
Ein fester Sitz im NDR-Rundfunkrat nach dem Vorbild des MDR fordern SSW und SPD
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Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Mehr Niederdeutsch, Friesisch und Dänisch in Radio und Fernsehen: Diese Forderung richten Vertreter der Minderheiten im Lande schon seit Langem an den Norddeutschen Rundfunk. Der NDR wiederum sieht sich in diesem Bereich gut aufgestellt. Nun setzen sich SSW und SPD dafür ein, dass Plattschnacker, Dänen und Friesen einen gemeinsamen festen Sitz im NDR-Rundfunkrat bekommen. Bei der Diskussion darüber waren die Meinungen im Europaausschuss geteilt.
Vorbild für SSW und SPD ist der Mitteldeutsche Rundfunk. Dort gehört schon seit vielen Jahren ein Vertreter der sorbischen Volksgruppe dem Rundfunkrat an. Aktuell ist dies Bernhard Ziesch, der per Video aus dem sächsischen Bautzen zugeschaltet war. „Den Sorben ist es durch ihre Mitgliedschaft im MDR-Rundfunkrat gelungen, ein breitgefächertes tägliches vierstündiges Hörfunkprogramm, ein monatliches TV-Magazin sowie eine vielschichtige Präsenz von Beiträgen in der Mediathek zu platzieren“, zog er eine Erfolgsbilanz seiner Arbeit. Die etwa 60.000 Sorben, eine slawische Sprachgemeinschaft, leben im Osten Brandenburgs und Sachsens.
Waldinger-Thiering fordert Qualität vom NDR
Eine derartige Berichterstattung über die Minderheiten finde im Norden „kaum statt“, monieren SSW und SPD in ihrem Antrag, der Grundlage der Ausschussdebatte war. Das rief Volker Schulz auf den Plan, der die Redaktion „Heimat, Kultur, Sprachen“ im Landesfunkhaus leitet. Er zählte eine Vielzahl von Angeboten auf: Im Radio wird einmal die Woche eine Stunde lang „Von Binnenland un Waterkant“ berichtet, hinzu kommen alle zwei Wochen ein niederdeutsches Hörspiel sowie Kurzbeiträge wie „Hör mal ’n beten to“. Im TV gibt es einmal im Monat eine halbe Stunde „De Noorden op Platt“. Einmal wöchentlich sendet die Welle Nord drei Minuten „Frasch for enarken“ („Friesisch für alle“). Hinzu kommen Podcasts auf Platt, Friesisch und Dänisch.
Die SSW-Abgeordnete Jette Waldinger-Thiering forderte Qualität vom NDR: „Wir wollen nicht reduziert werden auf die Verniedlichung unserer Sprache.“ Das Programm müsse das aktuelle Tagesgeschehen abbilden und Nachrichtenbeiträge enthalten. „Wir wollen weg von den Klischees“, betonte NDR-Redakteur Schulz. Allerdings sei es schwer, „unter 10.000 Friesisch Sprechenden im Lande junge Journalisten zu finden“. Zudem sei die Hörer- und Zuschauerschaft klein: „Man kann mit Friesisch keine Reichweitenrekorde brechen.“
Bernhard Ziesch, der Vertreter der Sorben im MDR-Rundfunkrat, zieht eine positive Bilanz seiner Arbeit. Er war per Video aus Sachsen zugeschaltet.
Foto: Landtag, Karsten Blaas
Debatte um Quoten und Repräsentanz
An diesem Punkt schaltete sich Sorben-Vertreter Ziesch ein: „Die Quote darf überhaupt keine Rolle spielen.“ Eka von Kalben (Grüne) sah einen weiteren Nutzen des Platt- und Friesischprogramms: Es wecke „das Bewusstsein der Mehrheitsbevölkerung“ für die Anliegen der Minderheiten.
Kann also ein Sitz im Rundfunkrat den Regionalsprachen weiterhelfen? Birte Pauls (SPD) untermauerte diesen Vorschlag und regte an, einen der beiden Sitze, die der Landtag in dem Gremium besetzt, an den SSW als Minderheitenvertretung zu geben. Uta Wentzel (CDU) äußerte Sympathie: „Das würde der gesellschaftlichen Vielfalt in Schleswig-Holstein gerecht werden.“ Im NDR-Rundfunkrat sitzen 58 Mitglieder aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Ihre Aufgabe ist es, den Programmauftrag zu überwachen und die Macher zu beraten. Schleswig-Holstein entsendet insgesamt elf Repräsentanten, die laut NDR-Staatsvertrag von gesellschaftlichen Gruppen benannt werden, etwa den Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden.
Becker: „Man kann auch ohne festen Sitz Einfluss nehmen.“
Doch das bedeute nicht, dass die Mitglieder ausschließlich ihre eigene Organisation vertreten, so Patrick Pender (CDU): „Man hat nicht nur das eine Thema.“ Das bestätigte der stellvertretende Vorsitzende des Landesrundfunkrats, Gunnar Becker: „Ich bin vom Landesmusikrat entsandt, aber ich bin kein Lobbyist der Musik. Ich bin Vertreter der gesamten Gesellschaft.“
Ohnehin, so Becker, seien nicht nur die sprachlichen Minderheiten an einem Sitz in dem Aufsichtsgremium interessiert, sondern beispielsweise auch Senioren, junge Menschen, Menschen mit Behinderung oder der Sport. „Wie groß soll der Rundfunkrat werden, um allen gerecht zu werden?“ Er rief Plattschnacker und Friesen auf, sich direkt an die Verantwortlichen zu wenden: „Man kann auch ohne festen Sitz Einfluss nehmen.“