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Bürgerbeauftragten-Posten nicht partei-politisieren
Südschleswigscher Wählerverband Schleswig-Holsteinischer Landtag im Schleswig-Holsteinischen Landtag Düsternbrooker Weg 70 D - 24105 Kiel Tel. (0431) 988 13 80 Fax (0431) 988 13 82 SSW-Landtagsvertretung Norderstr. 74 PRESSEINFORMATION D – 24939 Flensburg Tel. (0461) 14 40 83 00 Fax (0461) 14 40 83 05 Kiel, d. 23.03.2001 Silke Hinrichsen Es gilt das gesprochene WortTOP 25 16. Tätigkeitsbericht der Bürgerbeauftragten (Drs. 15/780)Ich muss gestehen, dass mich der vorliegende Bericht der Bürgerbeauftragten wiederbetroffen gemacht hat. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig unsere moderne Gesetz-gebung und Verwaltung in der Lage ist, auf die aktuellen Bedürfnisse einzelner Bürgerinnenund Bürger einzugehen. Es ist Aufgabe der Bürgerbeauftragten, Menschen zu helfen, die inunserem System nicht ausreichend berücksichtigt und gerecht behandelt werden. Die vielenBeispiele machen wieder einmal deutlich, wie wichtig diese Arbeit ist. Die Bürgerbeauftragtegibt uns als Parlament wieder viele Anregungen, die nicht hier angesprochen werden können.Und deshalb bleibt auch mir nichts anderes übrig, als aus den exemplarischen Beispielen einBeispiel auszuwählen.Eine Anregung der Bürgerbeauftragten möchte ich aber aufgreifen: Wir meinen dass die Ideeerwägenswert ist, die Eltern als Anspruchsberechtigte im Sinne des § 25 a Kindertagesstätten-gesetz zu machen. Damit würden die Probleme der Finanzierung von Kindergartenkindernüber Gemeindegrenzen hinweg gelöst.Vielleicht sollten wir hier sogar einmal weiter denken: Man könnte den Eltern auch generelldie Zuschüsse für die Kinderbetreuung zusprechen. Dann könnten sie allgemein freierwählen, welche Form und Leistungen der Kinderbetreuung sie in Anspruch nehmen. In dieser Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Frage würde sich wieder einmal ein Blick nach Dänemark lohnen, wo man mancherortssolche Konten der Kinderbetreuung eingeführt hat. Die Eltern entscheiden dort selbst, ob sieeine Kindertagesstätte oder eine Tagesmutter in Anspruch nehmen oder ob sie die Kinder garselbst zu Hause betreuen und dafür den öffentlichen Zuschuss bekommen. Mir ist klar, dassein solches Modell auch erhebliche Nachteile haben kann. Wir sollten uns aber zumindesteinmal seriös mit einer derartigen Lösung beschäftigen, weil sich bei einer guten Umsetzungauch eine ganze Reihe von Problemen vermeiden ließe. Der vorliegende Tätigkeitsberichtmacht auf jeden Fall wieder einmal deutlich, dass gerade die Familien zu den Bürgerinnenund Bürgern gehören, denen wir das Leben noch viel leichter machen müssen.Der Bericht der Bürgerbeauftragten macht auch wieder deutlich, wie weit wir im Land mitdem Projekt bürgerfreundliche Verwaltung sind. Es entsteht viel zu häufig noch der Eindruck,dass es darum geht, die Verwaltungen von den Bürgerinnen und Bürgern zu schützen.Offensichtlich wird vielfach die Parole ausgegeben, dass die öffentlichen Kassen vor dengierigen Griffen der Bürger geschützt werden müssten – auch wenn es um rechtmässigeAnsprüche geht. Wir sind ganz offensichtlich noch weit davon entfernt, dass Verwaltungennicht vorrangig Staatsdiener sind, sondern in erster Linie der Bevölkerung dienen. Sie sind daum das gesellschaftliche Zusammenleben zu ermöglichen und politisch festgelegte Ansprüchezu erfüllen. Die neue Bürgerfreundlichkeit, die nicht zuletzt im Zuge der Verwaltungs-modernisierung und neuer Steuerungsmodelle allenthalben propagiert worden ist, scheintnoch immer ein theoretisches Konzept zu sein. Ich erwarte aber, dass die Verwaltungen imLand den Bürgerinnen und Bürgern zu ihren verbrieften Rechten verhelfen und diese beratensollten, und nicht die Erfüllung von rechtmäßigen Ansprüchen verhindern. Das ist dasmindeste. Ich weiss, dass die meisten Verwaltungen ihre Arbeit gewissenhaft und richtigerfüllen. Die Bürgerbeauftragte zeigt uns aber, dass es immer noch reichlich Ausnahmen gibt.Angesichts der vorliegenden Bilanz und der hervorragenden Bestandsaufnahme nochbestehender Probleme fällt es wirklich schwer zu