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19.11.20
12:25 Uhr
B 90/Grüne

Joschka Knuth zum Mindestlohn

Presseinformation

Es gilt das gesprochene Wort! Landtagsfraktion Schleswig-Holstein TOP 11 – Einen Armutsfesten Mindestlohn schaffen Pressesprecherin Dazu sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Claudia Jacob Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Landeshaus Joschka Knuth: Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Zentrale: 0431 / 988 – 1500 Durchwahl: 0431 / 988 - 1503 Mobil: 0172 / 541 83 53
presse@gruene.ltsh.de www.sh-gruene-fraktion.de
Nr. 375.20 / 19.11.2020


Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können
Sehr geehrte Damen und Herren,
dieser Antrag spricht mir als Grünem natürlich aus dem Herzen. Der gesetzliche Mindest- lohn beträgt seit Anfang 2020 9,35 Euro und wird bis Mitte 2022 auf 10,45 Euro erhöht. Das ist Beschluss der Mindestlohnkommission. Die Erhöhung begrüßen wir selbstver- ständlich. Nur ist das leider immer noch wenig Lohn, um einen wirklichen Beitrag zu ge- rechter gesellschaftlicher Teilhabe und Schutz vor Armut zu leisten.
Wenn Arbeit in Vollzeit in Deutschland nicht ausreicht, um auch in Städten mit hohen Mieten ohne zusätzliche Hilfen durch ALG II auszukommen, dann ist etwas nicht richtig. Das ist nicht gerecht.
Menschen in Vollzeit müssen von ihrer Arbeit leben können und das überall in unserem Land und nicht nur während der Berufstätigkeit, sondern auch im Rentenalter. Niedrige Löhne haben niedrige Renten zur Folge, Altersarmut ist bereits jetzt eine weit verbreitete Tatsache. Das trifft in besonderem Maße Frauen, die nach wie vor tradiert schlechter bezahlte Arbeitsverhältnisse haben als Männer. Daher ist die Grüne Forderung, den Min- destlohn schrittweise auf 12 Euro innerhalb von zwei Jahren zu erhöhen. Nur so ist aus unserer Sicht ein sicherer Schutz vor Armut gewährleistet.
Außerdem muss der Mindestlohn nicht nur steigen, sondern auch die Kontrolle und kon- sequente Durchsetzung muss gewährleistet werden. Schlupflöcher und Ausnahmen darf es nicht geben. In den letzten Monaten haben wir oft und lange über prekäre Arbeitsver- hältnisse gesprochen und feststellen müssen, wie letztlich der Mindestlohn in vielen Sek- toren bei den Arbeitnehmer*innen nicht ankommt. Deshalb ist auch die Durchsetzung des Mindestlohnanspruches so wichtig.
Die Corona Pandemie fordert in diesem Jahr unsere Unternehmen über Gebühr. Und Seite 1 von 2 diese besondere Stresssituation werden wir in den kommenden Jahren noch weiter spü- ren. Es ist natürlich ein berechtigter Hinweis, dass höhere Löhne, gerade jetzt, eine wei- tere Kraftanstrengung für Unternehmen, beispielsweise für den Gastronomiebereich, be- deuten könnten. Jetzt, wo diese Branche zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Betriebe dicht machen muss.
Die Forderung nach einer zusätzlichen, unmittelbaren Erhöhung kann deshalb auch als falsches Signal gedeutet werden. Wir sehen das nicht so: Zum einen darf die Pandemie nicht dafür herhalten, um fällige Maßnahmen nicht zu ergreifen und zum anderen ist es grade in diesen, von Mindereinnahmen bedrohten Zeiten besonders wichtig, dass Löhne für alle auskömmlich sind.
Inwieweit der Mindestlohn auch für Jugendliche gelten soll, wurde ebenfalls bereits in unterschiedlichen Ausschüssen beraten – diesen Antrag, werte Kolleg*innen vom SSW, hattet ihr ja bereits im letzten Jahr gestellt.
Auch für diese Forderung haben wir Sympathien, ich erkenne allerdings auch an, dass es gute Gründe gibt, nicht dafür zu stimmen. Eine qualifizierte Berufsausbildung und ein damit verbundener Besuch der Berufsschule, die der allgemeinen Schulpflicht Rechnung trägt, ist sicher ein sinnvollerer Weg, als zu früh in ungelernte Arbeitsverhältnisse zu ge- hen.
Ich persönlich sehe das anders, gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden. Das, werte Kolleg*innen, ist wohlgemerkt Grüne Überzeugung und Position - nicht die Koaliti- onshaltung. Es gibt immer wieder unterschiedliche Haltungen innerhalb von unserer Ja- maika-Koalition, keine Frage. Aber das macht diese Koalition aus und sorgt für inhaltlich intensiven Austausch und die Möglichkeit, auch in der Zukunft einen Wettstreit um die besten Ideen zu haben - insofern freuen wir uns auf eine intensive Ausschussberatung.
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