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Jürgen Weber zu TOP 6 + 17: Förderung Gentechnologie
Sozialdemokratischer InformationsbriefLandtag Kiel, 16.11.00aktuell Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: RedebeginnJürgen Weber zu TOP 6 und 17:Gentechnologie“Mit dem Biotechnologie-Großlabor an der CAU wird eine einmütige Empfehlung der Enquêtekommission von 1999 realisiert: ein interdisziplinäres Zentrum und eine Kon- zentration von Ressourcen aus der Mikrobiologie, der Biochemie, der Biophysik und der Agrarwissenschaft. Auch 17 neue Bio-Tech-Unternehmen im Land unterstreichen das.Mit der MUL in Lübeck und mit Borstel haben wir zwei weitere Kompetenzzentren im Land. Ich bin sicher, dass der geplante neue Studiengang in Lübeck zur molekularen Biotechnologie sich dynamisch entwickeln wird.Wo liegen dabei die spezifischen Chancen und weiteren Perspektiven für unser Land ?1. In Schleswig-Holstein besitzen die Bereiche Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Ge- sundheit, Meer und Umwelt einen hohen Stellenwert. Und gerade das sind Sektoren, in denen Biotechnologie eine Menge zu leisten vermag.2. Eine weitere gute Basis für die nutzbringende Anwendung dieser Technologien be- steht in der Struktur der Wirtschaft im Land, insbesondere in der spezifische Entwick- lung der Branchen Medizintechnik, Nahrungsmittelherstellung und Umweltwirtschaft. Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-3. Ein drittes wichtiges Potenzial liegt in der Spannbreite unserer Hochschulen und Forschungseinrichtungen.Jede Entscheidung und jedes Handeln hinsichtlich der Förderung neuer Technologien setzt die Bewertung von Nutzen und Risiken voraus, umfassend, transparent, auf höchstem wissenschaftlichen Niveau und eingebunden in einen breiten gesellschaftli- chen Diskurs.Das Thema Biotechnologie ist bekanntlich vor allem deswegen ein Reiz- und Streit- thema, weil die Gentechnologie, - also die Analyse von Genomen, die gentechnische Veränderung von Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren und damit von Lebensmitteln, Gendiagnostik und -therapie u.v.m. - ein zentraler Bestandteil moderner Biotechnolo- gie geworden ist.Apokalyptische Horrorgemälde helfen ebenso wenig weiter wie vorsätzliche Gedan- kenlosigkeit. Die Beurteilung von Technikfolgen und der systematische Vergleich von Entwicklungsoptionen verlangen das gleiche wissenschaftliche Niveau wie Forschung und Entwicklung in der Biotechnologie selbst. Wir brauchen sie als Entscheidungshilfe für die Förderung von Forschung und Entwicklung des gesamten Spektrums der Bio- technologie.Nun ist das Prinzip der Technologiefolgenabschätzung (TA) nichts Neues: Bereits 1973 brachte die damalige CDU/CSU Opposition im Bundestag einen Gesetzentwurf zur Errichtung eines “Amtes zur Bewertung technologischer Entwicklungen ein. Erst 16 Jahre später, im Jahre 1989, wurde eine erste entsprechende Einrichtung in der BRD geschaffen.Heute haben wir eine Reihe von Institutionen, die im Bereich Gentechnik TA betreiben, z.B. am Wissenschaftszentrum Berlin, z.B. an der Akademie für TA in Baden- Würtemberg, z.B. an der Universität Hamburg. -3-Für Schleswig-Holstein bieten sich an: - Untersuchungen über die Zukunft der Landwirtschaft auch mit einem systemati- schen Vergleich unterschiedlicher Entwicklungsstrategien mit und ohne transgene Pflanzen, - oder auch Entwicklungsalternativen und Handlungsbedarf in der pränatalen und prädiktiven genetischen Diagnostik.Die Enquêtekommission “Chancen und Risiken der Gentechnologie” hat in ihrem Be- richt im letzten Jahr dem Landtag einstimmig empfohlen, an einer der Universitäten des Landes eine TA-Einheit einzurichten. Es ist nicht angeraten, so ohne weiteres der Schaffung neuer Einrichtungen das Wort zu reden. Wir bitten die Landesregierung da- her um eine Bestandsaufnahme vorhandener Projekte und Einzelforschungen im Land und um die Prüfung von Möglichkeiten der Kooperationen mit den norddeutschen Ländern.Die Bundesregierung stellt in den nächsten Jahren zusätzlich mehrere 100 Millionen DM für die Forschung im Bereich von Bio- und Gentechnologie zur Verfügung. Integ- rierter Bestandteil dieses Pakets sind Mittel für die begleitende Forschung zu ethi- schen, rechtlichen und sozialen Fragen der Genomforschung wie Aspekten der TA.Die fast vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms bietet zahlreiche neue Chancen für die Life Sciences. Alle gängigen Technologiestudien belegen, dass sich Innovationen sehr häufig an den Grenzbereichen verschiedener wissenschaftli- cher Disziplinen ergeben. Es muss künftig im Zentrum des Interesses stehen, inwie- weit die üblichen, auf Einzeldisziplinen begrenzten Betrachtungsweisen der zukünfti- gen Entwicklung überhaupt noch gerecht werden.Innovationen brauchen Diskurs! Im Mittelpunkt des Innovationsprozesses steht immer der Mensch, einerseits, weil er ihn selbst prägt und ausgestaltet, andererseits, weil die Zielrichtung des Innovationsprozesses auf ihn gerichtet ist – auf den Menschen als Verbraucher, als Anwender und als Nutzer. -4-Die Biotechnologie wird weltweit zum Strukturwandel beitragen. Neue Märkte, neue Produkte und internationale Arbeitsteilung bieten auch Chancen, die wir nutzen müs- sen.”