
Thomas Hölck: „Man kann niemanden einstellen, wenn keine bezahlbare Wohnung zu finden ist.“
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In einer lebhaften Debatte befasste sich der Landtag mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Land – insbesondere für Arbeitskräfte in touristisch geprägten Regionen. Die SPD sieht darin ein zentrales Hindernis für die Fachkräftesicherung und fordert, die bestehende Wohnraumförderung gezielt um Mitarbeiterwohnungen zu erweitern. CDU und Grüne halten diesen Ansatz für nicht zielführend und setzen mit einem Alternativantrag auf die Weiterentwicklung bestehender Programme. Aus Sicht der Sozialdemokraten greift das jedoch zu kurz, wie Thomas Hölck in der Debatte deutlich machte.
Hölck verwies darauf, dass vielerorts nicht nur Wohnungen fehlten, sondern Beschäftigte faktisch vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen seien. In einigen Regionen seien die Angebotsmieten in den vergangenen zehn Jahren um bis zu 90 Prozent gestiegen, zugleich fielen zahlreiche Sozialwohnungen aus der Bindung. „Man kann niemanden einstellen, wenn keine bezahlbare Wohnung zu finden ist“, sagte Hölck. Eine gezielte Förderung sei deshalb notwendig, um dort anzusetzen, wo Wohnraummangel unmittelbar die Fachkräftesicherung behindere.
Koalition setzt auf bestehende Förderstrukturen

Thomas Jepsen (CDU): „Es ist leider nur wenig Neues in dem Antrag.“
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Für die CDU hielt Thomas Jepsen entgegen, dass Mitarbeiterwohnungen bereits heute über die soziale Wohnraumförderung möglich seien. Vieles von dem, was die SPD fordere, werde bereits umgesetzt. „Es ist leider nur wenig Neues in dem Antrag“, sagte Jepsen. Der Alternativantrag der Koalition ziele darauf ab, vorhandene Instrumente weiterzuentwickeln und laufende Projekte auszuwerten, statt die Förderung auf einzelne Zielgruppen zu konzentrieren.

Bina Braun (Grüne): „Unser klares Ziel ist es, die Mittel so einzusetzen, dass möglichst viel sozialer Wohnraum geschaffen wird“
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Bina Braun (Grüne) ergänzte, dass bei der Wohnraumförderung eine ausgewogene Mittelverteilung entscheidend sei. Auch sie zeigte sich „verwundert“ über den SPD-Antrag, da die Förderung von Wohnraum für Beschäftigte bereits gängige Praxis sei. „Unser klares Ziel ist es, die Mittel so einzusetzen, dass möglichst viel sozialer Wohnraum geschaffen wird“, sagte Braun. Dabei komme es darauf an, die vorhandenen Mittel „so gerecht wie möglich“ in Stadt und Land einzusetzen.
FDP und SSW unterstützen gezielten Ansatz

Annabell Krämer (FDP) kritisierte, dass Mittel der Investitionsbank Schleswig-Holstein zur Haushaltskonsolidierung herangezogen würden.
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Unterstützung für den SPD-Vorstoß kam von der FDP. Annabell Krämer kritisierte, dass Mittel der Investitionsbank Schleswig-Holstein zur Haushaltskonsolidierung herangezogen würden, statt konsequent in den Wohnungsbau zu fließen. Förderprogramme müssten einfacher zugänglich werden, zugleich bremsten hohe Baukosten und Bürokratie die Bautätigkeit. „Fakt ist: Wer heute noch baut, baut nicht mit, sondern trotz der Politik“, sagte Krämer.

Sybilla Nitsch (SSW) verwies darauf, dass andere Bundesländer bereits Modelle zur Förderung von Mitarbeiterwohnungen erprobt hätten.
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Auch der SSW sprach sich für gezielte Förderansätze aus. Sybilla Nitsch verwies darauf, dass andere Bundesländer bereits Modelle zur Förderung von Mitarbeiterwohnungen erprobt hätten – insbesondere für Regionen mit besonderen strukturellen Herausforderungen. Schleswig-Holstein könne von diesen Erfahrungen profitieren und entsprechende Ansätze prüfen.
Finke: „Bezahlbarer Wohnraum für alle“

Innenministerin Magdalena Finke (CDU) stimmte mit der Einschätzung überein, dass Schleswig-Holstein mehr bezahlbaren Wohnraum brauche.
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Innenministerin Magdalena Finke (CDU) stimmte mit der Einschätzung überein, dass Schleswig-Holstein mehr bezahlbaren Wohnraum brauche – „und zwar für alle“. Die Wohnraumförderung liege auf Rekordniveau, das Land sei „das beste Flächenland in der sozialen Wohnraumförderung“. Ziel der Landesregierung sei es nach wie vor, mehr zu bauen und mehr Bauen zu ermöglichen. Finke verwies unter anderem auf das Bauland-Mobilisierungsgesetz, das Wohnraumschutzgesetz und Erleichterungen durch den sogenannten Bauturbo. „Dadurch steht der Werkzeugkasten bereit, sodass gebaut werden kann“, sagte sie.
Eine Überweisung der Anträge in den Ausschuss sowie der SPD-Antrag wurden mit den Stimmen von CDU und Grünen abgelehnt. Der Alternativantrag der Koalition wurde angenommen.