Navigation und Service des Schleswig-Holsteinischen Landtags

Springe direkt zu:

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Eine Möglichkeit zum Opt-Out finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Datenschutzerklärung

Pressefilter

Zurücksetzen
17.06.21
17:01 Uhr
SPD

Martin Habersaat zu TOP 14,21,22,23,31,40+49: Stückwerk statt Feuerwerk

Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion
Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

LANDTAGSREDE – 17. Juni 2021
Martin Habersaat: Stückwerk statt Feuerwerk TOP 14,21,22,23,31,40+49: Leseförderung weiterentwickeln und weitere Anträge zum Thema Schule und Impfen (Drs. 19/2983, 19/3058, 19/3064, 19/3065, 19/3085, 19/3102, 19/2864, AltA 19/2891, 19/3094) „Es liegen zwei schwierige Schuljahre hinter uns, die manche Kinder und Jugendliche an ihre Grenzen brachten, aber auch Eltern – im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling. Die konkreten Erfahrungen, die Schüler*innen und Eltern dabei in den vergangenen Monaten machten, hingen vielfach von Zufällen ab. Es hing vom Zufall ab, in welchem Kreis man wohnte, welche Inzidenzwerte es dort gab und ob in der Folge mehr oder weniger Unterricht in Distanz, im Wechsel oder in Präsenz stattfinden konnte. Es hing vom Zufall ab, ob Schulträger und Schule schon zu Beginn der Pandemie die technischen Voraussetzungen für digitalen Distanzunterricht geschaffen hatten oder im Laufe der Zeit mehr oder weniger erfolgreich nachrüsteten. Und es hing vom Zufall ab, ob es ein gutes Konzept für die Umsetzung des Stundenplans per Videokonferenz mit regelmäßigen Rückmeldungen durch die Lehrkraft gab, ein ausbaufähiges oder gar keines. Nach all‘ diesen Zufällen ist es nur zu verständlich, dass Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte jetzt nach Gewissheiten fragen und sich klare Aussagen wünschen. Welche Unterstützung gibt es vor Ort konkret? Welche Angebote finden flächendeckend, verbindlich und für alle statt? Der Lernsommer jedenfalls nicht.
Wir haben hier mehrfach über den Lernsommer 2020 gesprochen. Für den hatte die Bildungsministerin Anfang Juni 2020 ein Konzept vorgestellt angesichts von Sommerferien, die Ende Juni begannen. Nicht mehr als ein Prozent der Schülerinnen und Schüler im Lande konnten auf diesem Weg erreicht werden. Andere Bundesländer hatten das Problem im letzten Sommer auch, haben dann aber Angebote über weitere Ferien durchgezogen und den Sommer 2021 gut vorbereitet. In Schleswig-Holstein wirkt es, als wechselten die Jahreszeiten für manche überraschend. Ja, in diesem Jahr wurden die Schulen schon am 6. Mai in Sachen Lernsommer angeschrieben – allerdings beginnen die Ferien in diesem Jahr auch schon Mitte Juni. Die Zahl der beteiligten Schulen liegt etwa im Bereich des Vorjahres, wir warten gespannt ab, wie es mit der Zahl der erreichten Schülerinnen und Schüler aussieht. Für mich sieht es momentan so aus, als gäbe es vielerorts bestenfalls einen Gutschein für den örtlichen

