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9. April 2020 – Nachgefragt

Im Home-Office geht die Arbeit weiter

In Zeiten von Corona entfallen fast alle Sitzungen, Konferenzen und Meetings im Landeshaus. Wie ist es, sämtliche Landesgeschäfte von zu Hause aus zu erledigen? Sechs Landtagsabgeordnete berichten von den derzeitigen Arbeitsbedingungen.

Home Office Collage Abgeordnete
Im Home-Office: (oben v. l.) L. Kilian, B. Herdejürgen, L. Petersdotter, (unten, v. l.) J. M. Rossa, F. Brodehl, J. Waldinger-Thiering Collage: Landtag, Yvonne Windel

Lukas Kilian (CDU):
„Landeshaus wirkt wie ein schlecht besuchtes Museum“

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Die Krise beeinflusst seine Sicht auf die Politik: Lukas Kilian (CDU) an seinem Arbeitsplatz zu Hause. Foto: Privat, Lukas Kilian

Wie geht es Ihnen im Home-Office?

„Mir geht es mit der Umstellung gut. Wir machen als Fraktion jeden Tag um 17 Uhr eine Telko und zusätzlich mache ich einige mit den Kollegen. Deswegen ist man jeden Tag hervorragend über die aktuelle Sachlage informiert. Großer Vorteil: Weil die ganzen Fahrten nach Kiel wegfallen, gewinnt man auch Arbeitszeit.“

Klappt die Arbeit weiterhin gut?

„Das läuft super. Wir machen oft Videokonferenzen. Ich finde, dass die Digitalisierung der Gewinner ist, wenn es um die Arbeit miteinander geht. Ich hoffe, dass man das ein oder andere, das man während Corona gelernt oder angewendet hat, nach der Krise weiterhin nutzt.“

Wie ist es im menschenleeren Landeshaus zu sein?

„Sehr kurios. Die Tiefgarage ist gespenstisch leer. Gerade war eine Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Landeshaus. Das sonst sehr lebendige Landeshaus wirkt wie ein schlecht besuchtes Museum.“

Ihre Einschätzung: Wie lange wird die jetzige Situation andauern?

„Hoffentlich so kurz wie möglich und so lange wie nötig.“

Gibt es Sorgen, die Sie umtreiben oder die Sie in der Gesellschaft wahrnehmen?

„In der Gesellschaft nehme ich ganz massive Ängste wahr. Ich bin wirtschaftspolitischer Sprecher und habe viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer am Telefon. Sie sorgen sich um den Arbeitsmarkt und die Arbeitsplatzsituation. Ich erhalte weniger Anfragen zur gesundheitlichen Versorgung, da unser System aktuell gut aufgestellt ist. Persönlich mache ich mir politische Gedanken: Systemrelevante Berufe müssen besser bezahlt werden. Es sollte nach der Krise ein gesundheitspolitischer Kurswechsel in Deutschland und der EU erfolgen. Medizinprodukte sollten vermehrt in Deutschland und Europa produziert werden, damit wir nicht von den Globalmärkten abhängig sind. Mich beschäftigen also die Hausaufgaben, die nach der Krise auf uns zukommen.“

(Stand: 30. März)


Birgit Herdejürgen (SPD):
„Ich habe schon Sehnsucht nach Sitzungen“

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Birgit Herdejürgen am heimischen Arbeitsplatz. Foto: Privat, Birgit Herdejürgen

Wie geht es Ihnen im Home-Office? 

„Wir haben uns reduziert und vertreten uns gegenseitig, sodass wir bei Angelegenheiten, die nicht im Umlaufverfahren, also via Telko oder per Mail, erledigt werden können, mit weniger Leuten zurechtkommen. Wenn es nur um Informationsaustausch geht, dann reicht es, Sitzungen via Telefon oder per Chat wahrzunehmen. Wie zum Beispiel am Montag beim Wirtschafts- und Finanzausschuss. Am Freitag findet der Richter-Wahlausschuss statt. Dazu muss man persönlich vor Ort im Landeshaus sein.“

Klappt die Arbeit weiterhin gut?

