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Rede zum Hilfekonzept für "Schreikinder"
Kiel, den 12. 5. 2000 Es gilt das gesprochene WortTOP 26 Hilfekonzepte für Eltern im Umgang mit „Schreikindern“(Drs. 15/81)Lars Harms: In den letzten Monaten ist die Bevölkerung gerade auch in Schleswig-Holstein mehrfach durch Fälle aufgeschreckt worden, wo Eltern ihre Babys erstickt oder zu Tode geschüttelt haben. Als Gründe wurde dann mehfach genannt, dass die Eltern das Schreien der Kinder nicht mehr ertragen hätten. Man fragt sich dann unwillkürlich: Was bringt Menschen so weit?Sogar Menschen, die von ihrer Charakterfestigkeit, ihrer Bildung und ihrem sozialen Umfeld her betrachtet nach landläufiger Meinung nicht in Verdacht kämen, daß sie ihren Kindern etwas antun könnten, verfallen fatalen Handlungen. Sie kommen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die Gefahr, daß man unüberlegte Schritte tut, ist manchmal sehr groß. In den meisten Fällen geht es dann wohl noch einmal gut - die letzten Notsicherungen funktionieren noch - aber dass manche Mütter oder Väter den Belastungen nicht mehr standhalten können, ist die traurige Wahrheit.Die Fälle zeigen, daß dringender Handlungsbedarf besteht. Wichtig ist die Feststellung, dass das Problem alle sozialen Gruppen betrifft oder betreffen kann und dass es daher niederschwellige Präventions- und Hilfemöglichkeiten geben muss. Die Niederschwelligkeit bezieht sich dabei auf alle Gruppen: ein Ehepaar muss sich genauso angesprochen fühlen wie der alleinerziehende Elternteil; Gutverdienende genauso, wie sozial Schwache; Mütter genauso wie Väter. In München gibt es eine sogenannte „Schreiambulanz“. In anderen Städten gibt es ähnliche Angebote und Einrichtungen unter anderen Namen. Entscheidend ist bei einer solchen Schreiambulanz, dass schnelle und unbürokratische Erreichbarkeit, Bekanntheit und fachliche Kompetenz vorhanden sind. Der Zeitfaktor muss in jedem Falle berücksichtigt werden. So eine Schreiambulanz muss in ein Gesamtkonzept der Kinder- und Familienhilfe bzw. der „frühen Hilfen“ integriert sein. Ganz wichtig ist dabei, daß wir die Arbeit der Kinderschutzzentren und der anderen beteiligten Einrichtungen finanziell sichern und ausbauen.Man darf nicht vergessen, dass Kinderschutzzentren, aber auch viele andere Verbände und Einrichtungen bereits seit Jahren vorbildliche Arbeit im Bereich der Hilfe und Prävention in der Kinder- und Familienarbeit leisten. Erforderlich ist jedoch ein Gesamtkonzept, das nur in intensiver Zusammenarbeit mit den betroffenen Einrichtungen erarbeitet werden kann.Für den SSW kommt es darauf an, dass eine effiziente Mischung aus präventiven Beratungsangeboten und akuten Hilfemöglichkeiten geschaffen bzw. ausgebaut wird. Der SSW unterstützt daher den interfraktionellen Berichtsantrag, um ein detaillierteres Wissen darüber zu erlangen, was in unserem Lande in diesem Bereich bisher getan wurde und wo noch Lücken bestehen. Wir möchten dabei genau wissen, wie die einzelnen Angebote miteinander verzahnt sind, wo Kooperationen bestehen und wo es sie in Zukunft geben soll.