Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

29. Januar 2026 - Plenum

„Tag der autochthonen Minderheiten“ in der Diskussion

In Schleswig-Holstein soll es künftig in jedem Jahr an einem festen Datum einen „Tag der autochthonen Minderheiten“ geben, das fordert die SPD. Der Antrag wurde ohne Aussprache in den Europaausschuss überwiesen.

In ihren echten Trachten tanzen Föhrerinnen bei einem Pressetermin vor dem Landeshaus in Kiel.
Die SPD-Fraktion fordert für Schleswig-Holstein einen Tag der autochthonen Minderheiten.
© Foto: dpa, Carsten Rehder

Mehr Sichtbarkeit für die autochthonen Minderheiten in den Medien und in den Schulen: Das fordern SSW und SPD in einem gemeinsamen Antrag, den der Landtag ohne Aussprache an den Europaausschuss überwiesen hat. Die Situation für Dänen, Friesen sowie Sinti und Roma im Lande sei grundsätzlich gut, heißt es darin, aber es gebe noch offene Baustellen. Ein eigener „Tag der Minderheiten“, wie von der SPD ursprünglich angedacht, ist allerdings vom Tisch.

Eine Forderung: ein fester Sitz für die Minderheiten im NDR-Rundfunkrat. Zudem soll der Norddeutsche Rundfunk dänisch- und friesischsprachige Sendungen fest ins Programm aufnahmen - und die Sprachen nicht nur, wie bisher, punktuell ins hochdeutsche Programm einfügen. Vorbild sei der MDR mit seinen Angeboten für die sorbische Bevölkerungsgruppe in Sachsen. Außerdem sollen die Schulen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland flächendeckend Friesisch unterrichten. Um mehr Lehrer für dieses Fach zu gewinnen, soll es im Studium als „vollwertiges Unterrichtsfach“ anerkannt werden. Die Bildungsarbeit der Sinti und Roma soll dauerhaft finanziert werden. Und: Das Wissen über die angestammten Minderheiten im Norden soll nach Willen von SSW und SPD in den Lehrplänen fest verankert werden, damit „kein Kind in schleswig-Holstein die Schule abschließt, ohne von den autochthonen Minderheiten gehört zu haben“.

Norden mit größter Vielfalt in diesem Bereich

Autochthone Minderheiten sind Bevölkerungsgruppen, die seit Jahrhunderten in einem bestimmten Gebiet leben. Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit der größten Vielfalt in diesem Bereich. Die dänische Minderheit in Südschleswig besteht aus etwa 50.000 Menschen. Nördlich der Grenze zählt die deutsche Minderheit etwa 15.000 Angehörige. Gut 50.000 Menschen im Nordwesten des Landes fühlen sich als Nordfriesen. Etwa 10.000 haben aktive und etwa doppelt so viele passive friesische Sprachkenntnisse. Im Lande leben zudem etwa 5.000 Sinti und Roma, hauptsächlich in Kiel, Lübeck sowie im Hamburger Randgebiet.

In Schleswig-Holstein soll es künftig in jedem Jahr an einem festen Datum einen „Tag der autochthonen Minderheiten“ geben. Das fordert die SPD und will bereits im Jahr 2027 damit starten. Die dänische Minderheit, die friesische Volksgruppe und die deutsche Minderheit in Dänemark sollen sich an diesem Tag der Öffentlichkeit präsentieren. Diese Gruppen wünschten sich „insgesamt mehr Sichtbarkeit ihrer Geschichte, Kultur und Anliegen“, so die Sozialdemokraten. Auch an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen soll das Thema an diesem Tag behandelt werden. Die Wissensvermittlung über die Minderheiten sei „ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Demokratie“.

Autochthone Minderheiten sind Bevölkerungsgruppen, die seit Jahrhunderten in einem bestimmten Gebiet leben. Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit der größten Vielfalt in diesem Bereich. Die dänische Minderheit in Südschleswig besteht aus etwa 50.000 Menschen. Nördlich der Grenze zählt die deutsche Minderheit in Nordschleswig etwa 15.000 Angehörige. Gut 50.000 Menschen im Nordwesten des Landes fühlen sich als Nordfriesen. Etwa 10.000 Menschen haben aktive und etwa doppelt so viele passive friesische Sprachkenntnisse. Im Lande leben zudem etwa 5.000 Sinti und Roma, hauptsächlich in Kiel, Lübeck sowie im Hamburger Randgebiet.

SSW-Fraktion reagiert ablehnend

Der SSW, der die Dänen und Friesen im Lande vertritt, reagierte in einer ersten Stellungnahme ablehnend auf den SPD-Vorschlag: Es gebe bereits derartige Tage, etwa die Årsmøde, das Jahrestreffen der dänischen Minderheit in Flensburg Ende Mai. Die deutsche Minderheit in Dänemark trifft sich alljährlich beim Knivsberg-Fest im Juni.

Top 15:

Antrag der Fraktion der SPD:
Drucksache 20/3994

Alternativantrag der Fraktionen von SSW und SPD:
Drucksache 20/4025 (in Kürze hier aufrufbar)