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20.05.21
18:01 Uhr
SPD

REDE ZU PROTOKOLL GEGEBEN: Birte Pauls zu TOP 13: Niemand sollte alleine sterben müssen

Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion
Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

LANDTAGSREDE – 20. Mai 2021
Birte Pauls: Niemand sollte alleine sterben müssen TOP 13: Sterbende und ihre Angehörigen nicht im Stich lassen – Sterbenotruf unterstützen „Exponentielles Wachstum, Inzidenz, Nachverfolgung, social distancing, Superspreading, R- Wert, PCR Test, Homeoffice. Wörter, die dem jeweiligen Spezialisten aus ihrem Fachbereich zwar geläufig, aber für die breite Bevölkerung erst seit einem Jahr zum Alltagswörterbuch hinzugekommen sind. Ein weiteres Wort oder nein eher ein Ausdruck für eine Situation, die man sich weder selbst noch seinen Zugehörigen wünscht, ist das Wort „Hybride Sterbebegleitung“. Es wirkt erst einmal kalt, distanziert, technisch. Für Sterbende und Zugehörige, für die der Tod relativ plötzlich kommt, wo es keine Zeit des innigen Abschiedes gibt, eine Vorbereitung auf die Situation durch hospizliche Begleitung nicht möglich ist., ist es mit Hilfe der Technik in manchen Situationen gelungen, den Kontakt zu den Angehörigen digital zu organisieren. In Krankenhäusern, Hospizen und Pflegeheimen wurde einsam gestorben, über viele Monate grausamer Alltag. Viel zu wenig Personal um die Begleitung von Zugehörigen zu ersetzen. Was diese unfassbar schwierige Situation mit den Sterbenden, Erkrankten, Zugehörigen, Pflegenden und Ärzten macht, können wir nur erahnen. Die Infektion mit Covid-19 und den neue aufgetreten Mutationen können bei Älteren mit Vorerkrankung aber auch bei jüngeren, gesunden Menschen eine sehr schnelle und nicht vorausahnende Verschlechterung des Zustandes nach sich ziehen. Wer möchte in solcher Situation nicht noch einmal mit Zugehörigen sprechen oder tröstende Worte erfahren? Der Hospiz – und Palliativverband Schleswig – Holstein hat es vorgemacht. Unter dem Motto. „Digitale Sterbebegleitung in Zeiten der Corona-Pandemie“ sind mit Hilfe von Tablets viele Kontakte mit Älteren und Sterbenden ermöglicht worden, die es sonst nicht mehr gegeben hätte. Es gibt eben Situationen und Momente, die man nicht nachholen kann. „Niemand soll alleine sterben müssen“ ist die Motivation für diesen besonderen Einsatz, für den wir uns herzlich bei allen Beteiligten, Organisatoren wie Spendern bedanken.
Dieselbe Motivation leitet die Organisation Sterbenotruf. Es handelt sich dabei um eine gemeinnützige GmbH im Rahmen von social business in Gründung. Hinter dem Projekt steht die Firma Enteles, die u.a. durch Crowdfunding zurzeit für dieses Ziel Geld sammelt. Ziel dieser Organisation ist es Deutschlandweit mit Hauptamtlichen und Nebentätigen das

1 Sterbenotrufsystem mit der hybriden Trauer- und Sterbebegleitung zu etablieren und dort ergänzend tätig werden, wo andere Instrumente nicht greifen. Die direkte Ansprache erfolgt digital, virtuell, oder per Telefon von mittlerweile bundesweit über 3000 qualifizierte Sterbe- und Trauerbegleiter*innen. Das Projekt ist bereits in Schleswig-Holstein beim Hospiz- und Palliativverband und beim Städtischen Krankenhaus in Kiel angekommen und wird durch die Christian-Albrecht-Universität unterstützt.
Die SPD hat den Haushaltsantrag der Koalition für die Unterstützung des SterbeNotrufs mitgetragen. Wobei wir allerdings großen Wert darauf legen, dass die Koordination federführend bei der Koordinierungsstelle des Hospiz – und Palliativverbandes liegt, um Doppelstrukturen in S-H zu verhindern. Wir dürfen unter keinen Umständen zulassen, dass die bislang im Hospiz- und Palliativbereich Tätigen sich zurückgesetzt fühlen oder dass etwa mit der Organisation Geld verdient wird. Auch die, wie im Projekt beschriebenen, angeblich vorhandenen regionalen Lücken, dürfen natürlich nicht außerhalb von Corona-Zeiten zum Alltag werden. Generell ersetzt die hybride Trauerbegleitung natürlich nicht die persönliche Nähe, die gehaltene Hand, das tröstende Wort, die wärmende Umarmung und Nähe eines geliebten oder zugehörigen Menschen. Aber wenn die Technik einen letzten gemeinsamen Moment möglich machen kann, dass ist das gut. Uns tun alle Menschen und ihre Zugehörigen unendlich leid, die diesen nicht nachholbaren Moment des Abschiedes alleine erleben mussten. Niemand sollte alleine sterben müssen. Deshalb freuen wir uns über jeden Öffnungsschritt auch in dieser Hinsicht.“



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