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16. November 2021 – Lesung mit Roger de Weck

„Die Demokratie muss wieder in die Offensive gehen“

Der Schweizer Publizist und Ökonom Roger de Weck liest im Landtag aus seinem Sachbuch „Die Kraft der Demokratie – Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre“ – und diskutiert über aktuelle Herausforderungen.

Lesung mit Roger de Weck
Autor Roger de Weck (r.) im Gespräch mit dem Kulturjournalisten Jan Ehlert. Foto: Landtag, Yvonne Windel

Am Abend war der Schweizer Autor Roger de Weck zu Gast im Landeshaus. Im Gepäck sein aktuelles Werk mit dem Titel „Die Kraft der Demokratie – Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre“, das er den rund 30 Zuhörern im Plenarsaal vorstellte. In seinem Buch entlarvt de Weck die Argumente autoritärer Populisten in ihrem Kulturkampf gegen die offene Gesellschaft und ruft dazu auf, an der Demokratie von morgen zu arbeiten. „Die Demokratie muss wieder in die Offensive gehen und bedarf dafür einer ständigen Modernisierung“, so der Schweizer.

Im Gespräch mit Kulturjournalist Jan Ehlert, der durch den Abend führte, beschrieb de Weck die Demokratie als die menschlichste aller Staatsformen – anders als autoritäre Staatsformen, die dem Menschen kein Mitspracherecht einräumten. „Und Mitsprache ist das, was die Menschen wollen, sie möchten mitreden über das, was in der Demokratie passiert“, hob er hervor. Entscheidend für die Modernisierung der Demokratie sei die Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen wie dem Klimawandel und der Corona-Pandemie.

De Weck wagte außerdem einen positiven Ausblick. Er identifizierte vier Entwicklungen, die während der Coronakrise, gestärkt worden seien. Diese hätten dazu beigetragen, dass autoritäre Reaktionäre in die Defensive gerückt seien: Das Bewusstsein für gesellschaftliche Ungleichheit sowie der Klimawandel seien geschärft und die Stellung der Frau sei ebenso gestärkt worden wie die antirassistische Bewegung „Black Lives Matter“. Seinen leidenschaftlichen Appell für die Demokratie schloss er mit der Feststellung, dass sich die Demokratie im Laufe der Geschichte behauptet habe – und sich auch künftig behaupten werde.

Mit demokratischem Dialog gegen den Monolog der Autoritären

„Wir dürfen die Demokratie nicht als selbstverständlich annehmen,“ mahnte die Landtagsvizepräsidentin zu Beginn des Abends. „Sie muss sich behaupten können und wieder über den Tag hinaus gedacht werden. Dabei sind wir alle gefragt.“ Die Stärke der Demokratie sei gerade die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und auf Herausforderungen flexibel und vielfältig reagieren zu können. Das habe sie als Staatsform autoritären Systemen voraus, die auf Positionen beharrten, selbst wenn diese von der dramatischen Wirklichkeit der Welt längst überholt worden seien. „Dem Monolog der Autoritären setzen wir heute gemeinsam den Dialog entgegen“, sagte Krämer.

Die Lesung war die erste Veranstaltung der Reihe „Politische Literatur im Landtag“ seit Beginn der Corona-Pandemie. De Weck, geboren 1953 in Freiburg im Üechtland (Schweiz) war von 1997 bis 2001 Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ und von 2011 bis 2017 Generaldirektor der Schweizerischen Radiound Fernsehgesellschaft. Heute ist er Lehrbeauftragter am College of Europe in Brügge und Warschau/Natolin sowie Ehrendoktor der Universitäten Luzern und Freiburg (Schweiz).