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Jürgen Weber zu TOP 10: Errichtung eines zentralen Wirtschaftsarchivs
Sozialdemokratischer InformationsbriefLandtag Kiel, 21.02.2001aktuell Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: RedebeginnJürgen Weber zu TOP 10:Errichtung eines zentralen WirtschaftsarchivsEin zentrales Wirtschaftsarchiv für Schleswig-Holstein wäre wünschenswert. Forscher beklagen die spärliche Materiallage für wissenschaftliche Arbeit; auch gehen wichtige Überlieferungen verloren, weil sich in vielen Firmen niemand um die fachliche Archivie- rung kümmert und Unterlagen lieber vernichtet als abgegeben werden.Einige Rahmenbedingungen für eine wissenschaftliche Auffangstelle für Archivalien der Wirtschaft müssen beachtet werden: 1. Jedes Archiv kann Archivgut aus der privaten Wirtschaft nur auf freiwilliger Ba- sis erhalten. Es bedarf also der Einsicht in den Nutzen und der Verantwortung bei den Unternehmen, ihre Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Beides ist bei uns bei weitem noch nicht in dem notwendigen Maße ausgeprägt. 2. Es bedarf eines Engagements der Verbände, vor allem der Kammern. Die ältes- ten und traditionsreichsten Wirtschaftsarchive in Deutschland – übrigens alle- samt in den klassischen Industrieregionen entstanden – sind Gründungen der Industrie- und Handelskammern. 3. Schon jetzt gibt es verschiedene Archive mit durchaus nennenswerten Bestän- den aus dem Wirtschaftsbereich, so z.B. in Flensburg und Lübeck. Eine zentra- Schleswig- HolsteinHerausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2- le Erfassung kann nur gelingen, wenn alle in Frage kommenden Partner dies wollen und – das sei hinzugefügt – wenn sie auch das Geld dafür in die Hand nehmen.Ein zentrales Wirtschaftsarchiv wird sich am Prinzip orientieren müssen: so viel Freiheit von Staat wie möglich, gleichzeitig so viel fachliche Hilfestellung vom staatlichen Archivwesen wie nötig, d.h. Eigenverantwortung der Wirtschaft und ihrer Kammern über eine eigenständige Trägerschaft in Kooperation mit vorhandenen Ar- chivstrukturen.Wenn Privatpersonen oder Firmen Unterlagen aus der Hand geben, die natürlich oft- mals sensible Bereiche berühren, ist ein besonderes Vertrauensverhältnis dringend geboten. Auch deswegen bieten sich zuallererst die Kammern an, denen Unterneh- men die Verwahrung ihrer Archivalien anvertrauen könnten. Aber auch hier warne ich vor zu großem Optimismus.Es geht an den Realitäten vorbei, wenn man annimmt, die Dokumentation der Zwangsarbeit in Schleswig-Holstein wäre einfacher gewesen, wenn es ein solches Ar- chiv gäbe, denn welches Unternehmen würde schon Unterlagen, die es belasten, frei- willig an eine solche Einrichtung abgeben, wenn es befürchten müsste, für sein frühe- res Verhalten wirtschaftliche Konsequenzen übernehmen zu müssen.Ein Hauptproblem mögen die Finanzen sein. Eine vermutlich noch gewichtigere Auf- gabe besteht darin, die Überzeugung zu wecken, dass das Wissen um wirtschaftge- schichtliche Entwicklungen nicht nur das Selbstverständnis der Wirtschaft im Lande prägt, sondern auch ein Baustein für wirtschaftliches Handeln heute sein kann. Auf der anderen Seite gibt es das berechtigte und notwendige Interesse der Fachwissenschaft wie der Öffentlichkeit, mehr über soziale und ökonomische Entwicklungen in der Regi- on zu wissen. Über dieses Interesse sollten wir im Ausschuss konstruktiv verhandeln.