1 privatwirtschaftlichen Nachhilfeanbieter. Die Vorbereitungen für den Lernsommer 2021 hätten im Prinzip schon nach der Sommerpause 2020 anlaufen müssen, spätestens jedoch, nachdem klar wurde, dass Corona uns über das Jahr 2020 hinaus das Leben schwer machen wird. Warum dieses zögern, zaudern und zurückhalten? Und wo wir gerade bei Fragen zum Lernsommer sind: Warum werden die Träger des Ganztags, die die Schulen, die Strukturen vor Ort und auch die Kinder und Jugendlichen kennen, nicht systematisch in die Entwicklung der Angebote eingebunden?
Lernen ist in diesem Sommer aber nicht alles. Kinder und Jugendliche sollen wieder Erlebnisse haben, sich bewegen und begegnen. Wir brauchen leicht zugängliche Angebote, im Sommer und über das ganze Jahr. Und entsprechende Unterstützung für alle, die diese Angebote machen können. Der Bund hilft mit einer Sozialmilliarde. Die Länder müssen nicht kofinanzieren. Ich hoffe, das reicht… Nach den Ferien wird an den Schulen die Pädagogik, die Sie gerade aus dem Schulgesetz getilgt haben, noch wichtiger sein als ohnehin schon. „Ankommen im neuen Schuljahr“ nennen Sie das in Ihrem Rahmenkonzept für das Schuljahr 2021/22, Schülerinnen und Schüler sollen „im Normalbetrieb ankommen“. Doch statt konkreten Maßnahmen findet sich dort gleich als nächstes der Punkt „Lernstände erfassen“ – das wichtig, aber jedenfalls nicht das, was ich mir für die unmittelbare Startphase nach den Ferien als erstes wünschen würde. Ich hätte da eher an mehr Stunden mit der Klassenlehrkraft und weniger Klassenarbeiten gedacht, aber vielleicht unterscheiden sich unsere Vorstellungen davon, was der Normalbetrieb von Schulen ist…
Welche Ressourcen stehen den Schulen jetzt konkret zur Verfügung und auf welche Angebote können sich Schüler*innen und Eltern verlassen? Wer sich hier ein Feuerwerk erwartet hätte – und das ist dringend erforderlich – wird mit Stückwerk enttäuscht. Wir werden auch in Zukunft mehr Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen brauchen, und wir wollen eine Strategie, um die Klassenlehrkräfte in Schleswig-Holstein zu entlasten, um ihnen mehr Luft für ihre pädagogischen Kernaufgaben zu geben. Wir wollen kleinere Lerngruppen und mehr Doppelbesetzungen, fokussiert auf die Kernfächer. Vielleicht können die privaten Nachhilfeanbieter in Kooperation mit den Schulen auch bei der Umsetzung sogenannter Drehtürmodelle helfen – indem beispielsweise einzelne Schülerinnen und Schüler gezielt in Mathe unterstützt werden, während der Rest der Klasse den regulären Unterricht hat. Das hätte den Vorteil, dass es keines zusätzlichen zeitlichen Engagements dieser Schülerinnen und Schüler bedürfte. Wer mal in einem Fach große Probleme hatte, erinnert sich vielleicht daran, dass es nicht zwingend ein verlockender Gedanke war, mehr Zeit mit diesem Fach zu verbringen. Wir wollen nicht, dass die digitalen Endgeräte jetzt wieder in den Klassenschränken verschwinden. Auch bei der individuellen Förderung können sie helfen. Vor allem, wenn wir endlich zu Fortschritten bei der -flächendeckenden, nicht zufälligen – Nutzung


2 von tutoriellen Lernsystemen kommen. Ein Schwerpunkt muss auf Deutsch als Zweitsprache gelegt werden. Jeder von uns weiß, dass man Sprachen am besten im direkten Kontakt lernt. Viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund hatten aber seit langem kaum noch entsprechende Kontakte.
Bereits für das ablaufende Schuljahr hatten wir Ihnen vorgeschlagen, den Schulen konkrete Budgets zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen zur Verfügung zu stellen – das haben Sie abgelehnt. Wir haben einen Pakt für mehr Schulsozialarbeit vorgeschlagen, um nicht nur Bundesmittel weiterzuleiten, sondern auch in Schleswig-Holstein mehr Mittel für diesen Bereich zu mobilisieren, den Sie ausweislich Ihres Rahmenkonzepts ja auch wichtig finden – das haben Sie abgelehnt. Wir haben vorgeschlagen, die bundesweit schlechtesten Bedingungen beim Digitalpakt Schule für die Schulträger zu verbessern und durch einen Landesanteil mehr Fortschritte in diesem Bereich möglich zu machen – das haben Sie abgelehnt.
Sie haben das Rahmenkonzept für das Schuljahr 2021/22 jetzt mehrfach vorgelegt. Zusammengefasst in einer Pressemitteilung, in einer sechsseitigen Kurzfassung und in einer 40seitigen Langfassung. Wer allerdings erfahren will, worauf er sich an seiner Schule im kommenden Schuljahr konkret verlassen kann, erfährt jedoch leider nicht mehr, je länger der zu Rate gezogene Text wird. Das reicht nicht.“



3