„Da wir ohnehin oft von zu Hause aus arbeiten, ist die Umstellung nicht allzu groß und die Abläufe funktionieren. Vor allem der Austausch mit dem Landrat im Wahlkreis Itzehoe geht recht zügig und schnell. Wir erledigen viel übers Telefon mit der Fraktion und haben täglich mehrere Telefonkonferenzen. Mindestens zwei bis drei. Auch mit den Referenten gibt es Telkos. Bilaterale Kontakte finden dann statt, wenn alltägliche Vorgänge abgearbeitet werden müssen. Alles in allem funktioniert die Arbeit weiterhin gut. Allerdings tauschen sich so viele Menschen via Telefonkonferenz aus, dass die Telko-Räume überlastet sind. Daher sind wir derzeit auf der Suche nach Alternativen zum ersten Anbieter.“

Wie ist es im menschenleeren Landeshaus zu sein?

„Es ist eine bisschen unwirkliche und ungewohnte Situation. Es ist aber auch ganz schön, wenn man wieder Kollegen trifft. Ich habe schon Sehnsucht nach Sitzungen, was sonst eher unüblich ist.“ (lacht)

Was denken Sie? Wie lange wird die Situation so andauern?

„Das lässt sich schwer beurteilen. Darum überlasse ich diese Einschätzung den Experten, den Virologen und Ärzten. Die derzeitigen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass die Kurve der Neuinfektionen abflacht und die Maßnahmen wirken. Wir alle freuen uns auf die Zeit, wenn wir unsere Kollegen wieder unter normalen Umständen sehen können.“

Gibt es allgemeine Ängste bei Ihnen oder solche, die Sie in der Gesellschaft wahrnehmen?

„Ich bin sehr froh, dass die Menschen in Itzehoe die Maßnahmen einhalten. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie zu Problemen geführt haben. Die Leute sind entspannt und fröhlich. In der Fußgängerzone ist es ohne Menschen jedoch schon bedrückend. Ich glaube aber das Wichtigste ist, auch bei Rückgang der Neuinfektionen weiterhin Risikogruppen zu schützen und die Ausbreitung soweit zu verlangsamen, dass die Krankenhäuser den Ansturm bewältigen können.“

(Stand: 2. April)


Lasse Petersdotter (Grüne):
„Wir merken, dass wir krisenfähig sind“

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Vor seinem Laptop daheim: Der Grünen-Abgeordnete Lasse Petersdotter. Foto: Privat, Lasse Petersdotter

Wie geht es Ihnen im Home-Office?

„Erstaunlich gut. Ich konnte Vieles digital erledigen. Als Finanzpolitiker kann man ohnehin viel vom Schreibtisch aus arbeiten. Dennoch fehlen mir die Kolleginnen und Kollegen sowie die Termine im Land.“

Klappt die Arbeit weiterhin gut?

„Wir haben uns vom ersten Tag an immer in einer Videokonferenz getroffen. Das klappt super. Das Positive ist, dass wir als Gesellschaft merken, dass wir krisenfähig sind. Auch wenn das bedeutet, sich schnell auf veränderte Arbeitsbedingungen einlassen zu müssen.“

Wie ist es im menschenleeren Landeshaus zu sein?

„Ich war seit zwei Wochen nicht mehr dort und versuche das im Sinne aller auch zu vermeiden.“

Was denken Sie? Wie lange wird die Situation so andauern?

„Schwer zu sagen. Ich habe am 8. Mai Geburtstag. Ich gehe davon aus, dass ich den allein mit der Freundin feiern werde.“

Gibt es allgemeine Ängste bei Ihnen oder solche, die Sie in der Gesellschaft wahrnehmen?

