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SSW Für und Wider der Biotechnologie genau abwägen
PRESSEINFORMATION Kiel, d. 07.06.2000 Lars Harms Es gilt das gesprochene WortTOP 10 Förderung der Biotechnologie (Drs. 15/119)Dem SSW ist nicht verborgen geblieben, dass der Antrag der F.D.P. das wiederspiegelt, was die Enquetekommission "Chancen und Risiken der Gentechnologie" in ihrem Abschlussbericht im letzten Jahr - auch mit Unterstützung des SSW - mehrheitlich angenommen hat. Hier hat der SSW unter anderem die Weiterentwicklung des Landes und die Förderung der Forschung im Bereich Gentechnologie - als eine tragende Säule der Biotechnologie - gefordert. Wenn wir bedenken, wie umfangreich die Arbeit der Enquetekommission war, stellen wir fest, dass der uns heute vorliegende Antrag nur einen Teilbereich dieses umfassenden und kontroversen Themenkomplexes berücksich- tigt. Angesichts der uns heute zur Verfügung stehenden Zeit, lässt sich das wohl auch nicht anders machen. Wir wissen, das Gentechnologie nicht alles ist, was unter die Definition Biotechnologie fällt. Bio- technik ist mehr als das. Daher verteufelt der SSW die Biotechnologie nicht in Bausch und Bogen. Wir müssen uns klar machen, dass Biotechnik nicht plötzlich und unerwartet vom Himmel gefallen ist, sie war schon immer da. Und wir müssen uns weiter klar machen, dass sie künftig in einigen Be- reichen eine wichtige Zukunftstechnologie sein wird, sofern sie es heute nicht schon ist. Biotechnologie birgt Marktchancen in sich, denen wir uns nicht verschließen können. Der Ab- schlussbericht der Enquetekommission macht deutlich, dass die positiven Erwartungen, mit Hilfe von Gentechnik krankheitsresistente Pflanzen zu entwickeln, um den Einsatz von Pflanzenschutz- mitteln in der Landwirtschaft zu minimieren, nicht überzeugend erfüllt wurden. Andererseits macht der Bericht der Landesregierung zum Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie deutlich, dass noch viel Potential in der sogenannten roten Biotechnologie steckt - die heute schon stark ge- nutzt wird. 2Das Biotechnologie in den verschieden Sektoren auf so unterschiedliche Akzeptanz stößt, ist nicht nur in Schleswig-Holstein ein typisches Phänomen, sondern ist bundesweit und sogar weltweit fest- zustellen. Dies bestätigt nur, wie umstritten dieses Thema ist. Daher ist es für den SSW wichtig, das Für und Wider genau abzuwägen, ohne jedoch die Chancen und auch die Risiken aus den Augen zu verlieren. Auch wenn ich an die bevorstehende Debatte zur Saatgutverunreinigung denke - die wir in dieser Landtagstagung noch führen werden - so bin ich doch der Auffassung, dass wir in einem Land le- ben, das aufgrund seiner hohen Technologiestandards und seinen rechtlichen Rahmenbedingungen eine gute Voraussetzung hat, in dem die Biotechnik gesichert weiterentwickelt werden kann. Aus diesen Gründen wäre es fatal, das Feld ohne weiteres zu räumen und es einfach anderen zu überlas- sen. Damit würden wir Tür und Tor für Missbrauch öffnen ohne direkt Eingriffsmöglichkeiten zu haben. Und das kann nicht gewollt sein. Wir alle wissen, dass wir heute schon mehrere Biotechnologieunternehmen in Schleswig-Holstein haben, die in der Biomedizin, Landwirtschaft, Umwelt oder im Ernährungsbereich tätig sind. Es besteht z.B. die Chance ein breites Grundwissen über die Zusammenhänge in der Landwirtschaft zu schaffen, das dazu beitragen könnte die landwirtschaftlichen Strukturen in Schleswig-Holstein zu sichern. In Niebüll wird demnächst das Nordfriesische Innovationscenter ausgebaut, wo man sich dann verstärkt nachwachsenden Rohstoffen widmet. Dieses begrüßt der SSW, da hier Grundlagen- forschung betrieben wird, die für die regenerative Energieversorgung von großer Bedeutung sein kann. Wichtig für den SSW ist jedoch, dass wir in Zukunft eine breite Diskussion über Gentechnik und Biotechnologie haben. Dieses ist auch eine Forderung der Enquetekommission. Wir sehen es jedoch auch als notwendig an, im Ausschuss eine umfangreiche Diskussion auf Grundlage des Abschluss- berichts der Enquetekommission und des Landtagsberichts zum Gründerzentrum Biotechnologie zu führen. Trotzdem sind wir der Auffassung, dass es notwendig ist die Begleitforschung und ggf. Pro- duktion weiter zu stärken, um am Markt bestehen zu können und um die Chancen der Biotechnolo- gie für die Menschen nutzbar zu machen. Dort wo die Chancen für den Menschen höher einzu- schätzen sind als die Risiken muss man handeln und Schleswig-Holstein sollte dabei sein. Wir behalten jedoch unsere Forderung bei, dass verstärkte Kontrollen dringend notwendig sind. Die Enquetekommission macht am Ende ihres Berichtes folgende Empfehlung: „Das Land Schles- wig-Holstein sollte prüfen, auf welchem Weg eine Initiative zur Versachlichung des Diskurses über die Gentechnik ergriffen werden kann.“ Dies gilt meiner Meinung nach für die ganze Biotechnolo- gie.