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Minderheitenkongress 2000 in Sankelmark: "Es gibt noch Premieren"
D E R L A N D T A G SCHLESWIG HOLSTEIN M I T T E I L U N G E N117/2000 Kiel, 22. September 2000 Es gilt das gesprochene WortMinderheitenkongress 2000 in Sankelmark Landtagspräsident Heinz-Werner Arens: „Es gibt auch gegenwärtig noch Premieren“Kiel (SHL) – Heute beginnt um 10:00 Uhr in der Europäischen Akademie Sankelmark der Minderheitenkongress 2000. Die Tagung befasst sich mit der Frage: „Der deutsch-dänische Grenzraum – Modellregion für Deutschland?“. Mitveranstalter des Landtages sind das Euro- pean Centre for Minority Issues (ECMI) und die Akademie Sankelmark. Zu Beginn sagte Landtagspräsident Heinz-Werner Arens in seiner Begrüßung unter anderem:„Der heutige Minderheitenkongress befasst sich mit einer Frage, auf die eine simple Antwort nicht möglich ist. Selbst wenn wir heute am Abend einmütig feststellen sollten: „Ja, der deutsch-dänische Grenzraum ist eine Modellregion für Europa“, so entbindet uns diese Fest- stellung nicht der genauen Begründung. Zu klären sind nicht zuletzt die Voraussetzungen, die für ein friedliches Zusammenleben in der Grenzregion erforderlich waren und sind. Eine ganz wichtige Bedingung für friedliche Nachbarschaft ist zweifellos, dass die Grenze zwischen unseren Ländern seit 80 Jahren stabil geblieben ist. In diesen 80 Jahren hat es an Versuchen, doch noch Änderungen herbeizuführen, wahrlich nicht gefehlt. Jahrhundertelange Streitigkeiten wischt man eben nicht in wenigen Jahren weg. Aber all diesen Versuchen war letztendlich doch kein Erfolg beschieden. Die Ratio hat schließlich doch die Emotionen be- siegen können - oder, um es besser zu sagen, die Vernunft hat über die Unvernunft gesiegt und das ist gut so. Insofern konnte und kann sich die Grenzregion heute darauf konzentrieren, unsere gutnach- barschaftlichen Beziehungen zu pflegen und auszubauen. Das hört sich für die Jüngeren unter uns so selbstverständlich an. Dem ist aber keineswegs so. Es gibt auch gegenwärtig noch Premieren: Auf dem heute in Kiel beginnenden Schles- wig-Holstein-Tag werden sich erstmals die dänische und die deutsche Minderheit -2-gemeinsam an einem Stand präsentieren. Das hat es noch nicht gegeben. Daran zeigt sich, das unser Modell durchaus noch ausbaufähig und qualitativ steigerbar ist. Deutlich wird auch, dass man zur erfolgreichen Befriedung strittiger Grenzen einen langen Atem und den festen Willen zur Freundschaft braucht. Das dänische Volk hatte zumal nach den Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus allen Grund zu nachhaltigem Misstrauen. Bis heute zeigt sich immer wieder eine gewisse Besorgnis, als kleines Volk mit entsprechend besonderen Inte- ressen nicht gehört zu werden. Die Angst, von den Interessen der großen Staaten in der Eu- ropäischen Union überrollt zu werden, ist ein klar erkennbarer Aspekt bei der Debatte im Vorfeld der Volksabstimmung über den Euro in Dänemark. Hier kommen wieder Emotionen ins Spiel, die bei der Entscheidung eine große Rolle spielen werden. Das sind Ängste, die eine Staatengemeinschaft wie die Europäische Union ernst nehmen muss, wenn sie auf Dauer Bestand haben will. Die demokratische Qualität einer Staatengemeinschaft darf daran gemessen werden, wie mit den kleinsten ihrer Mitglieder umgegangen wird. Dieser Auffas- sung bin ich ausdrücklich. Das gilt übrigens auch nach innen: Der Umgang mit Minderheiten ist zweifellos ein qualitatives Merkmal für unser demokratisches Gemeinwesen. Der Artikel in unserer Landesverfassung ist dazu ein wichtiger Schritt gewesen. Ihn mit Leben zu füllen, ist seither eine tägliche Aufgabe der Landespolitik. Hierüber herrscht großer Konsens im Lan- desparlament, so dass die Voraussetzungen günstig sind. Nun aber noch einmal zurück zur Frage des Tages: Sind wir ein empfehlenswertes Modell für Europa? Wenn ich mir anschaue, was sich in Sachen Minderheitenpolitik in den letzten Jah- ren getan hat, so wage ich ein vorsichtiges “Ja”. Tagungen wie diese sind ein Beitrag dazu, dass aus dem Modell kein Ruhekissen wird. Überhaupt hat unser Expo-Projekt „Kulturen - Sprachen - Minderheiten“ mit seinen vielfältigen Aktivitäten dem Miteinander von Minderhei- ten und Mehrheit in unserem Lande neue Impulse gegeben. Wir alle wissen, dass gerade in Zeiten der Globalisierung regionale Identitätsbildung enorm wichtig ist. Die Menschen fühlen sich sonst verloren und sind verängstigt. Angst aber war niemals eine gute Ratgeberin. Und Haltlosigkeit führt zu Verwerfungen, die zu einer Gefahr für die Demokratie werden können. Unkenntnis ist eine wesentliche Voraussetzung für Vorurteile. Von Vorurteilen bis zur Stigma- tisierung ganzer Gruppen ist es nicht weit. Die Sinti und Roma haben in dieser Hinsicht in ihrer Geschichte sehr leidvolle Erfahrungen machen müssen und machen sie noch. Wir kön- nen solchen Prozessen der Ausgrenzung nur wirksam entgegenarbeiten, wenn wir informie- ren und aufklären. Das vor kurzem vorgestellte Lesebuch über die Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion ist ein hervorragendes Hilfsmittel dafür. Das gleiche gilt für die „Electronic Map“ im Internet, auf der erstmals über alle Minderheiten in Europa informiert wird. Auch das im nächsten Jahr anstehende Europäische Jahr der Sprachen ist wieder eine Gelegenheit, auf die vorhandenen Minderheitensprachen und -kulturen aufmerksam zu ma- chen. Es ist eine gute Möglichkeit, um neue Projekte - vielleicht auch wieder gemeinsame - ins Leben zu rufen. Insgesamt stellt die EU über 4 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Ich würde mich freuen, wenn von diesem Geld auch viele Projekte in Schleswig-Holstein profitieren würden.“Herausgegeben von der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, Postf. 71 21, 24171 Kiel, Tel. (0431) 988- Durchwahl App. -1163, -1121, -1120, -1117, -1116, Fax (0431) 988-1119 V.i.S.d.P. Dr. Joachim Köhler, Internet: http://www.sh-landtag.de - E-Mail: Joachim.Koehler@ltsh.landsh.de