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9. November 2018 – Gedenkveranstaltung

Zwischen Sternstunde und unfassbarem Verbrechen

Landtag und Landesregierung haben der historischen Ereignisse des 9. November in der deutschen Geschichte gedacht und dabei zu Wachsamkeit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischem Gestaltungswillen aufgerufen.

Gedenken 9. November Landtag Plenarsaal
Schlie appelliert in seiner Rede an alle Demokraten, Haltung und Einsatz zu zeigen. Foto: Landtag, Regina Baltschun

Mit einem Festakt im Plenarsaal haben Landtag und Landesregierung an die Ereignisse des 9. November als historischem Datum in der deutschen Geschichte erinnert. Vor Politikern und Vertretern aus Kirche und Gesellschaft nannte Landtagspräsident Klaus Schlie das Datum „einen der bedeutendsten Tage unserer Geschichte“.

„Mal Sternstunde der Geschichte, mal Tag des unfassbaren Verbrechens – beides gehört zu unserer Vergangenheit, und beides mahnt uns, die Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte nicht als Selbstverständlichkeit zu verstehen“, sagte der Parlamentspräsident in Anspielung auf den 9. November 1918 (Ausrufung der Republik nach dem Ersten Weltkrieg), den 9. November 1923 (gescheiterter Hitlerputsch in München), den 9. November 1938 (Reichspogromnacht) und den 9. November 1989 (Mauerfall). Demokratie und Menschenrechte müssten immer wieder eingefordert werden, so der Appell Schlies: „Es ist fatal zu denken, man könne im Abseits stehen, ohne eigene Haltung und ohne eigenen Einsatz. Das ist mit Blick auf das heutige Datum niemals eine Option für Demokraten.“

Gastredner ordnet geschichtliche Ereignisse ein

Als Gastredner griff Herfried Münkler den 9. November 1918 heraus und verdeutlichte die geschichtlichen Ereignisse der „Ära der atlantischen Revolution“.  Der Erste Weltkrieg sei nicht nur im Südosten Europas ausgelöst, sondern dort auch entschieden worden, hielt der bedeutende Politikwissenschaftler und Professor der Humboldt-Universität in Berlin fest. Die neue Ordnung nach Kriegsende habe bereits „einen Todeskeim“ in sich gehabt, der sich dann durch die Wirtschaftskrise 1929 entfaltet und damit zum Aufstieg der Nationalsozialisten beigetragen habe. Der renommierte Wissenschaftler hob hervor, dass die „Komplexität“ des Themas Erster Weltkrieg auch heute noch nicht abschließend aufgearbeitet sei.

Er warnte vor einer oberflächlich-idealisierenden Lesart der revolutionären Ereignisse hundert Jahre später: „Die Revolution war eher das Ergebnis eines eklatanten Versagens der alten Eliten beziehungsweise ihrer gravierenden Fehleinschätzung der Lage als das eines gezielten und strategischen Agierens der Revolutionäre.“ Nicht zuletzt die Ziellosigkeit der Revolutionäre habe letztlich dazu geführt, dass Teile der Bevölkerung und des Militärs – die sich trotz der realen Niederlage im Krieg nicht wirklich besiegt fühlten – der sogenannten Dolchstoßlegende folgen und die Revolution für die Niederlage verantwortlich machen konnten. Die Folgen dieser propagandistischen Umdeutung historischer Verläufe hätten durchaus die weitere deutsche Geschichte im gesamten 20. Jahrhundert beeinflusst.

Heinold: Aktiv für Frieden und Menschenrechte einsetzen

Ministerpräsident Daniel Günther war als amtierender Bundesratspräsident bei der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin. Für ihn sprach seine Stellvertreterin Monika Heinold. Der 9. November sei ein Schlüsseltag der deutschen Geschichte, „auf dem Licht und Schatten liegen“, erklärte sie. Die unterschiedlichen Ereignisse vom Matrosenaufstand über die Reichspogromnacht bis zum Mauerfall führten vor Augen, wie wichtig es sei, sich aktiv für Frieden, Menschenrechte und Demokratie einzusetzen. „Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist die Grundlage für Demokratie“, so Heinold. „Wenn Demokraten fest aber fair streiten und Unterschiede deutlich werden, würden die Menschen zur Wahl gehen und aktiv mitmachen. Der 9. November sollte uns Mahnung sein, im Ringen um Demokratie nicht nachzulassen“, sagte sie.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Vocalband der Musikhochschule Lübeck unter der Leitung von Professor Bernd Ruf.