„Man macht sich um das eigene Umfeld Sorgen, das als Risikogruppe gilt. Natürlich mache ich mir wie alle anderen auch Sorgen um meine Eltern. Meine Mutter gehört durch ihr Alter einer Risikogruppe an und arbeitet in einem systemrelevanten Beruf. Da ist sie doppelter Belastung ausgesetzt. Risikogruppen zu schützen, muss das Wichtigste sein.“

(Stand: 3. April)


Jan Marcus Rossa (FDP):
„Technisch haben wir alles im Griff“

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Hat technisch alles im Griff: Der FDP-Abgeordnete Jan Marcus Rossa. Foto: Privat, Jan Marcus Rossa

Wie geht es Ihnen im Home-Office?

„Mir geht es gut, die Arbeit ist nicht weniger geworden. Ich fange morgens um 8 Uhr an und bin in der Regel nicht vor 21 Uhr fertig. Es wird oft spät am Abend, weil ich viele Anfragen zum Thema „Kurzarbeit“ beantworte. Die Inhalte überschneiden sich oft mit meiner Tätigkeit als Anwalt.“

Klappt die Arbeit weiterhin gut?

„Technisch haben wir alles im Griff und tauschen uns in Telkos intensiver aus als im regulären Alltag.“

Wie ist es im menschenleeren Landeshaus zu sein?

„Ich fand die Stimmung im Landeshaus relativ entspannt und vernünftig, weil auf Abstand geachtet wurde und ein besonnenes Verhalten von allen an den Tag gelegt wurde.“

Was denken Sie? Wie lange wird die Situation so andauern?

„Ich glaube, dass die Einschränkungen über den 19. April hinaus andauern. In welcher Intensität bleibt abzuwarten. Ich hoffe aber auch, dass die Einschränkungen Schritt für Schritt zurückgenommen werden.“

Gibt es allgemeine Ängste? Bei Ihnen oder solche, die Sie in der Gesellschaft wahrnehmen?

„Die größte Sorge ist die, wie lange die besondere Situation anhält und ob wir in der Lage sind, eine Strategie zu entwickeln, um mit diesem Virus klarzukommen. Die Unsicherheit ist die Ursache für die größten Sorgen.“

(Stand: 6. April)


Frank Brodehl (AfD):
„Heute über Exit-Strategien nachdenken“

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Geht davon aus, dass sich die Lage nach den Osterferien entspannen wird: Frank Brodehl vor seinem Laptop daheim. Foto: Privat, Frank Brodehl

Wie geht es Ihnen im Home-Office?

„Mir geht es damit nicht so gut. Mir fehlt der persönliche Kontakt zu meinen Mitarbeitern.“

Klappt die Arbeit weiterhin gut?

„Formal läuft alles ohne große Schwierigkeiten. Auch, wenn wir einmal den Telko-Anbieter wechseln mussten, da es mit der Verbindung Probleme gab. Die Corona-Krise überschattet gerade alles andere. Darum bekommen viele Themen nicht die Aufmerksamkeit, die sie bekommen sollten. Ein Beispiel ist die Schulraum-Not. Da sind wir gerade dran.“

Wie ist es im menschenleeren Landeshaus zu sein?

„Insgesamt fühle ich mich im Landtag zu Hause. Bei schönem Wetter genieße ich die Ruhe dort. Ich bin noch oft hier, weil ich eine Abneigung gegen Home-Office und Telefonkonferenzen habe. Bei schlechtem Wetter kommt es mir gespenstisch vor.“

Ihre Einschätzung: Wie lange wird die Situation so andauern?

„Da kollidieren Wunsch und Wirklichkeit. Ich denke nach den Osterferien wird sich die Lage entspannen. Wir sollten heute über Exit-Strategien nachdenken, denn das Leben muss irgendwann weitergehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland keine italienischen Zustände haben werden.“

Gibt es allgemeine Ängste? Bei Ihnen oder solche, die Sie in der Gesellschaft wahrnehmen?

