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Karl-Martin Hentschel: Den Ausstieg aus der Atomenergie gestalten
PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Sperrfrist: Redebeginn Claudia Jacob Es gilt das gesprochene Wort! Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 KielZu TOP 19 - Atomausstieg - Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 erklärt der Fraktionsvorsitzende von Telefax: 0431/988-1501 BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Mobil: 0172/541 83 53 Karl-Martin Hentschel E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 263.00 / 15.11.2000Den Ausstieg aus der Atomenergie gestaltenIch bin sehr, sehr froh, dass es gelungen ist, dass Deutschland als erstes großes Industrie- land aus dieser Technologie aussteigt und ich bin sicher, dass wir damit einen Weg be- schritten haben, auf dem uns in den kommenden Jahren alle anderen Staaten nach und nach folgen werden.Ich bedanke mich für den Bericht der Landesregierung, über den wir heute reden. Wie nicht anders zu erwarten, sind unsere Energieperspektiven sehr gut, das gilt für die Beschäfti- gungsauswirkungen, für die Entwicklung zukunftsfähiger Technologien und für den Klima- schutz.Allerdings sagt der Bericht auch klipp und klar: Für die Endlagerung des radioaktiven Mülls, insbesondere der Kernbrennstäbe mit Halbwertzeiten von über 20.000 Jahren, steht kein geeignetes Endlager zur Verfügung und auch keins in Aussicht.Für Schleswig-Holstein heißt das, nukleare Zwischenlager sind bis auf weiteres unabding- bar. Unabdingbar ist aber nicht, dass nun an allen drei Atommeilern in Schleswig-Holstein ein solches Zwischenlager errichtet werden muss.Wir streben an, dass an dem AKW Krümmel, wo die Menschen schon genug durch strah- lende Einrichtungen und ungeklärte Leukämiefälle betroffen sind, kein Zwischenlager ein- gerichtet wird, auch wenn wir wissen, dass Transporte durch die Großstadt Hamburg sehr schwierig sind und dass die Niedersachsen nicht erpicht darauf sind, unseren Müll abzu- nehmen. Für Brunsbüttel und Brokdorf dürfte auf jeden Fall ein Lager reichen. Nun haben die Betrei- ber für alle drei AKW´s Anträge beim Bundesamt für Strahlenschutz gestellt. Die Landesre- gierung entscheidet das zwar nicht, wird aber in ihrer Stellungnahme im Beteiligungsverfah- ren existenzielle Punkte ansprechen. Das sind: • die notwendige Zahl der Zwischenlager, ihre Größe und die maximale Lagerzeit, • die Erhöhung des Gefährdungspotentials für die Bevölkerung an den Standorten, • die Minimierung von gefährlichen Atommüll-Transporten .Das sind die Punkte, an denen sich die Politik meiner Fraktion orientieren wird und auf die wir achten werden im Interesse der Menschen, die noch für viele Jahre mit der Gefahr le- ben müssen.Eine weitere Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen, ist die nach dem Verlust von Ar- beitsplätzen. Hier können wir deutlich sagen: Bundesweit führt der Ausstieg zu einer Zu- nahme um ca. 25.000 Arbeitsplätze im Vergleich zu einer Fortsetzung der Nutzung der A- tomenergie. In Schleswig-Holstein sind die positiven Auswirkungen erheblich stärker. Schon jetzt beschäftigt die Windkraftbranche in Schleswig-Holstein doppelt soviel Men- schen wie alle drei Atomkraftwerke. Im Jahre 2010 werden in der Windkraftbranche in Schleswig-Holstein mehr Menschen arbeiten als auf den Werften.Die Arbeitsplätze in und an den Atomkraftwerken werden im Übringen nicht sofort ver- schwinden. Die Atomkraftwerke müssen auch noch Abschaltung weiterhin personell be- stückt sein, um die Sicherheit zu gewährleisten und der Rückbau der Anlagen dauert Jahre.Aber es stimmt auch, dass die neuen Arbeitsplätze nicht automatisch dort entstehen wer- den, wo alte verloren gehen. Deshalb erwarte ich von der Landesregierung eine Strategie, wie die lokalen Wirkungen gesteuert werden können. Für Brunsbüttel sehen wir beispiels- weise eine Zukunft als Energieknoten, wenn das Viking-Cabel für einen Stromaustausch zwischen Schleswig-Holstein und Norwegen bereitsteht und das Kabel auch den Strom aus großen Offshore-Windkraft-Anlagen in der Nordsee aufnimmt und transportiert.Ich bin mir sicher, dass Schleswig-Holstein auf dem Weg in die Energiezukunft gute Karten hat, die es auszuspielen gilt: Unsere Trümpfe heißen Windkraft, Solarenergie, Biomasse, Kraftwärmekopplung, Offshore-Technologie, Passivhaus, Energiesparen, Geothermie und schließlich auch Brennstoffzellen und Wasserstoff-Technologie.Schon heute geht in Schleswig-Holstein in diesen Themen die Post ab und der dauerhaft hohe Ölpreis zeigt deutlich an, wohin die Reise gehen wird. Deshalb sind wir gut ausgestat- tet für eine erfolgreiche wirtschaftliche und ökologische Energiepolitik! ***