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Klimaschutz bietet auch wirtschaftliche Chancen und Vorteile
PRESSEINFORMATION Kiel, den 19.11.1999 Es gilt das gesprochene WortTOP 24 Klimaschutzbericht (Drs. 14/2319)Anke Spoorendonk:Nach allem was wir wissen – und darauf weist auch schon seit längerem dasIntergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen hin – wirdes bei einer weiteren globalen Klimaerwärmung zu weltweiten Umweltkatastrophenkommen. Der uns vorliegende Bericht der Landesregierung stellt dar, mit welchenAuswirkungen wir rechnen können, wenn die Klimaerwärmung weiterhin zunimmt.Neben des Anstiegs des Meeresspiegels, wird für Europa der möglicheZusammenbruch des Golfstromes die größte Bedeutung haben.Dass wir eine globale Verminderung der Treibhausgasemissionen erreichen müssen,wissen wir alle und das nicht erst seit gestern. Aus diesem Grund gibt es seit Jahrenweltweite Klimaschutzkonferenzen. Wegweisend war die Klimakonferenz 1997 inKyoto, wo ein Klimaprotokoll verabschiedet wurde, in dem die Industrieländer sichverpflichtet haben, die Treibhausgasemission zu reduzieren. Betrachtet man dasErgebnis der letzten großen Klimakonferenz in Bonn, ist das Resultat allerdings 2ernüchternd. Die Verhandlungen verkommen zu Scheingefechten und der weltweitgrößte Treibhausgasproduzent – die USA – stellt sich quer bei der Verringerung dereigenen Emissionen. Statt dessen streben sie den sogenannten Emissionshandel an, mitdem sie sich mehr oder weniger aus ihrer Verantwortung freikaufen. Dieses ist nichtder richtige Weg, um eine Verbesserung der Situation zu erzielen.Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und Umwelt sollteselbstverständlich sein. Wer das nicht begriffen hat, den muss man in schärfster Weiseabmahnen. Ich kann doch nicht für etwas eintreten, das ich nicht selbst vorlebe. Ich binder Meinung, dass hier die Vorbildfunktion und Selbstverpflichtung anfängt.Was können wir also tun, um die Situation in Schleswig-Holstein zu verbessern? Einenersten Schritt haben wir 1995 unternommen, indem wir das CO2-Minderungs- undKlimaschutzprogramm verabschiedet haben. Hierin ist unter anderem das Zielformuliert, einen Beitrag zur Erreichung des Klimaschutzziels der Bundesregierung zuleisten. Ziel der Bundesregierung ist es, die CO2-Emissionen bis 2005 um 25%gegenüber 1990 zu verringern. Der uns heute vorliegende Bericht weist jedoch daraufhin, dass die im Energiekonzept und Klimaschutzprogramm formulierten Ziele imangestrebten Zeitraum nur teilweise erreichbar sind. Dies gilt besonders für dieUnterstützung des Klimaschutzziels der Bundesregierung, hinsichtlich der CO2-Emissionen. Dass die Ursache hierfür zum Teil an den in der Vergangenheitunterlassenen Reformen der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufBundesebene zu suchen sind, kann uns nicht zufrieden stellen. Die Signale hätten 3rechtzeitig erkannt werden müssen und dementsprechend hätten Handlungen folgenmüssen.Der Bericht legt in ausführlicher Form die ökologische Notwendigkeit und diewirtschaftlichen Vorteile des Klimaschutzes dar.Gerade wir in Schleswig-Holstein sollten uns bewusst machen, was es bedeuten würde,wenn der Meeresspiegel steigen sollte – dies wäre eine verschärfte Bedrohung fürunsere Nord- und Ostseeküste. Was das für erhebliche Mehrkosten für denKüstenschutz bedeuten würde, ist nicht abzuschätzen.Die wirtschaftlichen Chancen und Vorteile des Klimaschutzes sind nach neuestenUntersuchungen nicht von der Hand zu weisen. Zu diesem Ergebnis ist unter anderemProf. Sprenger vom ifo - Institut für Wirtschaftsforschung - München gekommen. Ineiner Literaturstudie wurden die Beschäftigungspotentiale - insbesondere vonerneuerbaren Energieträgern und der energetischen Gebäudesanierung - untersucht. Indieser Studie wird darauf hingewiesen, dass positive Nettobeschäftigungseffekte beiInvestitionen in diesen Sektoren zu erwarten sind. Auch der Klimaschutzberichtbestätigt diese Ergebnisse. Hier wird darauf hingewiesen, dass heute schon 1.500Arbeitsplätze mit der Windenergie in Schleswig-Holstein geschaffen wurden.Zwar kommt es zu Beschäftigungsverlusten in der konventionellen auf fossilenBrennstoffen und Atomenergie beruhenden Energieversorgung, wenn wir hier einemschrittweisen Ausstieg vornehmen. Jedoch werden wir positive 4Arbeitsmarktverhältnisse erzielen, die die eben genannten Arbeitsplatzverlustekompensieren und überflügeln. Dies gilt besonders bei Herstellern vonWärmedämmung und Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung, in derBauwirtschaft und im Handwerk. Wir sehen dieser Entwicklung positiv entgegen, dawir die Möglichkeiten für Neuansiedlungen kleinerer und mittlerer Unternehmen inden ländlichen Räumen schaffen.Um diese Entwicklung auch künftig sicherstellen zu können, ist es notwendig, dass dieInvestoren und Hersteller der regenerativen Energien nicht verunsichert werden -Stichwort: Liberalisierung des Strommarktes oder die Drohungen der PreussenElektra.Es müssen klare Verhältnisse geschaffen werden, und es darf keine schwebendenVerfahren geben.Abschließend möchte ich noch kurz auf das „20-Punkte-Programm“ derLandesregierung eingehen. Hier werden schwerpunktmäßig umzusetzendeMaßnahmen angesprochen, die für die Zukunft notwendig sind, um weiter die Zieledes CO2-Minderungs- und Klimaschutzprogramms zu erreichen. Dies kann jedoch nurgelingen, wenn eine ständige Überprüfung des Erreichten und des Erreichbarenstattfindet.Einen Punkt werde ich hier noch hervorheben, der meines Erachtens nicht unerheblichist. Die Bestrebung der Landesregierung bei der Umsetzung der Agenda 21 scheint mirvon großer Bedeutung zu sein. Denn gerade im kommunalen Bereich ist es wichtig, dieKlimaschutzziele und ihre Chancen bekannt zu machen. Nur mit einer breit angelegten 5und aktiven Öffentlichkeitsarbeit ist es möglich, die Bevölkerung für diesesumfangreiche Thema zu sensibilisieren und zu interessieren.