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29.09.00 , 16:23 Uhr
FDP

Christel Aschmoneit-Lücke zu HDW

F.D.P. L a n d t a g s f r a k t i o n Schleswig-Holstein 1 Christian Albrecht Pressesprecher
V.i.S.d.P.


F.D.P. Fraktion im Nr. 211/2000 Schleswig- Holsteinischen Landtag Landeshaus, 24171 Kiel Kiel, Freitag, 29. September 2000 Postfach 7121 Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497 Sperrfrist: Redebeginn E - Mail: fraktion@fdp-sh.de Internet: http://www.fdp-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!
Christel Aschmoneit-Lücke zu HDW
„Die Schlagzeilen und Gerüchte über das weitere Schicksal der HDW, eines der größten Arbeitgeber in Schleswig-Holstein und des bedeutendsten Traditionsunternehmens in Kiel haben uns alle offenbar gleichermaßen schockiert.



Presseinformation Ich möchte mich deshalb ausdrücklich bei den Antragstellern dafür bedanken, dass sie dieses in der Tat dringliche Thema noch auf die Tagesordnung der laufenden Landtagssitzung gebracht haben.
Ich bedanke mich ebenso ausdrücklich bei dem Wirtschaftsminister, dass er uns so kurzfristig berichtet hat über den derzeitigen Stand der Entwicklung.
Das klare Bekenntnis aller politischen Kräfte dieses Hauses und der Landesregierung zum Erhalt der Universal-Werft, also auch der Sparte Handelsschiffbau, ist umso erfreulicher, als – wie wir alle wissen – diese Unterstützung für das Land durchaus auch knallharte finanzielle Folgen hat in Form der erheblichen Mittel für die Wettbewerbshilfe. – Ich werde auf diesen Aspekt zurückkommen.
Die Meldungen zu der Situation der Werften in Schleswig-Holstein waren bis vor kurzem ungewöhnlich positiv: Hohe Auslastung, volle Orderbücher, gesicherter Auftragsbestand für mehrere Jahre und sogar steigende Tendenz bei den Arbeitsplätzen.
Das hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben. Umso größer also das Entsetzen, dass dies alles offenbar nicht ausreicht. Es ist eben eine verdammt heikle Situation, wenn aufgrund der internationalen Wettbewerbsverzerrungen Aufträge hereingenommen werden, zu nicht kostendeckenden Preisen. Eine unternehmerische Gratwanderung, die nur gelingen kann, wenn absolut nichts schief geht. Und schief gegangen ist - nicht erst bei den Schnellfähren „Superfast“ - einiges. Das ist ein offenes Geheimnis. Ich werde mich im übrigen hüten, die diesbezüglichen Unternehmensentscheidungen zu kommentieren oder gar zu kritisieren. 2 Auch der Austausch des Vorstandes – so sehr man ihn persönlich bedauern oder allgemein begrüßen mag – ist eine unternehmensinterne Personalentscheidung, die zunächst einmal von der Politik nicht zu kommentieren ist.
Nach den gestrigen Erklärungen des neuen Vorstandes Lederer heißt es heute im Tenor der Berichterstattung: „Aufatmen bei HDW in Kiel“. Der Handelsschiffbau soll erhalten bleiben. Der neue Chef will sich persönlich um die schnelle Sanierung kümmern. Soweit so gut. Aufatmen und Optimismus – jedenfalls heute.
Trotzdem, meine Damen und Herren, angesichts der Erfahrungen und der skandalösen Umstände um die Pleite des Bremer Vulkan, ist es zwingend, dass wir uns mit den Hintergründen der Krise auseinandersetzen und vor allem rechtzeitig deutlich machen, wo die Interessen des Landes für die Zukunft liegen.
Natürlich haben wir ein massives Interesse daran, dass HDW in seiner jetzigen Form als Groß-Werft und Universal-Werft bestehen bleibt. Ein Wegbrechen des zivilen Schiffbaus hätte gravierende Folgen, nicht nur für HDW selbst, sondern für den gesamten deutschen Handelsschiffbau und für die kleinerer Werften in Schleswig-Holstein. Ganz zu schweigen von der Zulieferindustrie im gesamten Bundesgebiet. 3.000 Arbeitsplätze bei HDW selbst sind ein unabweisbares Argument. Aber nicht nur die Anzahl der Arbeitsplätze an sich, sondern die Qualität der Produkte spricht für den Erhalt.
Wir sind uns in diesem Hause immer darüber einig gewesen, dass es sich bei dem Schiffbau in Kiel um eine hoch moderne High-Tech-Industrie handelt. Nur diese Zukunftsfähigkeit hat immer wieder den Einsatz von erheblichen Landesmitteln für die Wettbewerbshilfe gerechtfertigt. Die F.D.P.-Fraktion hat sich stets mit Nachdruck und Erfolg dafür eingesetzt.
Die Landesregierung und der Landtag sind auch aus diesem Grunde in der erhöhter Verantwortung für das weitere Schicksal von HDW. Der neue Chef hat bei seinen Sanierungsplänen darauf hingewiesen, Handelsschiffbau könne auch profitabel betrieben werden. Sein Beispiel: Kostenreduzierung bei Blohm u. Voss. Auch die HDW haben übrigens in den letzten 10 Jahren erfolgreich rationalisiert und Kosten reduziert.
Das reicht offenbar nicht aus. Und mich würde schon interessieren, was unter schneller Sanierung zu verstehen ist. Wann und von wem wird die Entscheidung getroffen, ob weitere Sanierungsanstrengungen sich noch lohnen?
Herr Lederer hat aber auch sehr deutlich gemacht, wo die Interessen des Konzerns liegen. Ich darf aus der KN vom heutigen Tage zitieren: „Dass eine Mutter die Verwaltung von Eigenmitteln der Tochter an sich ziehe, sei unter Großkonzernen absolut üblich.“
Das ist sicherlich so, meine Damen und Herren, muss aber unsere Aufmerksamkeit schärfen.
Wir wünschen der HDW und dem neuen Vorstand bei der schnellen Sanierung viel Glück.
Aber lassen Sie uns ein wachsames Auge darauf halten, dass die Opfer der Arbeitnehmer- schaft und die mit großer Anstrengung aufgebrachten Mittel für die Wettbewerbshilfe nicht ausschließlich in die Gewinnmaximierung eines fernen Konzerngeflechtes fließen.
Sie dienen ausschließlich der Erhaltung des Schiffbaus und der Arbeitsplätze in Deutschland und Schleswig-Holstein.
Die Landesregierung mit ihrer bekannten Affinität zur West-LB ist hier besonders gefragt.

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