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20. März 2026 – Plenum

Trotz Sparkurs beim Personal: Kein Extra-Geld für Hochschulen

Die Hochschulen im Land haben Probleme mit ihrer Finanzierung und reagieren mit Sparmaßnahmen. Aus dem Parlament kommen Forderungen nach einem Eingreifen der Landesregierung, doch diese lehnt das ab.

Christoph Vogt (FDP)
Schwarz-Grün gefährde den Hochschulstandort durch falsche Schwerpunktsetzung, monierte Christopher Vogt (FDP).
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Die Unis in Kiel und Flensburg gehen auf Sparkurs und verhängen Einstellungsstopps und Wiederbesetzungssperren. Die Opposition forderte deswegen eine Finanzspritze vom Land: Die Ziel- und Leistungsvereinbarungen, in denen Landesregierung und Hochschulen die Mittelverteilung festlegen, gehörten auf den Prüfstand, hieß es bei SPD, FDP und SSW. Die Koalition wies das zurück. Die Vereinbarungen für die Jahre 2026 bis 2029 seien transparent und sicherten den Hochschulen eine „mehrjährige Planbarkeit“. Zudem schieße das Land bereits jetzt weiteres Geld zu, etwa mit der Übernahme von Tarifsteigerungen.

Schwarz-Grün gefährde den Hochschulstandort Schleswig-Holstein durch falsche Schwerpunktsetzung, monierte Christopher Vogt (FDP). So kürze die Koalition bei der Lehrerausbildung – deswegen seien Kiel und Flensburg mit ihren pädagogischen Studiengängen besonders betroffen. Hinzu kämen steigende Betriebskosten und ein Sanierungsstau von einer Milliarde Euro allein an der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Vogt forderte ein Ende der „hochschulpolitischen Irrfahrt“. Das Geld im Landeshaushalt sei vorhanden, „wenn man es politisch will“.

Schwierige Bedingungen

 

Martin Habersaat (SPD)
Martin Habersaat (SPD) kritisierte „unrealistische Zielvereinbarungen“.
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Martin Habersaat (SPD) kritisierte die „unrealistischen Zielvereinbarungen“, die zu Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung geführt hätten. Nun drohe die Einstellung ganzer Studiengänge. Die aktuelle Lage sei lange absehbar gewesen, betonte Jette Waldinger-Thiering (SSW). Sie verwies auf den Studiengang Frisistik in Kiel, der unter einer unbesetzten Personalstelle leide: „Das kommt in der friesischen Community nicht gut an.“

 

Jette Waldinger-Thiering (SSW)
Die aktuelle Lage sei lange absehbar gewesen, betonte Jette Waldinger-Thiering (SSW).
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Die Landesregierung habe „einen verlässlichen Rahmen für die Hochschulentwicklung geschaffen“, hielt Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) dagegen, und zwar „unter schwierigen Bedingungen, aber gemeinsam und zukunftsorientiert“. Das Land garantiere eine transparente Hochschulfinanzierung und sichere Forschung und Lehre auf hohem Niveau ab. Das gelte beispielsweise auch für die Lehrkräftebildung: Von 2022 bis 2027 erhielten die Lehrerschmieden im Lande 16 Millionen Euro extra aus der „Allianz für Lehrkräftebildung“, so Stenke.

Pro Jahr fließen 400 Millionen Euro

 

Dorit Stenke (CDU)
Die Landesregierung habe „einen verlässlichen Rahmen für die Hochschulentwicklung geschaffen“, sagte Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU).
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

„Wir sparen unsere Hochschulen nicht kaputt, sondern wir entwickeln sie gemeinsam weiter“, unterstrich Wiebke Zweig (CDU). „Entgegen mancher Behauptung“ sei die finanzielle Lage der Hochschulen „solide“. Eine Wiederbesetzungssperre sei eine „legitime Entscheidung“ und Ausdruck der Hochschulautonomie: „Da hat die Politik nicht drüber zu befinden.“ Malte Krüger (Grüne) gestand: „Natürlich wäre es schön, wenn zusätzliches Geld für die Hochschulen da wäre.“ Die Ziel- und Leistungsvereinbarungen seien jedoch gemeinsam verhandelt worden, so Krüger.

