1500 Durchwahl: 0431 / 988 - 1503 Mobil: 0172 / 541 83 53
presse@gruene.ltsh.de www.sh-gruene-fraktion.de
Nr. 224.20 / 19.06.2020
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 25+67 – Regelmäßige Tests auf SARS-CoV-2 für Sozialberufe ermöglichen mit Bericht zum Coronavirus und seinen Auswirkungen auf Schleswig-Holstein

Dazu sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marret Bohn:

Wir wollen gut vorbereitet sein
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Situation hier bei uns ist derzeit stabil und das ist eine gute Nachricht. Wir Grüne sind allerdings dafür, weiterhin Schritt für Schritt vorzugehen und die Ausbreitungsdynamik genau im Blick zu behalten. Falls es zu einer zweiten Welle kommen sollte, wollen wir gut vorbereitet sein.
Es darf nie wieder passieren, dass wir für unser Personal in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen keine Schutzkleidung haben. Mit einer Produktion durch Unterneh- men in Schleswig-Holstein machen wir uns unabhängig von globalen Lieferketten, die in Pandemiezeiten unterbrochen sind. Hierzu gehören: FFP-2 und FFP-3-Masken, Face Shields (Gesichtsschutzschilder), Mund-Nasen-Schutz, Schutzkittel, Desinfektionsmittel, Schutzhandschuhe etc. „Made in Schleswig-Holstein“.
Es gibt derzeit einen Lieferengpass verschiedener Medikamente, die insbesondere auf Intensivstationen gebraucht werden. Die Apotheke des UKSH hat als eine von sechs Krankenhausapotheken in Deutschland die Genehmigung und den Auftrag der Bundes- regierung erhalten, das Narkosemittel Midazolam selbst herzustellen und andere Kran- kenhäuser zu versorgen. Wir hatten vor einigen Wochen nach einer Meldung der Seite 1 von 3 Deutschen Gesellschaft für Intensivmedizin auf diesen Lieferengpass hingewiesen. Un- ser Ziel ist, dass auch für andere Medikamente, bei denen ein Lieferengpass besteht, eine landesweite Produktion aufgebaut wird. Geprüft werden sollte eine Verbundlösung der Apotheke des UKSH mit der Apotheke des 6-K-Verbundes und anderer Kranken- haus-Apotheken in Schleswig-Holstein.
Das Land hat in den letzten Wochen im Rahmen seiner übergeordneten Pandemie-Zu- ständigkeit eine Reserve für persönliche Schutzausrüstung im Sinne einer Notfallreserve für Pflegekräfte und Ärzt*innen aufgebaut. Andere medizinische Berufe, wie z.B. die Heil- mittelerbringer*innen (Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Medizinische Podologie u.a.) werden derzeit hierbei nicht berücksichtigt. Diese Berufe sind für die Versorgung von Patient*innen jedoch enorm wichtig (Beispiel Patient*innen mit Schlaganfall). Damit in der zweiten Welle die Behandlung kontinuierlich fortgesetzt werden kann, sollten auch andere medizinische Berufe, wie z.B. die Heilmittelerbringer*innen und Hebammen im Notfall entsprechende Schutzausrüstung im Land erwerben können.
Das Contact Tracing (Rückverfolgung von Infektionsketten) gehört zur Strategie gegen die Bekämpfung der regionalen Ausbrüche und erfolgt über die örtlichen Gesundheits- ämter. Die Personalkapazitäten der Gesundheitsämter müssen in den nächsten Wochen mit Hochdruck aufgestockt werden, um das auf der Ministerpräsident*innenkonferenz vereinbarte Ziel von Teams mit jeweils 5 Personen pro 20.000 Einwohner*innen zu er- reichen. Die Gesundheitsämter werden durch sogenannte Containment Scouts unter- stützt, die die Kontaktpersonen der Infizierten ausfindig machen sollen. Der Einsatz der Containment Scouts ist für einen Zeitraum von 6 Monaten geplant. Dies ist aus unserer Sicht nicht lang genug, da der Zeitraum der Pandemie sich aller Voraussicht nach länger hinziehen wird. Wir wollen ein langfristiges Personalkonzept für den öffentlichen Gesund- heitsdienst.
Die Informationen über den Verlauf der Infektion mit SARS-CoV-2 und den Verlauf von Covid19 bei Kindern sind sehr unterschiedlich. Dies gilt auch für die Aussagen über die Bedeutung von Kindern für die Infektionsausbreitung. Über Forschungsverbünde wollen wir die Entwicklung des Infektionsgeschehens besonders in Bezug auf Kinder fortlaufend analysieren. Schleswig-Holstein wird sich an dieser Forschungsgruppe aktiv beteiligen.
Für sogenannte Clusterausbrüche mit besonders hoher Übertragungsaktivität, wie z.B. Infektionsausbrüche in Schlachthöfen und Altenpflegeeinrichtungen, müssen die landes- weiten Aufsichts- und Kontrollmöglichkeiten verbessert werden. Ein weiteres Ziel ist den Beginn der erwarteten zweiten Welle der SARS-CoV-2-Pandemie vom Beginn der ab- sehbar für den Herbst zu erwartenden Erkrankungsfällen mit Influenza und Pneumokok- ken-Infektionen zeitlich zu entzerren. Hiermit soll verhindert werden, dass die intensiv- medizinischen Kapazitäten durch diese Erkrankungen überlastet werden. Hierfür werden die Kapazitäten für die Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken aufgestockt. Das Ziel ist, dass allen, die sich im Rahmen der Empfehlungen der STIKO (Ständige Impf- kommission des Robert-Koch-Institutes) freiwillig impfen lassen möchten, Impfstoff zur Verfügung steht. Diese Maßnahme ist insbesondere für die Mitarbeiter*innen in Kranken- häusern und Pflegeeinrichtungen und für Risikopatient*innen wichtig. Zusätzlich sollte in die jährliche Impfkampagne intensiviert werden, damit möglichst viele das Angebot an- nehmen.
Unser großer Dank gilt allen Mitarbeiter*innen in den Krankenhäusern, in der Pflege, in den Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung, der Kinder- und Jugendhilfe und in den Lebensmittelläden. Sie haben dafür gesorgt, dass wir bisher so gut wie möglich durch die Corona-Pandemie gekommen sind. Unser Ziel ist, dass uns
2 das auch weiterhin gelingt.
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