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27. Februar 2026 – Plenum

Zurück zu Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit

Die FDP wirft der Landesregierung eine systematische Verzerrung bei der Haushaltsplanung vor und fordert mehr Transparenz, realistischere Ansätze und eine stärkere Einbindung des Parlaments. CDU und Grüne weisen die Kritik zurück.

Annabell Krämer (FDP)
Annabell Krämer (FDP): „Das Haushaltsrecht ist das Königsrecht des Parlaments.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Die FDP-Fraktion fordert eine „ehrliche und verlässliche Haushaltsplanung“ und sieht das Haushaltsrecht des Landtages durch wiederkehrend deutlich bessere Jahresabschlüsse geschwächt. In ihrem Antrag verlangt sie unter anderem realistischere und faktenbasierte Haushaltsansätze, den Verzicht auf übermäßige Puffer und zudem eine stärkere parlamentarische Kontrolle bei Rücklagen in kreditfinanzierten Haushalten. Die Landesregierung setze systematisch Einnahmen zu niedrig und Ausgaben zu hoch an, heißt es.

„Das Haushaltsrecht ist das Königsrecht des Parlaments“, betonte Annabell Krämer (FDP), doch statt Klarheit und Wahrheit erlebe man seit Jahren „ein Spiel mit verdeckten Karten“. Wiederholt seien Haushaltsabschlüsse um mehrere hundert Millionen bis zu einer Milliarde Euro besser ausgefallen als geplant, so Krämer: Entweder fehle der Regierung der Überblick oder sie schaffe sich bewusst Spielräume am Parlament vorbei. „Ich weiß nicht, was schlimmer ist!“. Kreditermächtigungen würden beantragt, obwohl absehbar sei, dass sie nicht benötigt würden, Rücklagen gebildet, statt Kredite zu reduzieren.

Plambeck: „Vorsichtige Planung kein Fehler sondern Pflicht“

 

Ole Plambeck (CDU)
Ole Plambeck (CDU) betonte, Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit seien „Verfassungsauftrag“.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Ole Plambeck (CDU) wies die Kritik entschieden zurück. Haushaltswahrheit und Haushaltsklarheit seien „Verfassungsauftrag“, den die Landesregierung sehr ernst nehme. Dass Abschlüsse teilweise besser ausfielen als geplant, sei kein Beleg für Täuschung, sondern Ausdruck vorsichtiger Planung in unsicheren Zeiten. Pandemie, Energiepreiskrise, Krieg in Europa und volatile Steuerschätzungen hätten konservative Ansätze erforderlich gemacht. „Vorsichtige Planung ist kein Fehler – sie ist Pflicht“, so Plambeck. Oliver Brandt (Grüne) ergänzte, konjunkturelle Steuermehreinnahmen müssten zunächst zur Tilgung von Konjunkturkrediten verwendet werden und eröffneten nicht automatisch zusätzlichen Ausgabenspielraum.

 

Oliver Brandt (Grüne)
Oliver Brandt (Grüne) ergänzte, konjunkturelle Steuermehreinnahmen müssten zunächst zur Tilgung von Konjunkturkrediten verwendet werden.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Beate Raudies (SPD) unterstützte die Kritik an der Haushaltsführung grundsätzlich. Haushaltswahrheit bedeute realistische und schlüssige Ansätze für Einnahmen und Ausgaben. Doch „was uns in den letzten Jahren als Haushaltsführung verkauft wurde, ist in Wahrheit eine politische Inszenierung“, sagte sie. Wiederkehrende Abweichungen in dreistelliger Millionenhöhe seien kein Zufall mehr, sondern „der statistische Fingerabdruck einer Regierung, die den Haushalt als taktisches Werkzeug benutzt“. Dadurch verschiebe sich reale Entscheidungsmacht vom Parlament hin zur Landesregierung.

 

Beate Raudies (SPD)
Beate Raudies (SPD) unterstützte die Kritik an der Haushaltsführung grundsätzlich.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Ehrlichkeit als fundamentales Gut

Christian Dirschauer (SSW) sprach von Ehrlichkeit als „fundamentalem Gut“. Zwischen Haushaltsentwurf und tatsächlichem Abschluss hätten in den vergangenen Jahren „Welten“ gelegen – dies müsse sich ändern. Haushaltsklarheit dürfe dabei aber kein „trojanisches Pferd“ für Sozialkürzungen sein. Realistische Planung sei notwendig, „aber nicht auf dem Rücken der Schwächsten“, so Dirschauer.

