
Birte Pauls (SPD): „Die Landesregierung lässt die Frauen in Not alleine.“
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Mit dem Wechsel zur katholischen Trägerschaft der Malteser in Flensburg sollen ambulante Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung in der Diako künftig nicht mehr angeboten werden. SPD und SSW fordern deshalb in einem gemeinsamen Antrag, die Landesregierung müsse unverzüglich für ein ausreichendes ambulantes und stationäres Angebot im Raum Flensburg sorgen. CDU und Grüne halten die bestehende Versorgung für ausreichend. Ihr Alternativantrag sieht Gespräche und eine Analyse der Versorgungslage vor. Aus Sicht der SPD unzureichend – die Landesregierung sei untätig und ignoriere gesetzliche Vorgaben, heißt es.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD Birte Pauls begrüßte die Übernahme des Krankenhauses durch einen gemeinnützigen Träger, verwies aber darauf, dass die katholische Kirche Schwangerschaftsabbrüche in ihren Einrichtungen nicht zulasse. „Das müssen wir akzeptieren“, sagte sie, „auch wenn wir es überhaupt nicht gut finden.“ Entscheidend sei jedoch der gesetzliche Sicherstellungsauftrag der Länder: „Die Landesregierung lässt die Frauen in Not alleine“, warf Pauls der Regierung vor. Das Recht auf eine sichere und wohnortnahe Versorgung werde „pünktlich zum internationalen Frauentag massiv eingeschränkt“. Pauls plädierte für ein ambulantes gynäkologisches Versorgungszentrum, das das Land fördern solle: „Kommen Sie endlich ins Handeln und lassen Sie die Frauen in Flensburg nicht weiter im Stich.“
CDU verweist auf bestehende Versorgung

Mahnte einen „besonders sensiblen“ Umgang mit dem Thema an: Dagmar Hildebrand (CDU).
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Dagmar Hildebrand (CDU) mahnte einen „besonders sensiblen“ Umgang mit dem Thema an. Schwangerschaftsabbrüche seien ethisch, individuell und persönlich – „entsprechend behutsam muss es diskutiert werden“. Sie betonte, Frauen würden in Schleswig-Holstein „nicht allein gelassen, wenn es um Schwangerschaftsabbrüche geht“. Stationäre Eingriffe seien sehr selten und entsprechende Kliniken in zumutbarer Entfernung gebe es etwa in Heide, Husum oder Schleswig. Zugleich kündigte Hildebrand an, die Lage weiter zu prüfen und Gespräche zu führen. „Wir werden dafür Sorge tragen, dass Schwangerschaftsabbrüche in Schleswig-Holstein gewährleistet sind“, sagte sie.

Stellte die Debatte in den Kontext der Gleichberechtigung: Catharina Nies (Grüne).
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Catharina Nies (Grüne) stellte die Debatte in den Kontext der Gleichberechtigung. Die europaweite Initiative „My body – my choice“ zeige, dass Selbstbestimmung weiterhin erkämpft werden müsse. „Keine Kirche, kein Arbeitgeber“ dürfe über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden – „es muss eine rein medizinische Entscheidung sein“, sagte Nies. Für Flensburg räumte sie eine angespannte Lage ein, insbesondere bei operativen Angeboten. Zugleich könne das Land medizinische Leistungen nicht einfach anordnen. Deshalb sehe der Alternativantrag eine Strukturanalyse, Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten sowie Kommunen und mehr Transparenz über bestehende Angebote vor.
FDP drängt zum Handeln

Der theoretische Versorgungsgrad sage „nichts über das tatsächliche Angebot vor Ort“ aus, sagte Heiner Garg (FDP).
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Unterstützung für den Antrag von SPD und SSW kam von den Liberalen. Das Land sei nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz verpflichtet, ein ausreichendes Angebot sicherzustellen sagte Heiner Garg (FDP). Der theoretische Versorgungsgrad sage „nichts über das tatsächliche Angebot vor Ort“ aus. Es habe sich in der ambulanten Versorgung seit der ELSA-Studie spürbar etwas verändert. Deshalb müsse die politische Hausspitze jetzt schnell Gespräche führen. Der Landtag dürfe das „fordern und erwarten“.

Christian Dirschauer (SSW) sprach von einer „doppelten Verletzung“ des gesetzlichen Sicherstellungsauftrags.
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Der SSW-Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer sprach von einer „doppelten Verletzung“ des gesetzlichen Sicherstellungsauftrags. Erstens entfalle künftig das stationäre Angebot in Flensburg, zweitens reduziere sich das ambulante Angebot durch den Ruhestand vieler Ärztinnen und Ärzte. „Dieser Sicherstellungsauftrag ist kein nice to have, sondern eine eindeutige, gesetzliche Pflicht“, betonte er. Die Versorgungsrechte von Frauen würden „mit Füßen getreten“. Wenn ein Träger das Angebot nicht vorhalte, müsse das Land einspringen.
Stenke sieht Versorgung gesichert
In Vertretung für Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken erklärte Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU), sie könne die Sorgen nachvollziehen. Zugleich betonte sie, das gesetzlich geforderte Angebot bleibe bestehen. Stationäre Schwangerschaftsabbrüche seien „extrem selten“ und Schleswig-Holstein verfüge über eine überdurchschnittliche Versorgung. Diese wolle man weiter aufrecht erhalten, dafür bräuchte es Gespräche mit allen Akteuren, belastbare Daten sowie eine Analyse der aktuellen und künftigen Entwicklung. „Die Versorgung im Raum Flensburg und in ganz Schleswig-Holstein ist gesichert“, sagte Stenke. Man werde dafür sorgen, dass das so bleibe.
Der Antrag von SPD, SSW und FDP wurde mit den Stimmen der Koalition abgelehnt. Der Alternativantrag von CDU und Grünen wurde mit den Stimmen der Koalition angenommen.