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27.01.00 , 16:02 Uhr
FDP

Wolfgang Kubicki zur Gefahr-Hunde-Verordnung

F.D.P. L a n d t a g s f r a k t i o n Schleswig-Holstein 1 Christian Albrecht Pressesprecher
V.i.S.d.P.


F.D.P. Fraktion im Nr. 16/2000 Schleswig- Holsteinischen Landtag Landeshaus, 24171 Kiel Kiel, Donnerstag, 27. Januar 2000 Postfach 7121 Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497 Sperrfrist: Redebeginn E - Mail: fraktion@fdp-sh.de Internet: http://www.fdp-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!
Wolfgang Kubicki: Der Innenminister völlig neben der Spur!
In seinem Redebeitrag zu TOP 10 (Gefahr-Hunde-Verordnung) sagte der Vorsitzende der F.D.P.-Landtagsfraktion, Wolfgang Kubicki:



Presseinformation „Um es gleich unmissverständlich zu sagen: Menschen müssen vor gefährlichen Hunden geschützt werden. Aber auch Hunde müssen vor der Willkür des Menschen geschützt werden.
Hunde betrachten uns Menschen als eine Art ‚Superhunde‘. Wir sind zwar ein wenig anders als sie, aber wir leben mit ihnen zusammen – wir müssen als etwas Ähnliches sein. Sie denken anders als wir. Sie kommunizieren anders als wir. Sie werden von ihren Trieben aber auch von ihren Verhaltensweisen geleitet, die sie vom Mensch gelernt haben. Denken so wie wir – das können Hunde nicht.
Vor diesem Hintergrund frage ich einmal den Kollegen Matthiessen: Wie stehen Sie eigentlich als Tierarzt zu dem Vorhaben Ihres Koalitions- partners, willkürlich einige Hunderassen diskriminieren und im Ergebnis de facto ausrotten zu wollen? Ich habe bislang recht wenig hierzu von Ihnen gehört.
Ist es nicht vielmehr so, dass das Gespann Mensch-Hund als Einheit gesehen werden – und genau hier angesetzt werden muss?
Muss nicht der Mensch wirkungsvoll daran gehindert werden, Hunde zu verhaltensgestörten Individuen zu züchten und auszubilden?
Worum geht es Ihnen denn tatsächlich, Herr Innenminister?
Um Übergriffe von Hunden auf Menschen oder auf andere Tiere zu vermeiden oder um einen billigen Wahlkampfschlager?
Herr Wienholtz, welcher Hund ist denn für Sie ein sogenannter Kampfhund? Liberale Links im Internet: Der Landesverband: www.fdp-sh.de Der Spitzenkandidat: www.kubicki.sh Die Landtagswahl: www.zweitstimme.sh 2 Der Mastino Napoletano? Der Mastín Español? oder vielleicht ein Fila Brasileiro?
Oder ein Hund, von dem Sie irgendwann einmal gehört oder gelesen haben, er habe Menschen und Artgenossen angegriffen? Also Schäferhunde, Dobermänner, Rottweiler, Chow-Chows oder Rauhaardackel?
Bei Ihren Vorbereitungen auf die heutige Debatte haben Sie hoffentlich auch jene Frauenzeitschrift gelesen, die dem Pitbull gleich 82 Zähne andichtete. Vermutlich war der fachkundigen Autorin der Unterschied zwischen Alligatoren und Hunden nicht bekannt.
Sicherlich gibt es fehlgeprägte, falsch oder gar nicht erzogene Hunde. Das liegt jedoch nicht an der Rasse, sondern am Besitzer.
Gehen Sie doch mal auf einen Hundeplatz und überzeugen Sie sich davon, dass zum Beispiel im Schutzdienst auch Bullterrier und Molosser auf Kommando auslassen. Sie würden nämlich sonst keine einzige Prüfung bestehen. Auch die vorher abzuleistenden Unterordnungsübungen sind obligatorisch. Bei allen Rassen und Mischlingen ist es so, dass gut ausgebildete Hunde weniger Unfälle verursachen, als nicht ausgebildete Hunde.
Natürlich kann ein kräftigerer Hund im Zweifelsfall mehr Schaden anrichten als ein kleinerer Hund. Der Biss eines Schäferhundes wird selbstverständlich mehr Schaden anrichten, als der Biss eines Zwergpudels.
Das ist eine Frage der Größe und nicht der Rasse.
Eine Dogge oder ein Boxer können genauso zubeißen wie ein Mastino oder ein American Staffordshire Terrier. Oder, Herr Wienholtz, sollen jetzt etwa auch Boxer und Doggen ausgerottet werden?
Lassen Sie mich an dieser Stelle zusammenfassend feststellen: Einzelne Hunderassen als gefährlich zu brandmarken und aussortieren zu wollen, mag vielleicht öffentlichkeits- wirksam sein. Das Ziel, Übergriffe solcher Tiere auf Menschen und andere Tiere künftig zu vermeiden, wird jedoch verfehlt.
Jede Auflistung angeblich besonders aggressiver Hunderassen zeugt von erschreckender Unkenntnis. Weder wird das grundsätzliche Problem gelöst, dass erst Züchter bzw. Halter das Aggressionspotential, das in jedem Hund liegt, wecken und missbrauchen – noch wird die Problematik von Neuzüchtungen durch Kreuzungen von Rassen gelöst.
Was also, liebe Kolleginnen und Kollegen ist zu tun? Zu aller erst sollten wir uns nicht auf dem Niveau ebenso billiger wie falscher Sensationsberichterstattung bewegen. Der Innen- und Rechtsausschuss hat im vergangenen Jahr eine Anhörung zur Problematik ‚gefähr- licher Hunde‘ durchgeführt, die mit hochkarätigen Fachleuten besetzt war.
Ich frage mich ernsthaft, wozu wir eine solche Veranstaltung abhalten, wenn deren Ergebnisse völlig ignoriert werden. Oder ist es so, dass es auf die Ergebnisse überhaupt nicht ankam, weil von vornherein feststand, dass Herr Wienholtz medienwirksam die Zähne fletschen wollte?
Herr Innenminister, in Ihren Eckpunkten kommt der Auslöser des Fehlverhaltens so gut wie gar nicht vor: Der Mensch! - Genau hier muss aber angesetzt werden.
Liberale Links im Internet: Der Landesverband: www.fdp-sh.de Der Spitzenkandidat: www.kubicki.sh Die Landtagswahl: www.zweitstimme.sh 3 Es ist richtig: der F.D.P. geht es nicht darum einzelne Hunderassen auszurotten, deren Halter zu diskriminieren. Darum darf es auch nicht gehen.
Und es ist beinahe albern, mit deutscher Gründlichkeit einen brasilianischen Wachhund – genau das ist der Fila Brasiliero nämlich – als grundsätzlich gefährlich einstufen zu wollen, wenn in diesem Land gleichzeitig der Erwerb einer hochgiftigen Schlange für jedermann mit weniger Papierkram verbunden ist, als der Kauf eines Wellensittichs.
Hier stimmen doch die Verhältnisse nicht mehr! Und genauso wenig stimmen sie in der immer wieder entfachten Debatte um angebliche Kampfhunde. Da wird argumentiert, solche Hunde kämen vor allem in einem ganz bestimmten Milieu vor. Unterstellt, das wäre so. Macht das nicht vielmehr deutlich, wo die Probleme tatsächlich liegen?
Nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Übrigens ist in dem sogenannten Milieu die Haltung seltener und daher sehr teurer Papageien noch weit verbreiteter als die Haltung irgendwelcher Hunde. Sind das jetzt alles Kampf-Kakadus? Wohl kaum.
Übrigens werden die von Herrn Wienholtz ins Visier genommenen Rassen genauso als Familienhunde gehalten wie Dackel, Schnauzer oder Collies. Nur wenn sie jahrelang schnarchend und grunzend in Kinderbetten liegen und sich nicht als blutrünstige Monster durch die Nacht beißen sind sie offensichtlich ziemlich uninteressant.
Erst in der letzten Woche gab es eine dpa-Meldung, die so recht ins Klischee des Ekkehard Wienholtz passte: „Kampfhund fiel Dackel einer Rentnerin an – Frau schwer verletzt“.
Ich frage jetzt einmal: Wie oft haben wir gelesen: Schäferhund fiel Zwergpinscher an?
Oder Terrier verbiss sich in Spitz?
Obwohl das sehr viel häufiger der Fall ist, lesen wir darüber so gut wie nie etwas.
Aber auch hier gilt: Nur der Mensch – und zwar einzig und allein – als Züchter, Halter oder Händler ist Ausgangspunkt für die Probleme, die unsere Gesellschaft mit gefährlichen Hunden hat. Und genau das muss sich in der Gesetzgebung wiederfinden.
Aus diesem Grund schlage ich Ihnen ein sinnvoll aufeinander abgestimmtes Maßnahmenbündel vor, das mit der konsequenten Anwendung und Umsetzung des Tierschutzgesetzes beginnt: Denn bereits vor mehr als 2 Jahren wurden mit der Novellierung des Tierschutzgesetzes bereits bundesweit der rechtliche Rahmen geschaffen, gegen Züchter und Halter gefährlicher Hunde vorzugehen. Das Tierschutzgesetz verbietet die Aggressionszucht ausdrücklich! Es müssen dann aber auch konsequent und rasch Haltungsverbote ausgesprochen und durchgesetzt werden, was bislang aber kaum der Fall ist.
Dass es hier Vollzugsdefizite gibt, liegt vor allem an leeren öffentlichen Kassen und nicht an Bullterriern oder Mastinos.
Zweitens ließe sich ein Test auf sogenannte Wesensfestigkeit vorschreiben, wie er derzeit nur bei zugelassenen Züchtern von Golden Retrievern und Labradors durchgeführt wird. Jeder Hund, der nicht wesensfest ist, wird von der Zucht ausgeschlossen.
Liberale Links im Internet: Der Landesverband: www.fdp-sh.de Der Spitzenkandidat: www.kubicki.sh Die Landtagswahl: www.zweitstimme.sh 4 Drittens könnte eine Sachkundeprüfung in Zusammenarbeit mit dem VDH nach dem Vorbild der Gefahr-Hunde-Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen vorgeschrieben werden. Ein Blick in eben diese Verordnung hätte auch Ihnen nicht geschadet, Herr Innenminister. Nach den bislang gesammelten Erfahrungen funktionieren die dort getroffenen Regelungen nämlich ausgezeichnet.
Sie sind allerdings nicht Ausfluss populistischer Schnellschüsse, sondern Ergebnis intensiver Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Ministerien, Fachleuten und dem VDH. Schließlich ist der Erlass einer Heimtierzucht-Verordnung längst überfällig.
Herr Wienholtz, wenn Sie tatsächlich die Menschen vor gefährlichen Hunden schützen und gleichzeitig Hunde vor der Willkür des Menschen bewahren wollen, dann werfen Sie als erstes Ihre sogenannten Eckpunkte in den Papierkorb.
Machen Sie sich die Mühe und sprechen Sie mit Fachleuten. Schauen Sie sich die Hunde, die Sie faktisch ausrotten wollen, doch einfach einmal an.
Sprechen Sie mit Züchtern und verantwortungsbewussten Haltern. Beteiligen Sie sich nicht an einer Hetze und Panikmache, mit der Sie übrigens auch denjenigen, die Sie schützen wollen nicht helfen.
Es gibt mehr als 400 Hunderassen und keine davon ist von Geburt an das blutrünstige Monster, zu dem durch die vorliegenden Eckpunkte einige willkürlich abgestempelt werden.
Dazu werden sie von verantwortungslosen Menschen erst gemacht – und zwar ungeachtet ihrer Rasse.“



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