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Gemeinsam den Kollaps des Bildungssystems verhindern

In Schleswig-Holstein wird gerade ein standardisiertes digitales Diagnoseverfahren (LeA.SH) implementiert. Das befürworten wir. Wenn wir aber unser herkömmliches Benotungssystem unverändert daneben bestehen lassen, wird kein System seine Wirkung entfalten können: Lehrkräfte werden aufgrund des immensen zeitlichen Aufwands, den u.a. der Kampf um die Noten inzwischen mit sich bringt, keine Zeit haben, auf die Testergebnisse, Fördermaterialien und Empfehlungen zur Weiterarbeit (die LeA.SH liefert) auch nur einen Blick zu werfen.
Noten selbst wirken in Zeiten von KI zunehmend der erhofften Leistungs- und Kompetenzorientierung entgegen. Denn natürlich handeln auch junge Menschen zielorientiert und arbeitssparend:
Wenn ich als Schüler den Eindruck habe, dass es bei der Lektüre eines Buches gar nicht um das Buch geht, sondern um die Noten für die Lese-Tagebuch-Aufgaben, dann lasse ich diese sinnvollerweise von meiner KI generieren. Das spart eine Menge Zeit und führt zu deutlich besseren Ergebnissen.
Wenn ich als Schülerin bei einem Unterrichtsgespräch über demokratische Grundwerte den Eindruck habe, dass es gar nicht um demokratische Werte geht, sondern nur um die Note für meine Performance während dieses Unterrichtsgesprächs, dann lasse ich mir sinnvollerweise von meiner KI intelligent klingende Unterrichtsbeiträge ins Ohr soufflieren. Das ist einfacher und effektiver. Und technisch inzwischen leicht machbar.
Lernende, die dieses Spiel nicht mitspielen wollen oder können, stehen vor der Pest-oder-Cholera-Entscheidung, ungerechte Noten schlucken oder Mitschüler verpetzen zu müssen - Gift für das soziale Miteinander auf allen Ebenen.
Ein KI-Verbot ließe sich nur mit Hilfe von Störsendern, abgeschirmten Räumen, Sicherheitsschleusen oder Leibesvisitationen umsetzen. Wollen wir das?
Wir können die Welt nicht zurückdrehen. Aber wir können die Situation als Chance begreifen: Eine Abkehr von der Bewertung der Unterrichtsbeiträge durch Lehrkräfte, die seit langem schon zu immer verbisseneren Auseinandersetzungen führt und allen Beteiligten viel Zeit und Kraft abverlangt, würde nicht nur mangelndem Wohlbefinden, Schulangst, Absentismus und Lehrkräftemangel entgegenwirken, sondern auch erhebliche Zeit-Ressourcen freisetzen und Lernenden verdeutlichen, dass es in der Schule um Wissen und Können geht, nicht nur um Noten.
1) Klassenarbeiten und Notenzeugnisse müssen durch objektive Leistungsstanderhebungen und zentral organisierte Zwischenstands- und Abschlussprüfungen in KI-sicheren Räumen ersetzt werden.
2) Lehrkräfte müssen Zeit und Gelegenheit haben, individuelle Lernbegleitgespräche zu führen. Das ist leicht realisierbar, wenn 1) erfüllt ist und Lehrkräfte nicht nach Unterrichtsstunden, sondern nach Arbeitszeit bezahlt werden.
3) Das Schulsystem muss endlich kostensparend und effizient arbeiten. Hierfür müssen unterrichtsferne Tätigkeiten – die bei der Arbeitszeiterfassung sichtbar werden – VertreterInnen anderer Berufsgruppen übertragen werden.