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Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82PRESSEINFORMATION SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74 D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 15.12.2000 Es gilt das gesprochene Wort Anke Spoorendonk:TOP 16 Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe (Drs. 15/567)In den letzten Wochen und Monaten haben wir in Verbindung mit einer Reihe vonsozialen Problemen festgestellt, dass nur durch eine bessere Verzahnung von Schuleund Jugendhilfe die effektive Bearbeitung von bestimmten Problemen möglich ist. Seies nun der Rechtsextremismus, das verhältnismäßig geringere Problem desSchuleschwänzens oder Probleme der Migrantenkinder: Nur wenn Pädagogen undSozialpädagogen gemeinsam vorgehen, lassen sich bestimmte Probleme der Kinderund Jugendlichen erfolgversprechend angehen.Bisher war Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe vor allem dann indiziert,wenn es um die Lösung konkreter Probleme bei konkreten Jugendlichen ging. DieKooperation von Schule und Jugendhilfe ist mit anderen Worten lange einzelfall-bezogen gewesen. Noch 1996 hat die damalige Bildungsministerin Empfehlungen fürdie Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe herausgegeben, die ausschließlichauf ein gemeinsames Vorgehen im Umgang mit konkreten Personen Bezug nimmt.Über vorbeugende Kooperationsprojekte, die nicht von vornherein auf bestimmteIndividuen abzielen, wird dort noch kein Wort verloren. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Nun ist es aber weder sinnvoll noch besonders erfolgversprechend, wenn Lehrer undSozialpädagogen erst eingreifen, wenn massive Probleme bei Kindern undJugendlichen bereits vorhanden sind. Daher ist in den letzten Jahren die Einsichtgewachsen, dass man gemeinsam sehr früh tätig werden muss.Wie der Antrag ganz richtig feststellt, lässt sich durch eine solche Zusammenarbeitviel besser und ganzheitlicher präventiv arbeiten. Dabei sollen Schule und Jugendhilfeeinander nicht ersetzen, aber mit Vorteil ergänzen. Damit lassen sich Aufgabenbewältigen, die beide jede für sich nicht erledigen können.In den letzten Jahren sind in Schleswig-Holstein eine ganze Reihe solcher Projekteeingerichtet worden, in denen die Zusammenarbeit von Jugendhilfe bereits gelebtwird. In Flensburg zum Beispiel hat man in sozialen Brennpunkten diese Zusammen-arbeit suchen müssen, um Probleme der Schülerinnen und Schüler anzugehen. Dabeihat sich gezeigt, dass man gleichzeitig anstreben kann, die Probleme von Gruppen zubearbeiten bzw. zu vermeiden, und gleichzeitig auch die einzelfallbezogene Hilfeverbessern kann. Lehrerinnen und Lehrer erkennen früh die Probleme und könnenBetreuung und Hilfe auch außerhalb der Schulzeit veranlassen Die Rückmeldung ausdiesen Projekten ist positiv.Wir können deshalb nur begrüßen, wenn jetzt vorgeschlagen wird, diese Projekte zuevaluieren, Qualitätskriterien zu entwickeln und die Kooperation von Schule undJugendhilfe auf ein rechtlich, finanziell und organisatorisch solides Fundament zustellen. Auch die Idee eines Handlungsleitfadens ist gut. So können die bisherigen Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Erfahrungen aufgegriffen werden, und eine wertvolle Basis für neue und bestehendeProjekte bilden. Es sagt sich selbst, dass die Initiierung und Umsetzung solcherProjekte wesentlich erleichtert wird, wenn man nicht selbst den Stein der Weisenfinden muss.Es gibt in dem vorliegenden Antrag allerdings auch Punkte, die wir skeptisch sehen,und die diskutiert werden müssen. Dazu gehören vor allem Fragen der Ressourcen-verteilung. Die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe ist ein neuer Aspekt, derdie bisherige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ergänzt. Es kann nicht darumgehen, Mittel vom einen in den anderen Bereich umzuverteilen. Die originärenAufgaben der Schulen und der Jugendhilfe bleiben erhalten; beide Bereichebekommen nur zusätzliche Aufgaben. Deshalb sehen wir es kritisch, dass überprüftwerden soll, inwieweit Stundenkontingente der Schulen in sozialpädagogische Anteileumgewidmet werden können. Dieses gilt umso mehr, als beide Seiten in dereinleitenden Phase zusätzliche Zeit brauchen werden, um die Kooperation vorzu-bereiten und umzusetzen.Sicherlich können wir alle hoffen, dass sich durch die Zusammenarbeit von Schuleund Jugendhilfe auch neue Energien entfalten lassen, so dass der zusätzlichRessourcenaufwand begrenzt werden kann. Es wäre aber blauäugig zu glauben, dasssich solche Synergieeffekte schnell erzielen lassen. Wir müssen uns vorerst daraufeinstellen, dass mehr Qualität nicht ohne mehr Mitteleinsatz zu erreichen ist. Jetzt denBeteiligten neue Aufgaben aufzuerlegen, ohne dem auch eine materielle Unterstützungfolgen zu lassen, wird kaum zum Erfolg führen. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Dass gerade die finanzielle Abgrenzung ein Stolperstein ist, davon zeugen auch diebisherigen Erfahrungen aus den Projekten. Es gibt Koordinierungsprobleme, aber dasist nur natürlich, wenn zwei gewachsene, selbständige Bereiche plötzlich zusammenarbeiten müssen. Trotz aller Kooperationsbemühungen ist deshalb eine klare Abgren-zung der Kompetenzen und Finanzmittel erforderlich. Wenn dieses nicht frühzeitigerledigt wird, treten Konflikte auf, die der Zusammenarbeit sicherlich nicht dienlichsind. Wir haben es hier trotz allem mit unterschiedlichen Interessenlagen zu tun, diesich nicht einfach unter einen Hut bringen lassen. Die Strukturen müssen daher vonvornherein so eingerichtet werden, dass schädliche Interessenkonflikte nicht auftretenkönnen.Trotz dieser Bedenken in Bezug auf konkrete Punkte des Antrages sind wir aber derÜberzeugung, dass die Grundlagen des Antrages richtig sind. Durch eine verbesserteZusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe können pädagogische Leistungenerbracht werden, die bei der bisherigen traditionellen Trennung nicht erreichbar sind.Diese Leistungen gehen weit über die im ursprünglichen CDU-Änderungsantraggenannten Betreuungsleistungen hinaus. Es geht hier darum, einen aktiven Beitrag zurVorbeugung und zur frühzeitigen pädagogischen Intervention in soziale Probleme zuleisten. Ich freie mich deshalb Dieser Aspekt wird jetzt glücklicherweise von allenFraktionen im gemeinsamen Antrag anerkannt. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de