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Bundeswehrabbau: Bund und Land dürfen strukturschwache Regionen jetzt nicht in Stich lassen!
PRESSEINFORMATION Kiel, den 21.02.2001 Es gilt das gesprochene WortTOP 4.u.9: Bundeswehrstrukturreform und Bericht über den Abbau öffentlicher Arbeitsplätze (Drs. 15/714;15/722)Anke Spoorendonk: „Bund und Land dürfen strukturschwache Regionen jetzt nicht im Stich lassen“Jetzt ist es also amtlich. Durch die Bundeswehrstrukturreform von BundesverteidigungsministerRudolf Scharping wird die Anzahl der Dienstposten in Schleswig-Holstein um über 6.000 reduziert- von knapp 45.000 auf zirka 39.000. Auch wenn ein Dienstposten nicht immer mit einenArbeitsplatz gleichzusetzen ist, geht es dennoch um einen Verlust von Tausenden vonArbeitsplätzen in unserem Land.Obwohl Schleswig-Holstein mit einer Reduzierung von 12% der Dienstposten unter demBundesdurchschnitt von 17% liegt, trifft es die betroffenen Standorte dennoch hart. Auch da vieleStandorte immer noch mit den Folgen der Rühe-Reform von 1995, wo fast ein Drittel allerBundeswehrarbeitsplätze hier im Lande abgebaut wurden, zu kämpfen haben.Der SSW bedauert und kritisiert die Entscheidung von Bundesverteidigungsminister Scharpingsehr. Aus Sicht des SSW hätten bei der endgültigen Standortentscheidung neben denmilitärpolitischen Erwägungen die regionalpolitischen Aspekte und anderen Faktoren wiebeispielsweise der Katastrophenschutz eine grössere Rolle spielen müssen.Wir bedanken uns für den Einsatz von Ministerpräsidentin Heide Simonis und Innenminister KlausBuß, die sich in Berlin dafür stark gemacht haben, dass so viele Standorte wie möglich in 2Schleswig-Holstein erhalten bleiben. Wir zweifeln aber daran, ob sich dasBundesverteidungsministerium überhaupt ernsthaft mit der Stellungnahme der Landesregierungbeschäftigt hat. Wie kann man sich in nur zwei Tagen detailliert mit den - aus unserer Sicht - sehrvernünftigen und sachlichen Argumenten der Schleswig-Holsteinischen Landesregierungbeschäftigen. Diese Vorgehendsweise lässt erahnen, dass die Entscheidung schon lange im vorausgefällt war. Dazu kommt eine schlechte Informationspolitik des Ministeriums, die zu erheblicherVerunsicherung und Verärgerung bei den Betroffenen beigetragen hat. Es gab immer wieder neueGerüchte und Einzelheiten des Konzeptes wurden nur schleppend übermittelt. Selbst bis zumheutigen Tage sind noch nicht alle Details der Bundeswehrstrukturreform, die Schleswig-Holsteinbetreffen, endgültig klar.Fest steht aber, dass im Landesteil Schleswig neben den Schliessungen derMarineversorgungsschule in List und den Standortverwaltungen in Leck, Westerland und Tarpinsbesondere auch der Bundeswehrstandort Schleswig betroffen ist. Durch den Abzug desPionierbataillon 620 wird in Schleswig die Anzahl der Dienstposten von 1329 auf 190 reduziert.Dagegen können die Standorte in Husum und Seeth mit einem Zuwachs an Dienststellen rechnen. InFlensburg wird Bundeswehrfachschule mit ihren 230 Dienstposten geschlossen. Dafür soll aber dieMarinefernmeldeschule zum Bundeswehrausbildungszentrum ausgebaut werden. Von knapp 100Dienstposten und 300 Lehrgangteilnehmer ist die Rede.Insbesondere die Schließung von List und die Reduzierung des Bundeswehrstandortes Schleswigsind ein harter Schlag für die betroffenen Standorte. Schließlich betrifft der Abzug desPionierbataillon in Schleswig jeden 9. Sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz mit einergeschätzten Kaufkraft von 30 Mio. DM. Auch die Gemeinde List ist bedingt durch die Insellagebesonders hart von einer Schliessung betroffen. 