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31.08.19
13:34 Uhr
Landtag

Landtag gedenkt Kriegsbeginn vor 80 Jahren - Parlamentspräsident Schlie: Nie mehr den Weg des Hasses gehen

Nr. 161 / 31. August 2019

Landtag gedenkt Kriegsbeginn vor 80 Jahren – Parlamentspräsident Schlie: Nie wieder den Weg des Hasses gehen
Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Am Rande der Plenarsitzung erinnerte der Schleswig-Holsteinische Landtag gestern (Freitag) in Anwesenheit des polnischen Botschafters an diesen Jahrestag. „Der 1. September 1939 ist eine Mahnung an die gegenwärtigen Generationen, nie wieder den Weg des Hasses zu gehen, noch zuzulassen, dass andere diesen Weg gehen“, sagte Landtagspräsident Klaus Schlie zu Beginn der Veranstaltung.
Gemeinsam mit rund 150 Gästen aus Politik und Gesellschaft gedachte der Landtag im Plenarsaal des deutschen Angriffs auf Polen vor 80 Jahren. Der Botschafter der Republik Polen, Professor Andrzej Przyłębski, würdigte in seinem Grußwort, dass Abgeordnete und Gäste um die Bedeutung des Jahrestages wüssten. Der Landtag in Kiel ist das einzige Parlament, das zu einer solchen Gedenkstunde eingeladen hatte. Schlie hatte zuvor erklärt, dass sich Schleswig-Holstein wegen des gleichnamigen Kriegsschiffes, das am 1. September 1939 den Überfall auf das Nachbarland mit Schüssen auf die Danziger Westplatte begann, in besonderer Verantwortung sehe.
„Das gemeinsame Gedenken zeigt, dass Deutsche und Polen trotz der unaussprechlichen Verbrechen der Deutschen einen Weg zueinander gefunden haben“, hob der Landtagspräsident hervor. „Ohne die Erinnerung an die Vergangenheit, ohne ein eindeutiges Bekenntnis zur historischen Schuld und der daraus erwachsenden Verantwortung von uns Deutschen wäre das nicht denkbar.“ Dem schloss sich der polnische Botschafter an: „Die Nationen mussten einen neuen Weg für eine gemeinsame Zukunft finden – das geht nur, wenn nicht vergessen wird.“ Er rief die deutschen Bildungsinstitutionen auf, die Erinnerung an das polnische Leiden wachzuhalten. „Das muss wesentlicher Teil der Bildung der jungen Generation sein.“
Professor Martin Aust von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ordnete in seiner Gedenkrede das historische Geschehen ein. Der Osteuropa-Historiker stellte fest, dass die polnischen „Erschütterungen und Traumata“ in Deutschland zu wenig beachtet würden: „Polen hat den Eindruck, dass die deutsche Öffentlichkeit nicht ausreichend Rechenschaft abgelegt hat.“ Nach dem Krieg habe es eine „deutsche Verdrängungskultur“ und eine Fixierung auf die 2

„eigene Opferrolle“ gegeben. „Erst die neue Ostpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt und dessen Kniefall in Warschau im Jahr 1970 brachten einen Wandel.“
Aust hob auch hervor, dass der Weg zur deutschen Einheit mit den polnischen Protesten gegen das kommunistische Regime in den 1980er Jahren begonnen habe: „Polen beschenkte Deutschland und Europa mit Freiheit.“ Er kam zu dem Schluss, dass die Deutschen nicht vergessen sollten, welches Leid man den Nachbarn, zumal Polen, gebracht habe. „Uns Nachgeborenen bleibt die Pflicht zu erinnern.“