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19.06.20
15:43 Uhr
SSW

Jette Waldinger-Thiering: Heben Sie die Besoldung der Grundschullehrkräfte

Presseinformation Kiel, den 19.06.2020


Es gilt das gesprochene Wort


Jette Waldinger-Thiering
TOP 23 Unterrichtsqualität an den Grundschulen Schleswig-
Holsteins im Schuljahr 2018/2019
Drs. 19/2035

„Es ist Jamaikas Verantwortung, das in den Griff zu bekommen.“

Mein Dank an die SPD und auch an das Bildungsministerium für diese große Datengrundlage! Eine
Antwort über 25 Kapitel, 300 Seiten, aus der wir alle nur wenige Aspekt auswählen konnten. Für mich sind vier Punkte besonders wichtig.


Erstens: Wir wissen immer noch nicht, wie viele Heimkinder, die ihren Wohnsitz nicht in Schleswig-Holstein haben, bei uns beschult werden. Nun ist die Große Anfrage des SPD etwas älter als eine Kleine Anfrage, die ich zum Thema Beschulung von Kindern und Jugendlichen in Heimen
gestellt habe und wir wissen schon etwas mehr. Wir wissen, dass die Träger von Jugendhilfeeinrichtungen einmal jährlich verpflichtet sind, Stichtagsmeldungen zu den belegten Plätzen in den Einrichtungen gegenüber dem
Landesjugendamt abzugeben. Wir wissen auch, dass diese Stichtagsmeldungen allerdings keinerlei Altersangaben enthalten müssen und sich daher keine Aussagen über die Schulpflicht treffen lassen. Die von uns abgefragten Daten, wie viele schulpflichtige Kinder zum Stichtag
12.08.2019 in den Einrichtungen betreut werden und wie viele Kinder und Jugendliche davon ihren Wohnsitz außerhalb von Schleswig-Holstein hatten, unterlagen also der Freiwilligkeit. Und das hat sich leider auch bemerkbar gemacht. Insgesamt beantworteten lediglich 87 der 306
angeschriebenen Träger, etwas über ein Viertel, die Abfrage. 2

Auch die Evaluation des zuständigen Erlasses aus 2017 ist leider noch nicht abgeschlossen. Aber das Ministerium wird sich ja hoffentlich nicht damit zufriedengeben, denn es sollte ja allen Entscheidungsträgerinnen in dieser Frage ein Anliegen sein, für Transparenz zu sorgen.
Für den SSW bleibt an dieser Stelle klar: Wir brauchen hier wirklich eine Lösung im Sinne der Schülerinnen und Schüler. Alle Kinder müssen doch dort schulpflichtig sein, wo sie sich tatsächlich aufhalten.

Zweitens: Ich bin wirklich froh über die Zahlen zur Inklusion. Hier ist ja noch Luft nach oben. Und da muss man auch immer wieder betonen, dass es hier nicht um ein Nice-to-have geht, sondern
dass die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen die Vertragsstaaten verpflichtet, Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen die Teilhabe am allgemeinen Schulsystem zu ermöglichen. Wir wissen es zwar schon aus den Inklusionsberichten, aber wir
sehen es eben auch aktuell nochmal an den Tabellen in der Großen Anfrage: die integrative Beschulung ist je nach Förderschwerpunkt aber auch je nach Kreis oder Stadt unterschiedlich ausgeprägt. Und da möchte ich gerne noch einmal das Lübecker Poolmodell „Inklusion in Schule“
hervorheben. Weil mich diese Idee wirklich überzeugt hat. In multiprofessionellen Teams arbeiten dort Fachkräfte unterschiedlicher Professionen, gemeinsam mit der Schule gemeinsam an der Gestaltung inklusiver Bedingungen im jeweiligen Klassenverband.

Drittens: Die Minderheitensprachen. So nicht explizit abgefragt, aber Dänisch wird ja trotzdem in
der Rubrik „Fremdsprachen“ aufgeführt. Sie kennen unsere aktuellen Vorschläge zur Förderung des Dänisch- und Friesisch-Unterrichts. Sie müssten Sie nur noch übernehmen, um hier wirklich für Verbesserung zu sorgen. Insbesondere für Friesisch, denn hier sind sowohl die Schüler- als auch die Lehrerzahlen zu niedrig. Aber zu diesem Thema haben wir ja auch noch eine Anhörung vor uns.

Viertens, noch ganz kurz: Es fehlen die Fachlehrkräfte an unseren Grundschulen. Besonders auffällig natürlich der Matheunterricht, der zu 26% von Lehrkräften unterrichtet wird, die nicht
Mathe studiert haben. Das Problem ist kein Unbekanntes und es ist auch nicht ganz schnell zu lösen. Aber es wurde eben auch durch die Bildungspolitik von Jamaika, die von G8 auf G9 umstellt, während es im Land an Lehrkräften mangelt, verstärkt. Es ist Jamaikas Verantwortung, das in den
Griff zu bekommen. Hören Sie auf zu trödeln, heben Sie die Besoldung der Grundschullehrkräfte an! 3

Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/