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Gender Mainstreaming schnell und konsequent umsetzen
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82PRESSEINFORMATION SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74 D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 16.11.2000 Es gilt das gesprochene Wort Silke Hinrichsen:TOP 15 Gender Mainstreaming (Drs. 15/521)Ich weiß nicht, wie viele von uns sich an die 4. UNO Weltfrauenkonferenz 1995 in Pekingerinnern. Vermutlich niemand. Es war eine dieser vielen Veranstaltungen auf internationalerEbene, von der viele denken, „schade das nicht mehr dabei herausgekommen ist“. Bei ebendieser Konferenz ist das Konzept des Gender Mainstreaming entwickelt worden. Heuteerhalten alle Kolleginnen und Kollegen also die Chance, dafür zu sorgen, dass die UNO-Konferenz in China doch etwas gebracht hat.Das Ziel des Gender Mainstreaming ist die Gleichstellung der Geschlechter. Über dierechtliche Gleichstellung hinaus geht es darum, für Frauen und Männer faktisch eine gleicheTeilhabe an politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen zu erreichen. DieGeschlechter sollen sich neu positionieren, mit neuen Möglichkeiten und neuenVerantwortlichkeiten. Frauen sollen familiäre Macht abgeben und sich mehr öffentlicheMacht aneignen. Männer sollen mehr öffentliche Macht abgeben und mehr auf der familiärenEbene erscheinen. Es soll eine gesellschaftliche neue Aufbruchstimmung geschaffen werden,in der sich nicht mehr allein die Frauen, sondern auch die Männer bewegen. Sie müssenakzeptieren, dass Frauen sich nicht üblicherweise männlich geprägten Lebensplanungenanschließen. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Um zu zeigen, wie wichtig es ist, dass wir auch in Schleswig-Holstein endlich mit derUmsetzung dieses international akzeptierten Konzepts beginnen, möchte ich gern noch einmalauf die Geschichte des Gender Mainstreaming eingehen. Sie macht nämlich deutlich, dassjetzt und heute erhebliche Anstrengungen erforderlich sind.Der Gender Mainstreaming-Ansatz in der Gleichstellung begann sich bereits 1994 imEuroparat zu entwickeln. Er setzte einen Ausschuss ein, der für Maßnahmen zur Förderungder Gleichstellung von Männern und Frauen zuständig war und die Verpflichtung hatte mitallen Ausschüssen zusammenzuarbeiten. Auch in Schweden wurde bereits an einem solchenAnsatz gearbeitet. Das Konzept wurde dann durch die Pekinger Konferenz auch von der UNOselbst in die tägliche Arbeit übernommen. Das Gender Mainstreaming wurde obligatorischerTagesordnungspunkt wurde und der Generalsekretär unterliegt einer Berichtspflicht.Das Thema kam in Europa bei der EU wieder neu auf die Tagesordnung, als 1997 eineArbeitsgruppe der Europäischen Kommission ein Strategiepapier zur konkreten Umsetzungdes Gender Mainstreaming entwickelte. Es wurde folgend ein Berichtswesen für alle Dienst-stellen eingeführt und jeweils hierfür Beauftragte benannt. Das EU Parlament unterstützedieses und 1998 wurde durch die Kommission der erste Bericht vorgelegt. Die Kommissionveröffentlicht nunmehr jährlich einen Bericht, in dem der Umsetzungsstand und konkreteMaßnahmen zu Gender Mainstreaming dargestellt werden. Der Abschlußbericht der Arbeits-gruppe des Europarates wurde 1998 vorgelegt. Seit diesem Zeitpunkt wird auch hier jährlichein Bericht über die Gleichstellung der Geschlechter vorgelegt.Im Vertrag von Amsterdam wurden 1998 in Artikel 2 und 3 die Rechtsgrundlagen hierfürfestgeschrieben. Die EU erhielt neue Befugnisse für die Verwirklichung der Gleichstellung -unter Berücksichtigung der klassischen Förderpolitik und des Gender Mainstreaming.In vielen Ländern sind Fortschritte seit der UNO-Weltkonferenz in Peking eingetreten. Diegleiche Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft wird von vielen als Voraussetzung für eine Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de tragbare wirtschaftliche, soziale und demokratische Entwicklung gesehen. Die PekingerKonferenz setzte hier einen Anstoß im Aufbau von Methoden und Institutionen zur Förderungder Gleichstellung und es begann der Weg von der alleinigen Gewichtung der Frauen-perspektive hin zu einer Geschlechterperspektive.Sie sehen also, dass es allerhöchste Zeit war, als die Bundesrepublik Deutschland erst 1999begann, das Prinzip des Gender Mainstreaming als Querschnittsaufgabe anzuerkennen. Eswurde auch hier eine Arbeitsgruppe installiert, die erstmalig im Mai 2000 tagte. DieBundesregierung hat also vor einem halben Jahr endlich begonnen, das umzusetzen, was 1995in China beschlossen wurde.In Schleswig- Holstein beginnen wir jetzt - mit diesem Antrag - diese Aufgabe zukünftigauch hier umzusetzen, als Ergänzung und Bereicherung der klassischen Gleichstellungs-politik. Es wird Zeit!Gender Mainstreaming muss in allen Köpfen eine Selbstverständlichkeit werden. Dazu ist derpolitische Wille erforderlich, der hoffentlich heute dokumentiert wird, und ein sichtbaresEngagement aller Führungsebenen.Nur durch dieses breite Engagement, lässt sich das ambitionierte Projekt Gender Mainstrea-ming umsetzen, denn es verlangt uns viel ab. Voraussetzungen des Mainstreaming sind zumBeispiel, dass die Erhebung und Auswertung von Daten zukünftig eindeutig geschlechter-spezifisch erfolgt, da nur so eine ausreichende Grundlage für die Geschlechterpolitik besteht.Dass es eine umfassende Sach- und Fachkenntnis über Gleichstellung gibt, und diese zumWissensgebiet erklärt werden. Dass es ein Fortbildungsangebot für Führungskräfte gibt - undwohl auch für uns Abgeordnete. Und dass zukünftig die Parität der Geschlechter alswesentlicher Aspekt geachtet wird. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Zentral ist auch, dass das Gender Mainstreaming eine Ergänzung des bisherigen Politik ist.Unabhängig vom umfangreichen Arbeitsprogramm bleibt die traditionelle Frauen- undGleichstellungspolitik weiterhin unverzichtbar.Für die Umsetzung, über die uns zukünftig die Landesregierung berichten wird, müssen dieEckpunkte des Gender Mainstreamings festgehalten und direkt auf Schleswig-Holstein ange-wendet werden. Da insbesondere im Ausland schon Erfahrungen mit diesen Eckpunktengemacht worden sind, sollten diese einbezogen werden. Einer der zentralen Punkte ist, dassdie Ministerpräsidentin ein großes Engagement zeigen muss, um diesen Prozess in Gang zusetzen. Sie muss klare Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten benennen. Der Erfolg desGender Mainstreaming hängt ganz entscheidend von der leitungsnahen Ansiedelung diesesProjekts als Querschnittsaufgabe an. Wichtig ist auch der Aufbau von Kontrollmechanismen.Und nicht zuletzt ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, überhaupt erst in Schleswig-Holstein mit dem Gender Mainstreaming anzufangen, dass für die vielen HandlungsfelderGeld zur Verfügung gestellt wird, um Fortbildung, Erhebungen und personellen Einsatz zufinanzieren.Wir stehen also vor einer großen Herausforderung, die uns von der internationalenGemeinschaft auferlegt ist, und die ein gemeinsames Handeln aller in diesem Haus fordert. Esist klar, dass das Umdenken Zeit kostet. Es geht bestimmt nicht schnell. Deshalb ist es geradewichtig, erste Schritte einzuleiten und durch zeitliche Vorgaben – wie bei der Agenda 21 –wirklich einzelne Projekte innerhalb einer bestimmten Zeit durchzusetzen.Wir bedauern, dass die Antragstellerinnen von ihrem ursprünglichen Antrag abgerückt sind.Deshalb bitte wir um Zustimmung zu unserem Änderungsantrag. Wir brauchen ein solidesBerichtswesen, um eine verlässliche Grundlage zu haben. Es stünde uns auch gut an, imGegensatz zum Bund schnell zu sein. Ich erwarte, dass bereits im 1. Bericht mindestens ersteSchritte skizziert werden und dieses auch Schritte sind, die in überschaubaren Zeiträumenumgesetzt werden. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de