
Kreativ mit buntem Stoff: Stefanie Sievert, die Gründerin und Leiterin des Zauberwerks, und ihr Mitarbeiter Mohammad Mamo.
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Ein regnerischer Tag Ende November. Der Nähraum des Zauberwerk Kiel im Stadtteil Friedrichsort ist hell ausgeleuchtet, die Nähmaschine rattert gleichmäßig. Vor ihr sitzt Mohammad Mamo und arbeitet konzentriert an einem ganz besonderen Projekt: Er näht Taschen – echte Unikate aus altem Werbematerial vom Tag der offenen Tür des Landtages.
Rückblick in den Juli 2025: Damals warben bunte Banner mit einer Gesamtfläche von rund 300 Quadratmetern für die große Veranstaltung am Landeshaus. Sie hingen an Bauzäunen und Gerüsten, über der Tiefgarage und an den Pavillons auf der Rasenfläche, und sie wiesen den Besucherinnen und Besuchern am Tag der offenen Tür den Weg zu allen wichtigen Orten im und um den Landtag. Gefertigt aus PVC und Mesh – einer netzartigen Plane – trotzten sie Wind und Regen.
Verwendung im Sinne der Nachhaltigkeit
Dann war die Veranstaltung vorbei, und übrig blieb dieses viele robuste Material, das mit seinen besonderen Motiven viel zu schade zum Wegwerfen war. Ole Nietiedt, Mitarbeiter im Referat für Öffentlichkeitsarbeit und zuständig für die Organisation von Veranstaltungen, wollte auch im Sinne der Nachhaltigkeit Wege finden, es zu verwerten. Er recherchierte und fand: das Zauberwerk.
Das Zauberwerk, gegründet 2014 als Flüchtlingsinitiative, hat seinen Sitz in Kiel-Friedrichsort und bietet neben der Nähwerkstatt Sprachkurse, Kinderbetreuung und Beratung bei Alltagsproblemen an. Bei der Herstellung der Landtagstaschen arbeitet auch die Gründerin und Leiterin, Stefanie Sievert, mit. Sie übernimmt den Zuschnitt der einzelnen Teile der Tasche, vom Henkel bis zum Boden. „Ich suche dafür die besonderen Motive aus“, erzählt sie.
Die Verarbeitung des Materials ist herausfordernd
Arbeitet konzentriert an der Herstellung der Taschen: Mohammad Mamo.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Das sieht man am Ergebnis: Pferd, Diabolo, Mikrofon – viele der Symbole, die einst auf den Tag der offenen Tür aufmerksam machten, finden sich nun auf den Taschen wieder. Rund 80 Taschen haben Stefanie Sievert und Mohammad Mamo gemeinsam mit einigen Zuarbeiterinnen in der Schneiderei bereits produziert, mindestens 100 weitere sollen folgen. Sie zu nähen, sei gar nicht so einfach, berichtet Sievert: Besonders das feste PVC koste einige Mühe, es zu verarbeiten. „Mohammad sorgt dafür, dass die Taschen am Ende trotz des sperrigen Materials schön aussehen“, sagt sie.
Mamo, der vor elf Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, ist geübt: In der Schneiderei seiner Familie hat er das Handwerk gelernt, seit acht Jahren bringt er sein Können mittlerweile im Zauberwerk ein. Er beherrscht den festen Stoff, weiß, wie man ihr wendet, faltet und in Form bringt. Aus den alten Bannern schafft er so Stück für Stück Taschen, die an einen tollen Tag erinnern – und jede Werbekampagne überdauern.
Das Ergebnis: Außergewöhnliche Taschen, die an einen tollen Tag erinnern.
Foto: Landtag, Sönke Ehlers