 

Christian Dirschauer (SSW)
Christian Dirschauer (SSW) sprach von Ehrlichkeit als „fundamentalem Gut“.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Finanzministerin Silke Schneider (Grüne) wies die Vorwürfe der Opposition zurück: „Der Haushalt wird strikt nach den gesetzlichen Grundsätzen aufgestellt, bewirtschaftet und abgeschlossen“, sagte sie. Der Haushaltsplan sei eine sorgfältige Prognose und eine Ausgabeermächtigung, keine Verpflichtung; Abweichungen im Jahresverlauf seien normal. Steuermehreinnahmen 2025 hätten keinen zusätzlichen Ausgabenspielraum geschaffen, da sie nach den Regeln der Schuldenbremse zunächst die Kreditaufnahme reduzierten und anschließend zur Tilgung konjunktureller Kredite eingesetzt werden müssten. „Die Jahresabschlüsse sind das Ergebnis einer vorausschauenden, verantwortungsbewussten und transparenten Haushaltsplanung“, so Schneider. Der Antrag der FDP wurde mit den Stimmen von CDU und Grünen abgelehnt. SPD, FDP und SSW stimmten dafür.

 

Silke Schneider (Grüne)
Finanzministerin Silke Schneider (Grüne) wies die Vorwürfe der Opposition zurück.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Die FDP-Fraktion sieht absichtlich falsche Kalkulationen im Landeshaushalt und fordert die Landesregierung zu einer ehrlicheren und verlässlicheren Haushaltsplanung auf. In ihrem Antrag verlangt sie unter anderem, Haushaltsansätze künftig realistisch und faktenbasiert zu kalkulieren, Vorsorgen und Haushaltspuffer nur in begründeten Ausnahmefällen vorzusehen sowie Rücklagenbildungen in kreditfinanzierten Haushalten an eine vorherige Beschlussfassung durch den Finanzausschuss zu binden.

Zur Begründung verweisen die Liberalen auf wiederholt deutlich bessere Jahresergebnisse als ursprünglich geplant. In den vergangenen Jahren hätten die Haushaltsabschlüsse die Annahmen teils um mehrere hundert Millionen Euro übertroffen; für 2025 zeichne sich erneut eine Abweichung von rund 800 Millionen Euro ab. Dies sei Ausdruck einer systematischen Über- und Unterplanung, die das Budgetrecht des Landtags schwäche.

Mehr Steuereinnahmen als erwartet

Nach dem vorläufigen Haushaltsabschluss hatte Oppositionsführerin Serpil Midyatli kürzlich der Landesregierung vorgeworfen, den finanziellen Spielraum bewusst zu pessimistisch dargestellt zu haben. CDU-Fraktionschef Tobias Koch wies Midyatlis Vorwürfe zurück und verwies auf die Bindung an die amtliche Steuerschätzung sowie verfassungsrechtliche Vorgaben zur vorrangigen Schuldentilgung. Wie das Finanzministerium Anfang des Monats mitteilte, hat Schleswig-Holstein 2025 mehr Steuern eingenommen als ursprünglich erwartet. Statt geplanter konjunktureller Kredite konnten alte Verbindlichkeiten getilgt werden. Finanzministerin Silke Schneider sprach in diesem Zusammenhang von einer „kurzen Atempause“, betonte jedoch, der Haushalt bleibe anspruchsvoll.

Der Landtag hatte im Dezember des vergangenen Jahres den Haushalt 2026 mit Ausgaben von rund 18,4 Milliarden Euro beschlossen. Vorgesehen ist eine Nettokreditaufnahme in Höhe von 565 Millionen Euro. Zugleich sieht der Etat weitere Konsolidierungsmaßnahmen vor und nutzt Mittel aus dem schuldenbasierten Investitionspaket des Bundes für Infrastrukturmaßnahmen.

Top 10:

Antrag der Fraktion der FDP: