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Pflegemißstände: "Konzertierte Aktion" der Beteiligten erforderlich
SSW-PRESSEINFORMATION Kiel, d. 27.01.2000 Es gilt das gesprochene WortTOP 11 + 13 Qualitätssicherung in der Pflege (Drs. 14/2563, 14/2662)Bisher gelangen die Informationen zwar nur tröpfchenweise an die Öffentlichkeit, aber es isterschütternd zu hören, welche Mängel die Medizinischen Dienste der Krankenkassen bei ihrenPrüfungen gefunden haben. Ich möchte mich davor hüten, beim jetzigen Informationsstand dieBefunde zu verallgemeinern. Es scheint aber als wären wir noch Lichtjahre von der ganzheitlichen,aktivierenden Pflege und Betreuung entfernt, die wir uns als Maßstab und Ziel gesetzt haben. Esgibt eine massivere Verunsicherung, vor allem bei unseren älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern,die so schnell wie überhaupt möglich gelöst werden muss.Die Unsicherheit ist in den letzten Wochen zusätzlich gewachsen, weil nicht klar ist, wer die Konse-quenzen zu ziehen hat. Es ist wenig hilfreich gewesen, dass sehr schnell nach den Veröffentli-chungen ein großes Schwarzes-Peter-Spielen begann, um ja die Schuld für die schlechten Befundewo anders unterzubringen. Dabei wird immer mehr deutlich, dass wohl alle Beteiligten ihrePflichten nicht erfüllt haben. Viele Träger scheinen nicht zu viel unternommen zu haben, um dieSicherung der Qualität in ihren Einrichtungen zu gewährleisten. Die Kreise und kreisfreien Städtehaben die Kontrolle nicht so ausgeübt, wie es sein sollte. Die Gemeinden haben dieSozialhilfeersparnis, die sich aus der Pflegeversicherung ergeben, nicht in die Altenhilfe investiert,wie es das Landespflegegesetz vorschreibt. Die Pflegekassen scheinen den Preis so weit zu drücken,dass angezweifelt werden kann, ob die Anforderungen mit den zur Verfügung stehenden Mittelnerfüllen lassen. Bisher haben auch sie sich wenig darum gekümmert, dass der Wettbewerb derEinrichtungen nicht nur über den Preis sondern auch über die Qualität stattfindet. DerBundesgesetzgeber lässt wie auf so vieles andere so auch auf das sehnlich erwartete Heimgesetz und auf Regelungen der Qualitätssicherung warten. Zudem bestehen noch erhebliche Mängel derPflegeversicherung. Skandlös ist auch, dass es noch immer keine bundeseinheitliche Ausbildungs-verordnung gibt, und dass die Heimleiter keine besondere Ausbildung und nur uneinheitlicheZusatzqualifikationen besitzen.Es sind also viele Menschen, die sich fragen lassen müssen, wie solche Zustände in den Heimenzustandekommen. Nur eine Gruppe von Beteiligten hat jetzt gewiß keine Prügel verdient:Missstände dürfen nicht dem Personal in der Altenpflege angelastet werden, denn es kannniemanden verwundern, dass sie unter den gegebenen Voraussetzungen nicht das Soll erfüllenkönnen. Gefordert wird von diesen Menschen eine optimale medizinische, pflegerische, sozialthera-peutische und hauswirtschaftliche Versorgung – aber bitte möglichst im Minutentakt und zumNulltarif. Die berufliche Realität sieht aber ein Bisschen anders aus: Hohe Anforderungen aberkeine hinreichenden Qualifikationsmöglichkeiten, wenig soziale Anerkennung, eine geringeBezahlung, geringe Personalschlüssel, nicht erfüllte Fachkraftquoten, keine Supervision trotz star-ker psychischer Belastungen und hohe Personalfluktuation sind die Realitäten im Altenpflegebe-reich. Es ist Sache der Politik, der Träger und der Pflegekassen dafür zu sorgen, dass dieseMenschen auch wirklich die Qualifikation und die Ressourcen bekommen, die sie benötigen, umden Anforderungen an eine moderne Altenhilfe zu entsprechen.Angesichts der Berichterstattung in den Medien wird man schwerlich umhin kommen können,möglichst schnell etwas zu unternehmen. Angesichts der vielfältigen Probleme gibt es keineAlternative dazu, die Beteiligten an einen Tisch zu holen, die sich jetzt noch gegenseitig denschwarzen Peter zuschieben. Es scheint, als wäre eine „konzertierte Aktion“ der Beteiligten vonNöten, um die vielen Probleme des Pflegebereichs endlich in Angriff zu nehmen, und unserenälteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern einen menschenwürdigen Lebensabend zu ermöglichen.