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Erhalt der bisherigen Stundenzahl im Fach Geschichte in der Oberstufe

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit reiche ich folgende Petition gemäß Artikel 25 der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein ein.
Gegenstand der Petition:
Ich wende mich gegen die geplante Kürzung einer Unterrichtsstunde im Fach Geschichte in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe in Schleswig-Holstein.
Begründung:
Die geplante Reduktion des Geschichtsunterrichts gefährdet die Qualität der historisch-politischen Bildung an unseren Gymnasien und widerspricht dem Bildungsauftrag des Landes, mündige und verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger zu bilden.
1. Bedeutung des Faches für die Demokratiebildung:
Das Fach Geschichte leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Demokratieerziehung. Es vermittelt Wissen über historische Zusammenhänge, sensibilisiert für politische Prozesse und stärkt die Fähigkeit zur kritischen Urteilsbildung – zentrale Kompetenzen, die in Zeiten von Populismus, Desinformation und Geschichtsklitterung wichtiger denn je sind.
2. Fachübergreifende Relevanz:
Geschichte ist ein integratives Fach, das Kompetenzen in den Fächern Wirtschaft/Politik, Philosophie, Geografie und weiteren Fächern fördert. Eine Reduzierung der Stunden schwächt somit nicht nur den Geschichtsunterricht selbst, sondern auch den fächerübergreifenden Bildungsanspruch der gymnasialen Oberstufe,
3. Widerspruch zum Bildungsanspruch des Landes:
Das Land Schleswig-Holstein bekennt sich in seinen Bildungsgrundsätzen zu einer werteorientierten, demokratischen und reflektierten Allgemeinbildung. Eine Stundenkürzung im Fach Geschichte steht diesem Anspruch diametral entgegen.
4. Gelingender Geschichtsunterricht braucht Zeit:
Ein „Durchhetzen“ durch Inhalte widerspricht den didaktischen Prinzipien eines problemorientierten und multiperspektivischen Lernens, das auf Urteilsbildung und Gegenwartsbedeutung zielt. Nur ein sorgfältig geplanter und tiefgehender Unterricht ermöglicht es jungen Menschen, Orientierungswissen zu erwerben, Deutungsmuster zu erkennen und verantwortungsbewusste Positionen zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einzunehmen und auszuhandeln.
Forderung:
Ich fordere den Schleswig-Holsteinischen Landtag auf,
• die Kürzung des Unterrichts im Fach Geschichte um eine Stunde in der Einführungsphase nicht umzusetzen
• die Bedeutung des Faches für die Demokratiebildung ausdrücklich anzuerkennen und
• sicherzustellen, dass die Stundentafel der gymnasialen Oberstufe den Erfordernissen historisch-politischer Bildung weiterhin gerecht wird.
Dringlichkeit:
Die Maßnahme soll nach aktuellem Plan bereits in Kürze in Kraft treten. Eine frühzeitige Intervention des Landtages ist daher notwendig, um negative Auswirkungen auf den Unterrichtsbeginn des kommenden Schuljahres zu verhindern.
Der Petitionsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages hat die öffentliche Petition, die von 2.516 Personen unterstützt wird, auf der Grundlage der von dem Petenten vorgetragenen Gesichtspunkte und einer Stellungnahme des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur beraten.
Der Petent beklagt, dass eine geplante Reduktion des Geschichtsunterrichts um eine Stunde die Qualität der historisch-politischen Bildung an den Gymnasien gefährde und dem Bildungsauftrag des Landes widerspreche, mündige und verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger zu bilden. Insbesondere in Zeiten von Populismus, Desinformation und Geschichtsklitterung leiste das Fach einen unverzichtbaren Beitrag zur Demokratieerziehung. Die geplante Kürzung solle daher nicht umgesetzt werden.
Der Petitionsausschuss nimmt zur Kenntnis, dass die von dem Petenten kritisierte Maßnahme Teil einer geplanten Änderung der Oberstufenverordnung gewesen ist. Im Schuljahr 2026/27 hätte danach in der elften Klasse in den Fächern Geschichte, Philosophie, Religion und einer weiteren Fremdsprache jeweils eine Unterrichtsstunde entfallen sollen. Hintergrund der Maßnahme waren das Ziel der Vereinheitlichung von Oberstufenstunden aufgrund bundesweiter Vorgaben sowie Einsparungen von Lehrerstunden im Kontext der Haushaltskonsolidierung. Zu der geplanten Änderung hat das Bildungsministerium von Oktober bis Dezember 2025 ein Anhörungsverfahren durchgeführt.
Dem Ausschuss stellt fest, dass sowohl im Rahmen der Verbändeanhörung als auch durch die große Zustimmung zur öffentlichen Petition ein sehr großer Widerstand gegen die geplante Maßnahme deutlich geworden ist. Im Ergebnis führten die Auswertung der Anhörung und die Berücksichtigung der vorgebrachten Argumente dazu, dass die vorgesehenen Reduzierungen in den Fächern Geschichte, aber auch Religion, Philosophie sowie der zweiten Fremdsprache nicht vorgenommen wurden.
Der Landtag stimmte dem Petenten in seiner Beratung am 25. Februar 2026 zu, dass gerade in einer Zeit multipler Krisen – von internationalen Konflikten über wirtschaftliche Unsicherheiten bis hin zu gesellschaftlicher Polarisierung – die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer unverzichtbar sind. Sie vermitteln historisches Wissen, politisches Verständnis und ökonomische Grundkenntnisse, die junge Menschen befähigen, aktuelle Entwicklungen einzuordnen, verantwortungsbewusst zu handeln und auf gesellschaftlich herausfordernde Zeiten zu reagieren. Dem Petenten dankt der Ausschuss für sein Engagement und wichtige Impulse.
Die Veröffentlichung des Beschlusses erfolgt vorbehaltlich der Bestätigung der Erledigung der Petition durch den Schleswig-Holsteinischen Landtag. Die Bestätigung erfolgt in einer der nächsten Tagungen.