Mehr Sichtbarkeit für die autochthonen Minderheiten in den Medien und in den Schulen: Das fordern SSW und SPD in einem gemeinsamen Antrag, den der Landtag ohne Aussprache an den Europaausschuss überwiesen hat. Die Situation für Dänen, Friesen sowie Sinti und Roma im Lande sei grundsätzlich gut, heißt es darin, aber es gebe noch offene Baustellen. Ein eigener „Tag der Minderheiten“, wie von der SPD ursprünglich angedacht, ist allerdings vom Tisch.
Eine Forderung: ein fester Sitz für die Minderheiten im NDR-Rundfunkrat. Zudem soll der Norddeutsche Rundfunk dänisch- und friesischsprachige Sendungen fest ins Programm aufnahmen - und die Sprachen nicht nur, wie bisher, punktuell ins hochdeutsche Programm einfügen. Vorbild sei der MDR mit seinen Angeboten für die sorbische Bevölkerungsgruppe in Sachsen. Außerdem sollen die Schulen im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland flächendeckend Friesisch unterrichten. Um mehr Lehrer für dieses Fach zu gewinnen, soll es im Studium als „vollwertiges Unterrichtsfach“ anerkannt werden. Die Bildungsarbeit der Sinti und Roma soll dauerhaft finanziert werden. Und: Das Wissen über die angestammten Minderheiten im Norden soll nach Willen von SSW und SPD in den Lehrplänen fest verankert werden, damit „kein Kind in schleswig-Holstein die Schule abschließt, ohne von den autochthonen Minderheiten gehört zu haben“.
Norden mit größter Vielfalt in diesem Bereich
Autochthone Minderheiten sind Bevölkerungsgruppen, die seit Jahrhunderten in einem bestimmten Gebiet leben. Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit der größten Vielfalt in diesem Bereich. Die dänische Minderheit in Südschleswig besteht aus etwa 50.000 Menschen. Nördlich der Grenze zählt die deutsche Minderheit etwa 15.000 Angehörige. Gut 50.000 Menschen im Nordwesten des Landes fühlen sich als Nordfriesen. Etwa 10.000 haben aktive und etwa doppelt so viele passive friesische Sprachkenntnisse. Im Lande leben zudem etwa 5.000 Sinti und Roma, hauptsächlich in Kiel, Lübeck sowie im Hamburger Randgebiet.