Lob und Anerkennung für Samiah El Samadoni: Vertreter aller Fraktionen haben der scheidenden Bürgerbeauftragten für ihre langjährige Arbeit gedankt. El Samadoni habe sich stets mit Engagement und Kompetenz für die Menschen im Lande eingesetzt, hieß es. Anlass war der aktuelle Tätigkeitsbericht der Bürgerbeauftragten für die Jahre 2022/2023 in ihrer Rolle als Ombudsperson in der Kinder- und Jugendhilfe. Es war El Samadonis letzte Arbeitsbilanz – die Rechtsanwältin aus Kiel war 2014 erstmals in das Amt der Bürgerbeauftragten gewählt worden und trat nach zwei Wahlperioden nicht wieder an. Unmittelbar nach der Landtagsdebatte wählte das Parlament die ehemalige Grünen-Parlamentarierin und Staatssekretärin Anke Erdmann einstimmig zur Nachfolgerin.
Die Stelle des Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten gibt es in Schleswig-Holstein seit 1988. Die Beauftragte berät Bürger, die Ärger mit Ämtern und Behörden haben, etwa in den Bereichen Grundsicherung, Kranken-, Renten-, Pflege und Unfallversicherung, Behindertenrecht, Sozialhilfe oder Kindergeld. Zudem spricht sie Empfehlungen an Verwaltung, Regierung und Parlament aus. Mit ihren 20 Mitarbeitern ist die Bürgerbeauftragte bei der Landtagsverwaltung angesiedelt. Zu dem Posten gehören auch die Aufgaben als Polizeibeauftragte sowie als Leiterin der Antidiskriminierungsstelle und der Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche. In dieser Funktion verzeichnete El Samadoni im Berichtszeitraum 761 Eingaben. Schwerpunkt war demnach die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Wohngruppen.
Fachkräftemangel hinterlässt Spuren im System
Basierend auf dem aktuellen Tätigkeitsbericht betonte Dagmar Hildebrand (CDU), dass es „strukturelle Probleme in der Kinder und Jugendhilfe“ gebe. Durch Stellenvakanzen oder erhebliche Erkrankungszeiten seien Jugendämter unzureichend besetzt. Ein besonderes Problem sei diese unzureichende Unterstützung für alle Beteiligten, aber „insbesondere für die Kinder“.
Nelly Waldeck (Grüne) betonte, dass Kinder und Jugendliche stärker in Entscheidungen einbezogen werden müssten. „Es müssen Wege gefunden werden, damit Kinder, die weit weg vom Wohnort untergebracht sind, eine Ansprechperson vor Ort haben und das zuständige Jugendamt nicht in Berlin oder München ist.“ Des Weiteren forderte Waldeck eine Aufstockung der Plätze in der sozialen Arbeit.
Schulpflicht für Kinder aus anderen Bundesländern
Sophia Schiebe (SPD) appellierte an das Land, für Stabilität, Schutz und Perspektiven bezüglich der aus ihren Familien genommenen Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Sie kritisierte die Landesregierung dafür, dass Kinder und Jugendliche, die aus anderen Bundesländern kommen und hier in Heimen leben, nicht der Schulpflicht unterlägen. „Schule ist mehr als Unterricht und gibt den Kindern Alltag, Struktur und Verlässlichkeit.“
Eine Änderung des Schulgesetzes verlangte Heiner Garg (FDP). In 13 anderen Bundesländern gelte diese Schulpflicht für Kinder und Jugendliche bereits. Garg kritisierte ein „Ping-Pong-Spiel zwischen Sozialministerium und Bildungsministerium“ und forderte eine Änderung des Schulgesetzes noch in dieser Legislaturperiode.
Brücke zwischen Menschen und Verwaltung
Christian Dirschauer (SSW) unterstützte ebenfalls eine Änderung des Schulgesetzes, „damit Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen und Heimen eine kindgerechte Erziehung erhalten“. Eine gezielte Fachkräfteinitiative sei notwendig, um die Aufstellung der Jugendämter zu verbessern.
In Vertretung für Sozialministerin Aminata Touré dankte Umweltminister Tobias Goldschmidt Samiah El Samadoni für ihre wichtige Arbeit und hob hervor, wie wichtig eine unabhängige Stimme wie ihre sei. „Die Beratungsstelle ist eine Brücke zwischen Menschen und Verwaltung und Samiah El Samadoni hat in ihrer Amtszeit der Politik wichtige Impulse gegeben.“