2 3Gerade in den strukturschwachen Regionen - wie dem Landesteil Schleswig - fällt dieserArbeitsplatzverlust und der damit verbundene Kaufkraftverlust besonders ins Gewicht. DerSSW hatte sich deshalb gerade für den Erhalt dieser beiden Standorte eingesetzt.Aus Sicht des SSW geht es jetzt darum, die negativen Auswirkungen des Bundeswehrabbaus sosozialverträglich und vernünftig wie möglich umzusetzen. Der SSW fordert daher:1. einen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten:Insbesondere beim Zivilpersonal sollten soziale Härten vermieden werden.2. faire Bedingungen für die Kommunen bei der Übernahme der Liegenschaften:In diesen Zusammenhang muss das Motto: „Entwicklungskonzepte vor Verkauf“ gelten. Das heisst,dass der Verkauf der Liegenschaften in enger Absprache mit den Kommunen vorgenommen werdenmuss. Es muss zur Lösungen kommen, die Rücksicht auf die Gegebenheiten undEntwicklungsmöglichkeiten vor Ort nimmt und nicht nur auf die Erlösmöglichkeiten desBundesverteidigungsministerium.3. ein Konversionsprogramm des Bundes:Der SSW begrüßt zwar, dass die Landesregierung durch eigene Programme wie „Zukunft auf demLande“ (Zal) oder dem „Regionalprogramm 2000“ - die zum Landesprogramm „Zukunft imeigenen Land (ziel) gehören - die schlimmsten Folgen für die betroffenen Regionen auffangen will.„ziel“ kann aber nicht für alles herhalten und ist ja auch schon bei den Folgen der BSE-Krise imGespräch als Lückenbüßer. Dieses Programm soll gezielt für die Föderung von neuen undinnovativen Arbeitsplätze eingesetzt werden; es ist für diese Situation eigentlich nicht vorgesehen.Wir brauchen deshalb über „ziel“ hinaus zusätzliche Investitionen, um den Bundeswehrabbauaufzufangen. Daher muss die Bundesregierung ein umfassendes Konversionsprogramm auf legen.Wir unterstützen deshalb auch den vorgelegten Entschließungsantrag in dieser Frage. 3 44. bei zukünftigen Strukturausgleichmaßnahmen von Bund und Land für die betroffenenStandorte, muss auch der Abbau von anderen öffentlichen Arbeitsplätzen miteinbezogenwerden:Gleichzeitig mit den Bundeswehrreformen von 1995 und 2001 wurden im Zuge derVerwaltungsreformen von Bund und Land weitere öffentliche Arbeitsplätze abgebaut. So ist es inden letzten Jahren zu einer ganzen Reihe von Schließungen, Zusammenlegungen, Verlegungen oderReduzierungen von Bundes- und Landesbehörden gekommen. Weitere Schließungen oderZusammenlegungen etwa bei den Landeskatasterämtern, den Landesbezirkskassen, denStraßenmeistereien, beim Bundesgrenzschutz, den Hauptzollämtern, der Bundesstelle fürFernmeldestatistik und den Bundesvermögensverwaltungen sind entweder in Planung oder bereitsvollzogen worden.Das Beispiel der kreisfreien Stadt Flensburg, wo seit 1991 nicht nur ein Rückgang von 5.700Soldaten und 1.000 Zivilbeschäftigten der Bundeswehr zu verzeichnen ist, sondern auch derBundesgrenzschutz reduziert wurde, zeigt die Problematik. Denn trotz Motorola und einerReduzierung der Arbeitslosigkeit hat sich Flensburg immer noch nicht ganz von massivenArbeitsplatzabbau von Bundeswehr- und Marine erholt hat. Aktuell sind auch das Hauptzollamt,das Bundesvermögensamt und die Straßenmeisterei in Flensburg in Gefahr, geschlossen zu werden.Bei solchen Fakten darf man sich nicht wundern, wenn der Eindruck entsteht, dass sich Bund undLand weitgehend als öffentliche Arbeitgeber aus dem Landesteil herausziehen wollen.Auch wenn man den sogenannten schlanken Staat haben möchte: Es bleibt dabei, dass Land undBund bei der Durchführung ihrer Verwaltungsreformen eine besondere Verantwortung denstrukturschwachen Regionen gegenüber haben. Der Berichtsantrag des SSW über den „Abbauöffentlicher Arbeitsplätze“ in Schleswig-Holstein soll zum einen darüber Aufschluss geben, ob undwie Bund und Land seit 1990 dieser Verantwortung gerecht geworden sind. Und zum anderen solldieser Bericht dazu dienen eine Übersicht über die Kommunen und Standorte zu geben, die 4 5besonders hart vom Abbau öffentlicher Arbeitsplätze betroffen sind und noch getroffen werden. Wirhoffen, dass diese Daten dann in Zukunft bei den Strukturausgleichsmaßnahmen von Bund undLand entsprechend berücksichtigt werden.In diesen Zusammenhang begrüßen wir, dass die Landesregierung jetzt schnellst möglichst zu einerKonferenz mit den betroffenen Kommunen über zukünftige Konversionsmaßnahmen einladen will. 5