verstehen, weshalb CDU und FDP regel- Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de mäßig im Rahmen der Haushaltsberatung die Abschaffung der Bürgerbeauftragten fordern. Eskann nur so sein, dass den Haushältern von CDU und FDP jedes Jahr bei ihrer panischenSuche nach Gegenfinanzierungsvorschlägen vergessen, was in den Tätigkeitsberichten derBürgerbeauftragten steht. Anders ist das gar nicht zu erklären, denn jede Zeile desvorliegenden Berichts liest sich wie eine „unbefristete Aufenthaltsgenehmigung“ für dieBürgerbeauftragte.Es kann gar keinen Zweifel geben, dass wir in Schleswig-Holstein eine Person brauchen, diesich gegenüber den Verwaltungen und dem Parlament für die Interessen der Bürgerinnen undBürger stark macht. Wir erwarten, dass die Arbeit der Bürgerbeauftragten jetzt in vollemUmfang weitergeführt wird. Wir fordern sogar, dass die Institution der Bürgerbeauftragten fürsoziale Angelegenheiten in Schleswig-Holstein an dem rheinland-pfälzischen Bürger-beauftragten-Modell ausgerichtet wird, das auch der skandinavischen Institution desOmbudsmannes entspricht.Die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten muss zur Eingangsinstanz für Eingabenwerden. Wer ein Problem mit Behörden hat, soll sich immer als erstes an die Bürgerbeauf-tragte wenden können. Der Eingaben-Ausschuß soll nicht abgeschafft werden. Im Gegenteilkönne sich durch eine regelmäßige Berichtspflicht der Beauftragten an den Eingabenausschußeine fruchtbare Zusammenarbeit ergeben. Aber es ist sinnvoll eine niedrigschwelligeAnlaufstelle zu schaffen, und dafür ist das Büro der Bürgerbeauftragten besser geeignet. Nurdie Bürgerbeauftragte hat das richtige Maß aus Nähe und Distanz zum Parlament; nur eineweitgehend unabhängige Ombudsperson kann das Vertrauen möglichst vieler derBürgerinnen und Bürger gewinnen und auch mal der Landespolitik die Stirn bieten. Einentsprechender Vorschlag des SSW ist leider in der letzten Legislaturperiode nicht aufbesonders viel Gegenliebe gestoßen. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de Der vorliegende 16. Tätigkeitsbericht der Bürgebeauftragten ist das berufliche VermächtnisSigrid Warnickes. Er hinterlässt uns eine Reihe von offenen Fragen und Problemstellungenallgemeinen Charakters. Ein letztes Mal zeigt Frau Warnicke uns auf, wo hinter den Einzel-schicksalen die Fallen der Bürokratie lauern. Denn Frau Warnicke, das sei nochmals wieder-holt, hat nicht nur gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Menschen beikonkreten Problemen beigestanden. Sie hat auch die große Gabe gehabt, den Abgeordnetenvermitteln zu können, wo sich allgemeine gesetzliche Mängel verbergen. Das zeigt auch diebeeindruckende Bilanz der Erfolge, die in dem vorliegenden Bericht nachzulesen ist. FrauWarnicke hat nicht nur Einzelfalllösungen erreicht, sondern auch Anstöße für die Änderungvon Gesetzen und Verordnungen gegeben. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger von FrauWarnicke müssen in sehr große Fußstapfen treten.Auch der SSW möchte selbstverständlich heute die Bürgerbeauftragte mit einem Blumen-strauß ehren. Aber noch so viele Blumen und Danksagungen werden aber nicht der ArbeitSigrid Warnickes gerecht. Der einzig richtige Dank für Sigrid Warnicke ist es, wenn wir unsin den Ausschüssen mit jedem einzelnen der offenen Probleme auseinandersetzen und so vieledieser Mängel wie möglich durch Gesetze oder auf anderem Wege ändern.Lassen sie mich abschließend etwas zur Nachfolge von Frau Warnicke sagen. Ich wünscheden Mehrheitsfraktionen sehr viel Augenmass bei der Neubesetzung dieses Postens. Er hatgerade den großen Vorteil gehabt, dass er aufgrund der Ansiedlung beim Parlament nichtpartei-politisiert war. Durch die öffentliche Diskussion um die Nachfolge und die öffentlicheZurschaustellung der fraktionsinternen Entscheidungsprozesse hat man uns einen Bärendiensterwiesen. Die Bürgerbeauftragte gehört nicht der SPD sondern dem gesamten Landtag.Deshalb hoffe ich, dass wir bald gemeinsam eine würdige Nachfolgerin oder einen würdigenNachfolger für Sigrid Warnicke wählen können. Internet: http://www.ssw-sh.de; e-mail:info@ssw-sh.de