„Ich bekomme E-Mails von Bürgern, die sich fragen, ob die Maßnahmen verhältnismäßig sind. Ich finde es bemerkenswert, dass so wenig offen diskutiert wird. Die Versammlungsfreiheit wird eingeschränkt und es wird nicht kritisch hinterfragt, ob die Einschränkungen gerechtfertigt sind. Das macht mir Sorgen. Klar ist eine Situation wie in Ungarn Worst-Case-Szenario: Die Regierung kann ohne Parlament und ohne zeitliche Einschränkung weiterregieren. Länder wie Schweden hingegen zeigen auf positive Weise, dass es anders geht.“

(Stand: 2. April)


Jette Waldinger-Thiering (SSW):
„Daheimbleiben und etwas Sinnvolles tun“

Jette Waldinger Thiering Home Office
Jette Waldinger-Thiering bekommt im Home-Office gemalte Bilder von ihren Kindern Foto: Privat, Jette Waldinger-Thiering

Wie geht es Ihnen im Home-Office?

„Gesundheitlich geht es mir gut. Mir fehlt es, mit den Menschen und Kollegen zusammen zu sein.“

Klappt die Arbeit weiterhin gut?

„Wir beim SSW führen Video-Konferenzen durch. Klar, manches Mal wird die Bildqualität schlechter oder einer wird aus dem Chatroom rausgeschmissen, da das Netz von mehreren Nutzern belastet wird. Ansonsten nutzen die Menschen Messenger-Dienste und Social Media und wissen sich zu helfen, was die Kommunikation angeht. Ein Highlight: Wir konnten zwei gestrandete junge Menschen aus Malaysia zurückholen. Ich bin heilfroh, dass die beiden zurück sind. Bei größeren Gruppen von Deutschen im Ausland arrangiert das Auswärtige Amt die Rückholaktionen. In diesem Fall waren es aber nur zwei Personen. Über persönliche Kontakte zum Auswärtigen Amt, galt es den Ball hin und her zu spielen, bis es dann endlich klappte und die beiden es über London nach Schleswig-Holstein geschafft haben.“

Wie ist es im menschenleeren Landeshaus zu sein?

„Ich bin nicht mehr dort. Unser Fahrer versorgt uns mit der Post, damit wir im Sinne aller zu Hause bleiben.“

Was denken Sie? Wie lange wird die Situation so andauern?

„Wenn ich auf mein Bauchgefühl höre, werden wir ab dem 20. April nicht wie davor ins Leben zurückkehren. Mitte Mai halte ich für realistischer, jedoch weiterhin mit Einschränkungen. Bis dahin sollten wir zusammen daheimbleiben und die Zeit nutzen, lesen, Masken nähen, etwas Sinnvolles tun und uns sozial engagieren.“

Gibt es allgemeine Ängste? Bei Ihnen oder solche, die Sie in der Gesellschaft wahrnehmen?

„Ich bin in engem Kontakt mit Kleinstbetrieben. Sie haben Angst, wie es weiter geht. Es gibt zwar finanzielle Unterstützung für den Moment. Aber keiner kann derzeit beantworten, was geschieht, wenn die Krise vorbei ist. Es hilft aber, zu reden und ich denke, wir werden anders aus der Situation herauskommen, als wir hereingekommen sind.

Privat habe ich Respekt vor der Situation und klar, beunruhigen einen die Fakten und Bilder, mit denen man überhäuft wird. Die Kommunikation nicht zu verlieren, ist wichtig. Ich halte Kontakt mit meinen Enkelkindern per Facetime. Ich schicke ihnen kleine Päckchen und bekomme selbst gemalte Bilder von ihnen zurück. Viele können derzeit ihre Eltern und Großeltern nicht besuchen. Das ist belastend. Aber ich denke die Krise zeigt uns sowohl Punkte, in denen wir gut sind und solche, die wir nach der Krise verbessern müssen.“

(Stand: 2. April)