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08.05.20
16:03 Uhr
B 90/Grüne

Joschka Knuth zum Tierschutz

Presseinformation

Landtagsfraktion Es gilt das gesprochene Wort! Schleswig-Holstein TOP 24 – Für wirksamen Tierschutz Pressesprecherin – Konsequenzen aus Vernachlässigung ziehen Claudia Jacob Landeshaus Dazu sagt der tierschutzpolitische Sprecher der Düsternbrooker Weg 70 Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, 24105 Kiel
Zentrale: 0431 / 988 – 1500 Joschka Knuth: Durchwahl: 0431 / 988 - 1503 Mobil: 0172 / 541 83 53
presse@gruene.ltsh.de www.sh-gruene-fraktion.de
Nr. 156.20 / 08.05.2020

Naturschutzfachliche Arbeit hingegen ist unverzichtbar und wertvoll für unser Land
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,
allen Beteiligten ist klar, dass die Art und Weise, wie die Koniks im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch im Speicherkoog gehalten wurden und das Leid, dass die Tiere dort erfahren haben, in keiner Weise akzeptabel sind.
Es darf nicht sein, dass Tiere dermaßen verwahrlosen. Es ist offensichtlich, dass die Tiere nicht ausreichend betreut wurden. Es darf nicht sein, dass sie verhungern, weil nicht zu gefüttert wird. Es darf nicht sein, dass nicht zumindest eine mobile Fanganlage kurzfristig herangeschafft wird, um die Bestandsgröße vor Ort zu reduzieren.
Auch dem Naturschutzbund dürfte mittlerweile klar sein, dass es nicht vertretbar ist, was dort geschehen ist, und dass man als Tierhalter*in eine Verantwortung dafür trägt, wie es den eigenen Tieren geht. Auch für den Naturschutzbund gelten die gleichen tier- schutzrechtlichen Vorschriften wie für alle anderen Tierhalter*innen in Schleswig- Holstein.
Richtigerweise wird im Zuge eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens jetzt aufgeklärt, welche Versäumnisse dazu geführt haben, dass die Tiere so verwahrlost und einige sogar gestorben sind. Es muss selbstverständlich auch kritisch geprüft wer- den, ob das Kontrollsystem und die Zusammenarbeit zwischen den Behörden funktio- niert haben. Richtig Diskussionsbedarf hätten wir hier, wenn wir kein vernünftiges Tier- schutzgesetz hätten, wenn wir keine funktionierenden Strukturen hätten, um derlei Ver- stöße zu verfolgen.

Seite 1 von 2 Möglicherweise gab es auch Versäumnisse und Defizite in der Kommunikation seitens der übrigen beteiligten Stellen. Das muss auch aufgeklärt werden. Es muss sicherge- stellt werden, dass sich ähnliches nicht wiederholt. Das Pflege- und Entwicklungskon- zept für das NSG „Wöhrdener Loch/Speicherkoog Dithmarschen“ wird ebenfalls über- prüft und angepasst.
An dieser Stelle möchte ich vor allem einmal denjenigen danken, die so kurzfristig bereit und in der Lage waren, die Tiere auf ihren Flächen aufzunehmen. Das zeigt, dass die naturnahe Weidehaltung und der Einsatz von beispielsweise Konikpferden als Land- schaftspfleger in Schleswig-Holstein im Grundsatz ein Erfolgsmodell ist. Das zeigt, dass wir sehr gut funktionierende Strukturen haben.
Es entbehrt jedoch jeder Logik und Grundlage, jetzt eine Einstellung der Förderung von Naturschutzarbeit zu fordern, wenn gegen Tierschutzstandards verstoßen wurde. Die Tierhaltung im Wöhrdener Loch war für den Naturschutzbund kein Erfolgsprojekt. Die naturschutzfachliche Arbeit hingegen ist unverzichtbar und wertvoll für unser Land.
Zahlreiche Projekte in den Bereichen Artenschutz, Ökosystem- und Landschaftsschutz, Moorschutz und den Schutz der schleswig-holsteinischen Meere hat der Naturschutz- bund in der Vergangenheit erfolgreich durchgeführt. Eine weitere Zusammenarbeit und die zukünftige, finanzielle Förderung der Institution sind daher richtig und wichtig.
Ihren Antrag haben Sie nur gestellt, um hier pauschal den Naturschutz zu bashen. Da Ihre „Kernthemen“ in Zeiten der Corona Pandemie keinen Anklang in den Debatten fin- den, versuchen Sie so politisch Aufmerksamkeit zu erhalten. Im Kern zeigen Sie mit diesem Antrag nur, dass Sie dem funktionierenden Rechtsstaat nicht trauen, dass Ihnen Tiere ein gerne genommenes Vehikel sind, um gegen Ihre Feindbilder zu hetzen, und dass der Naturschutz für Sie keinen Wert hat – außer vielleicht, wenn Sie ihn für Hei- matschutz-Debatten missbrauchen können. Damit treten Sie fachliches und ehrenamtli- ches Engagement mit Füßen.
Unser Land mit seiner einzigartigen Natur profitiert in besonderer Weise von der wert- vollen Arbeit des Naturschutzbundes und der anderen Naturschutzverbände. Solange wir politisch Verantwortung tragen, werden wir uns dafür einsetzen, sie in dieser Arbeit zu unterstützen und weiter zu stärken. Darauf können Sie sich verlassen.
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