 

Wiebke Zweig (CDU)
„Wir sparen unsere Hochschulen nicht kaputt, sondern wir entwickeln sie gemeinsam weiter“, unterstrich Wiebke Zweig (CDU).
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Das Land und seine Hochschulen legen gemeinsam alle vier Jahre fest, wie die Unis und FHs sich weiterentwickeln sollen und wie viel Geld ihnen dafür zur Verfügung steht. Pro Jahr fließen so rund 400 Millionen Euro an die neun Universitäten und Fachhochschulen im Lande. Größter Empfänger war 2025 die CAU mit 213,2 Millionen Euro. Es folgten die Fachhochschule Kiel (35,6 Millionen), die Uni Lübeck (35,4 Millionen), die Uni Flensburg (32,4 Millionen) und die Technische Hochschule Lübeck (27,4 Millionen). Mit den Zuschüssen sind Vorgaben an die Profilbildung verbunden.

 

Malte Krüger (Grüne)
Malte Krüger (Grüne) gestand: „Natürlich wäre es schön, wenn zusätzliches Geld für die Hochschulen da wäre.“
© Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Die Sparankündigungen mehrerer Unis rufen die Opposition im Landtag auf den Plan. Die FDP betrachtet die Entwicklung in Kiel und Flensburg „mit Sorge“ und fordert die Landesregierung auf, die Ziel- und Leistungsvereinbarungen zu überarbeiten, mit denen Land und Hochschulen die Ausrichtung und die Finanzierung der universitären Arbeit alle vier Jahre festlegen. Ziel müsse es sein, „mit einer korrigierten Fassung den weiteren Abbau von dringend benötigtem Personal und einen weiteren Qualitätsverlust bei Forschung, Lehre und Transfer zu verhindern“. Auch die SPD greift das Thema auf und fordert einen mündlichen Regierungsbericht in der März-Tagung.

Anfang des Monats hatte die Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) eine neunmonatige Sperre für Wiederbesetzungen ausgerufen. Grund sei die neue Ziel- und Leistungsvereinbarung mit dem Land für die Jahre 2026 bis 2029. Langfristig könnten sogar Professuren und ganze Studiengänge wegfallen, so die Befürchtung der CAU-Leitung. Die Hochschule beklagt steigende Kosten für Personal, Energie und Infrastruktur und einen Investitionsstau an den Gebäuden. Um die in der Ziel- und Leistungsvereinbarung festgelegten Marken zu erreichen, müssten bestehende Einrichtungen saniert und Neubauten realisiert werden – vor allem im Bereich der digitalen Infrastruktur, etwa für das geplante Rechenzentrum.

Pro Jahr fließen 400 Millionen Euro an die neun Hochschulen

Auch die Europa-Universität Flensburg (EUF) hat finanzielle Probleme. Wie die Universität mitteilte, reichten die zugewiesenen Mittel des Landes nicht aus. An der Universität gebe es schon seit März 2025 eine Wiederbesetzungssperre – Stellen würden nur unter bestimmten Umständen neu vergeben. Die Flensburger Uni habe in den vergangenen Jahren eine Reihe von Studieninhalten ausgebaut, etwa die Ausbildung von Lehrkräften für alle Schularten, die Förderung des lebenslangen Lernens, die Pflege von Minderheitensprachen, die digitalen Bildung und den Kampf gegen Antisemitismus. Doch das Grundbudget habe diese Entwicklung nicht genug gefördert, hieß es. 

Das Land und seine Hochschulen legen gemeinsam alle vier Jahre fest, wie die Unis und FHs sich weiterentwickeln sollen und wie viel Geld ihnen dafür zur Verfügung steht. Pro Jahr fließen so rund 400 Millionen Euro an die neun Universitäten und Fachhochschulen im Lande. Größter Empfänger war 2025 die CAU mit 213,2 Millionen Euro. Es folgten die Fachhochschule Kiel (35,6 Millionen), die Uni Lübeck (35,4 Millionen), die Uni Flensburg (32,4 Millionen) und die Technische Hochschule Lübeck (27,4 Millionen). Mit den Zuschüssen sind Vorgaben an die Profilbildung verbunden.

Top 33+34:

Antrag der Fraktion der FDP

– Drucksache 20/4220

Antrag der Fraktion der SPD

– Drucksache 20/4222