
Christopher Vogt: „Wir brauchen für den zivilen Bereich eine klare Gesamtstrategie.“
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Vor Beginn der Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur im Land unterbrach der Landtag die Sitzung für ein Gedenken an die Opfer des Brandanschlags in einer Asylbewerberunterkunft in der Lübecker Hafenstraße vor 30 Jahren. Zehn Menschen, die in Schleswig-Holstein Schutz gesucht hatten, waren damals ums Leben gekommen. Landtagspräsidentin Kristina Herbst erinnerte im Rahmen einer Schweigeminute an die Verantwortung des Parlaments und sagte: „Erinnerung ist immer auch Verantwortung.“
In der anschließenden Aussprache herrschte fraktionsübergreifend Einigkeit darüber, dass der Schutz kritischer Infrastruktur angesichts neuer Bedrohungslagen gestärkt und beschleunigt werden muss. Unterschiedliche Akzente setzten die Fraktionen bei der Frage, wie dieses Ziel erreicht werden soll: Während ein FDP-Antrag eine eigenständige Landesstrategie fordert, setzt die Koalition auf die Weiterentwicklung bestehender Strukturen. FDP-Fraktionschef Christopher Vogt machte deutlich, warum die Liberalen hier zusätzlichen Handlungsbedarf sehen.
Vogt: „Bisherige Bemühungen reichen nicht aus.“

Marion Schiefer (CDU) verwies auf zahlreiche bereits umgesetzte Maßnahmen im Bevölkerungsschutz.
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„Angesichts wachsender Bedrohungen durch Anschläge, Sabotage und hybride Angriffe brauchen wir für den zivilen Bereich eine klare Gesamtstrategie“, sagte Vogt. Die Bundeswehr habe auf die neue Bedrohungslage mit eigenen Planungen reagiert – für den zivilen Bereich fehle ein vergleichbarer Ansatz bislang. Zwar sei im Bevölkerungsschutz bereits viel erreicht worden, doch dies reiche „bei weitem noch nicht aus“. Vogt verwies auf Stromausfälle wie zuletzt in Berlin und sprach sich für klarere Zuständigkeiten, bessere Vorbereitung und regelmäßige Übungen aus – insbesondere mit Blick auf Energie- und Wasserversorgung.

Jan Kürschner (Grüne): Schutz kritischer Infrastruktur ist „eine strategische Aufgabe ersten Ranges“.
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CDU und Grüne betonten, dass sie die grundsätzliche Zielrichtung des FDP-Antrags teilen, eine zusätzliche Landesstrategie jedoch nicht für notwendig halten. Marion Schiefer (CDU) verwies auf zahlreiche bereits umgesetzte Maßnahmen im Bevölkerungsschutz, etwa Notstromversorgung, Sirenenförderung und Notfallinfopunkte. „Wir handeln bereits seit Jahren in Schleswig-Holstein“, sagte sie, nun komme es darauf an, die bestehenden Strukturen konsequent weiterzuentwickeln. Schleswig-Holstein sei Küsten-, Energie- und Transitland „und im Konfliktfall auch Drehscheibe“, hob Jan Kürschner (Grüne) hervor. Der Schutz kritischer Infrastruktur sei daher „eine strategische Aufgabe ersten Ranges“. Entscheidend sei es, Zuständigkeiten klar zu regeln und im Frieden zu üben, um in der Krise vorbereitet zu sein.
Entscheidungen und Ergebnisse gefordert

Beate Raudies (SPD): „Jetzt muss auch mal geliefert werden.“
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„Mit der Bereitstellung von Haushaltsmitteln gibt der Landtag der Regierung einen großen Vertrauensvorschuss, aber jetzt muss auch mal geliefert werden“, forderte Beate Raudies (SPD). Eine Anhörung im Innen- und Rechtsausschuss habe zu Tage gefördert, was ihr Sorgen mache: Alle Bevölkerungsschutzorganisationen hätten ausdrücklich den guten Willen und die Bereitschaft der Landesregierung gelobt, bei dem Thema aktiv zu werden. „Aber alle Organisationen haben Entscheidungen und Ergebnisse eingefordert.“
„Gefahrenabwehr und Krisenmanagement müssen gut erklärt werden“, sagte Sybilla Nitsch (SSW). Nach Ereignissen wie dem Anschlag auf das Strom- und Gasnetz in Berlin stellten sich viele Menschen die Frage, was in einem solchen Fall konkret in Schleswig-Holstein geschehen würde. Übungen wie der jüngste Blackout-Test auf Helgoland seien hier ein gutes Beispiel und wichtig, um Vertrauen und Handlungssicherheit zu schaffen.

„Gefahrenabwehr und Krisenmanagement müssen gut erklärt werden“, sagte Sybilla Nitsch (SSW).
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Ministerin betont Konsens
Innenministerin Magdalena Finke (CDU) unterstrich zum Abschluss den breiten Konsens im Parlament. „Wir alle sind uns im Ziel einig: Unsere Kritische Infrastruktur muss geschützt sein“, sagte sie. Gespräche mit Energieversorgern und Netzbetreibern hätten gezeigt, dass bereits viele Maßnahmen ergriffen worden seien, zugleich müssten Pläne und Konzepte regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Neben Netzersatzanlagen brauche es vor allem Ersatzmaterial und gut ausgebildete Teams, um Ausfälle schnell beheben zu können. „Pläne sind das eine, Übungen das andere“, betonte Finke. Zudem sprach sie sich für ein bundesweites Lagebild zu hybriden Bedrohungen aus und verwies auf die Bedeutung der Eigenvorsorge.
Der Antrag der FDP wurde mit den Stimmen der Koalition abgelehnt. Der Alternativantrag von CDU und Grünen wurde anschließend einstimmig angenommen.

Innenministerin Magdalena Finke (CDU) sprach sich für ein bundesweites Lagebild zu hybriden Bedrohungen aus und verwies auf die Bedeutung der Eigenvorsorge.
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