Buchmacher
und Spiele-Anbieter können nun eine Fünf-Jahres-Lizenz beantragen
und müssen eine Abgabe von 20 Prozent ihres Ertrags an das Land
entrichten. Die Koalition erhofft sich Mehreinnahmen für den
Landeshaushalt. Von rund 60 Millionen Euro pro Jahr ist die Rede.
Bislang fließen die Wett-Erlöse am Fiskus vorbei, weil viele
Unternehmen vom Ausland aus das deutsche Staatsmonopol umschiffen.
Diese "Grauzone" werde nun beseitigt, betonte der
CDU-Abgeordnete Hans-Jörn Arp (Foto rechts):
"Wir erkennen das Internet als Markt an, den man kontrollieren
muss. Das ist zurzeit nicht der Fall."
SPD-Fraktionschef
Ralf Stegner (Foto links) sprach
dagegen von einem "Weg ins Abseits", der
Schleswig-Holstein schade. Die Koalition bediene private
Profitinteressen zulasten des Gemeinwohls -
das
sei "gesellschaftspolitischer Wahnsinn". Auch Lars Harms
(SSW/Foto rechts) mahnte, eine
Ausweitung des Angebots werde zu einer größeren Zahl von
Spielsüchtigen führen. Laut einer Studie lagen "allein die
sozialen Kosten, die durch Therapiemaßnahmen und die Folgen der
Beschaffungskriminalität entstehen, im Jahr 2008 bei rund 326
Millionen Euro", so Harms
Koalition setzt auf Umdenken auf EU-Ebene
Umstritten war auch, welche Konsequenzen der
schleswig-holsteinische Alleingang für das Land hat. Derzeit laufen
Verhandlungen zwischen den Bundesländern über eine Reform des
Staatsvertrags. Bis zu sieben Wettfirmen sollen ersten Eckpunkten
zufolge bundesweit eine Lizenz erhalten. Dies lehnt die Koalition in
Kiel ab: Die Beschränkung auf sieben Konzessionen werde vor Gericht
scheitern. Auch die EU-Kommission hat inzwischen die Position der
anderen Länder als Verstoß gegen die Wettbewerbsfreiheit
eingestuft. Schwarz-Gelb in Kiel will aber die Möglichkeit für
eine länderübergreifende Lösung offen halten: Die Konzessionen
für die Wettunternehmen sollen erst ab März 2012 gelten.
Der
FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki (Foto
links) betonte, diese Fristsetzung sei "ein Signal
an die anderen Länder, eine bundeseinheitliche Lösung zu
finden". Er nannte es "blamabel", dass der Entwurf
der 15 anderen Länder in Brüssel gescheitert sei. Und Innenminister Klaus Schlie (CDU)
betonte, dass keiner einen Alleingang wolle. "Aber", so
Schlie, "die anderen Länder müssen eben bei einem rechtskonformen Weg
mitmachen".
Demgegenüber
sprach Monika Heinold (Grüne/Foto rechts)
von einem "dilettantischen Vorgehen" von CDU und FDP im
Lande. Der Solo-Kurs bedeute eine "Aufkündigung der föderalen
Solidarität". Zudem sah sie ein finanzielles Risiko, falls
Schleswig-Holstein zuerst Konzessionen verteile und diese dann
später bei einer möglichen bundeseinheitlichen Lösung wieder
zurücknehmen müsse.
Nachbesserungen im Bereich
Spielsucht-Bekämpfung
Die Koalitionsfraktionen haben zudem ihren
Gesetzentwurf mit Blick auf die Spielsucht in den letzten Wochen
nachgebessert. Beispielsweise werden Anbieter von öffentlichen
Glücksspielen verpflichtet, Adressen von Beratungsstellen und
Selbsthilfe-Gruppen für spielsuchtgefährdete Spieler bereit zu
stellen. In den Verwaltungsrat der Glücksspiel-Aufsicht sollen
Vertreter des Verbraucherschutzes und der Suchtverbände berufen
werden. Und: Aus der Glücksspiel-Abgabe soll ein fester Betrag in
die Suchtarbeit und die Schuldnerberatung fließen.
Die
Koalition will auch das Glücksspiel an Automaten mit einem eigenen
Spielhallengesetz regulieren. Ein Entwurf dafür soll im November in
den Landtag eingebracht werden. Er soll unter anderem
Mindestabstände zu Schulen und Jugendtreffs festlegen. "Die
Bekämpfung von Sucht ist und bleibt unser vorrangiges Ziel",
merkte Werner Kalinka (CDU) an, während Uli Schippels (Linke/Foto
rechts) mahnte: "Wir werden mehr Süchtige haben,
mehr Leid und mehr Elend in den betroffenen Familien, da hilft es
auch nicht, wenn die Schuldnerberatung ein paar Euro mehr
bekommt."
Die Debatte über die Spielautomaten geht im
Finanzausschuss weiter. Im November soll die Landesregierung zudem
einen Bericht vorlegen, ob Spielhallen und Casinos zur Geldwäsche
missbraucht werden.