
Annabell Krämer (FDP): „Wer Bingo spielt, erwartet konkrete Verbesserungen für Umwelt und Natur.“
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Foto: Landtag, Sönke Ehlers
Die FDP-Fraktion will die Vergabe der Mittel aus der Umweltlotterie „Bingo“ neu ausrichten und hat dazu sowohl einen Antrag als auch einen Gesetzentwurf vorgelegt. Kern ist die Forderung, den Tierschutz als eigenständigen Förderzweck zu verankern und die Vergabekriterien deutlich zu straffen – etwa durch den Ausschluss von Studien, Veranstaltungen oder bestimmten Publikationen. CDU, Grüne, SPD und SSW sehen dafür keinen Anlass. Der Tierschutz werde bereits berücksichtigt, die Streichung von Förderungen für Bildungs- und Begleitmaßnahmen sei kontraproduktiv, hieß es in der Debatte. Gesprächsbereitschaft gab es aber über mögliche Anpassungen auf Grundlage einer genaueren Auswertung der Mittelverwendung. Hierzu hatten die Koalitionsfraktionen einen Alternativantrag eingebracht.
Annabell Krämer (FDP) begründete den Vorstoß ihrer Fraktion mit aus ihrer Sicht bestehenden Schieflagen in der Förderung. Zwar sei der Tierschutz Teil der Richtlinie, „allerdings nur im Zusammenhang mit Natur- und Umweltschutz“, sodass eigenständige Projekte oft benachteiligt würden, so Krämer. Ziel sei es, den Tierschutz gleichzustellen und die Mittel stärker auf konkrete Maßnahmen zu konzentrieren: „Wer Bingo spielt, erwartet konkrete Verbesserungen für Umwelt und Natur – und keine Finanzierung von Konzepten oder Lobbyformaten.“

Verwies auf die bestehende Praxis und die breite Verwendung der Mittel: Michel Deckmann (CDU).
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Verständnis für Diskussionsbedarf
Michel Deckmann (CDU) verwies dagegen auf die bestehende Praxis und die breite Verwendung der Mittel. Aus den Glücksspielzweckabgaben würden zahlreiche gesellschaftliche Bereiche gefördert – vom Sport über Denkmalschutz bis hin zu Feuerwehr und Suchtprävention. Über die konkrete Vergabe entscheide der unabhängige Vergaberat, „dessen Arbeit maßgeblich durch Förderrichtlinie und Satzung bestimmt wird“. Zugleich zeigte Deckmann Verständnis für den Wunsch nach mehr Transparenz und den Diskussionsbedarf, weswegen man den Alternativantrag eingebracht habe.

Machte deutlich, dass der zentrale Punkt des FDP-Vorstoßes bereits erfüllt sei: Silke Backsen (Grüne).
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Silke Backsen (Grüne) machte deutlich, dass der zentrale Punkt des FDP-Vorstoßes bereits erfüllt sei: „Mit anderen Worten: Die gewünschte Formulierung steht da schon.“ Der Tierschutz sei seit Jahren ausdrücklich Bestandteil der Förderrichtlinie und werde ausreichend berücksichtigt. Eine Verengung der Kriterien, etwa durch den Ausschluss von Studien oder Bildungsprojekten, lehnten beide Koalitionsfraktionen ab.

Sandra Redmann (SPD) wies den Eindruck einer unzureichenden oder unsystematischen Mittelvergabe zurück.
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Studien nicht ausschließen
Sandra Redmann (SPD) wies den Eindruck einer unzureichenden oder unsystematischen Mittelvergabe mit Blick auf ihre langjährige Arbeit im Vergaberat entschieden zurück. Das Gegenteil sei der Fall. Sie berichtete von intensiven Prüfungen und fachlich fundierten Entscheidungen: „Hier wird nichts durchgewunken.“ Zudem seien Studien, Veranstaltungen und Publikationen oft zentrale Bestandteile erfolgreicher Projekte und dürften nicht pauschal ausgeschlossen werden.

Christian Dirschauer (SSW): „Das Geld kommt an der richtigen Stelle an.“
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Auch Christian Dirschauer (SSW), ebenfalls Mitglied im Vergaberat, stellte sich gegen die Kritik der FDP: Die Förderung funktioniere – „auch im Tierschutz“. Die Darstellung, hier bestehe eine grundlegende Lücke, gehe „an der Realität vorbei“. Zwar sei es sinnvoll, die Förderpraxis immer wieder zu überprüfen, doch pauschale Einschränkungen lehne man ab. „Das Geld kommt an der richtigen Stelle an“, betonte Dirschauer – „und ganz oft auch mit den Stimmen der FDP.“
Goldschmidt dankt dem Vergaberat

Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne): „Ich glaube, wir brauchen weder eine Gesetzesänderung noch eine Änderung von Richtlinien.“
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Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) verwies auf die Zahlen: Seit 25 Jahren seien tausende Projekte mit insgesamt etwa 71 Millionen Euro aus Bingo-Mitteln unterstützt worden. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien über eine Million Euro in 74 Maßnahmen mit Bezug zum Tierschutz geflossen. „Ich glaube, wir brauchen weder eine Gesetzesänderung noch eine Änderung von Richtlinien“, sagte Goldschmidt. Zugleich dankte er allen Beteiligten – den Spielerinnen und Spielern der Lotterie ebenso wie dem Vergaberat, der „die vielen guten Taten im Land ermöglicht hat“.
Der Gesetzentwurf der FDP wurde zur weiteren Beratung überwiesen, ihr Antrag im Plenum abgelehnt. Der Alternativantrag von CDU und Grünen wurde angenommen.