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20. Oktober 2021 – Tourismus Ostholstein

Fehmarnbelt: Baustelle als Risiko, Tunnel als Chance

Im Wirtschaftsausschuss werden die möglichen Auswirkungen des Fehmarnbelt-Tunnels auf den Tourismus diskutiert. Die Meinungen in Sachen „Baustellen-Tourismus“ gehen auseinander.

Im Wirtschaftsausschuss erläutert Katja Lauritzen vom Ostsee-Holstein-Tourismus den Politikern mögliche Pläne für einen
Im Wirtschaftsausschuss werden die Perspektiven für den Tourismus in Ostholstein diskutiert. Foto: Landtag, Regina Baltschun

Bis 2029 soll ein Tunnel unter der Ostsee die Insel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden und damit die Straßen- und Schienenverbindung zwischen den Metropolen Hamburg und Kopenhagen beschleunigen. Für die Region dazwischen, insbesondere für den Tourismus im Kreis Ostholstein, birgt das Mammutprojekt Risiken während der Bauphase und Chancen für die Zeit danach. Das wurde bei einem Fachgespräch des Wirtschaftsausschusses deutlich.

Während der Bauphase sei mit einem Rückgang von zehn Prozent bei den Übernachtungen auf Fehmarn zu rechnen, sagte Katja Lauritzen vom Ostsee-Holstein-Tourismus e.V. Allerdings könne die Baustelle auch zum Anlaufpunkt für Fachpublikum und für technisch Interessierte werden. Das sei beispielweise beim Bau des Rügendamms zu beobachten gewesen. Der Grünen-Abgeordnete Andreas Tietze, Vorsitzender des Ausschusses, war bei diesem Punkt skeptisch: „Kommt jemand aus Castrop-Rauxel, um sich auf Fehmarn die Baustelle anzuschauen?“ Der Baustellen-Tourismus beiße sich mit dem traditionellen Schwerpunkt des Urlaubs an der Ostsee – der Entschleunigung.

Hamburg bleibt ein Nadelöhr für Urlauber

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) wies darauf hin, dass es Belastungen durch den Baustellenverkehr geben werde. So werde der Ausbau der B207 dazu führen, dass der Schienenverkehr zeitweise eingeschränkt sei und dass die Reisenden in Busse umsteigen müssten. Die Versorgung der Baustelle laufe aber größtenteils von der dänischen Seite per Schiff, betonte Buchholz. Und: Die Erreichbarkeit des Fährhafens Puttgarden sei jederzeit gewährleistet.

Der SPD-Abgeordnete Kai Vogel befürchtete, dass Fachkräfte abwandern könnten, wenn die Verbindung auf die Insel schwieriger wird. Die Nachfrage nach Beschäftigten im Tourismus sei bundesweit hoch, mahnte Vogel: „Wenn die massiv abwandern, wird es schwer, sie wiederzugewinnen.“

Dänisch lernen in Ostholstein?

Ist der Tunnel erst fertig, so Tourismusexpertin Lauritzen, erhöhe dies den „Radius“ der Region. Ostholstein, etwa der Hansapark Sierksdorf oder das Seebad Weißenhäuser Strand, werde dann für Gäste aus Dänemark interessanter. Lars Harms (SSW) rief die Betriebe auf, ihrem Personal rechtzeitig die dänische Sprache nahezubringen. Die Nachfrage der Schüler vor Ort nach Dänisch-Unterricht sei hoch, berichtet der Ostholsteiner CDU-Abgeordnete Peer Knöfler. Aber es gebe in diesem Landesteil zu wenige Lehrer für das Fach.

Einigkeit herrschte im Ausschusssaal darüber, dass die Anfahrt aus Richtung Norden mit dem Tunnel unkompliziert werde, während die Anreise aus dem Süden schwierig bleibe – denn es drohe stets der Stau vor dem „Flaschenhals Hamburg“, merkte Lauritzen an.

Katja Lauritzen vom Ostsee-Holstein-Tourismus erläutert ihre Pläne zur touristischen Vermarktung während der Bauphase des Fehmarnbelt-Tunnels.
Tourismusexpertin Katja Lautitzen: Der fertige Tunnel erhöht den touristischen „Radius“ der Region. Foto: Landtag, Regina Baltschun