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23.03.01 , 14:01 Uhr
SPD

Friedrich-Carl Wodarz zum Dringlichkeitsantrag MSK

Sozialdemokratischer Informationsbrief


Landtag Kiel, 23.03.2001
aktuell Es gilt das gesprochene Wort!


Sperrfrist: Redebe- ginn Friedrich-Carl Wodarz zum Dringlichkeitsantrag:

Impfungen gegen die Maul- und Klauenseuche


Es war ja in unseren gestrigen Redebeiträgen als Thema ständig präsent. Eine alte, nun wieder neu aufgetauchte Geißel der Landwirtschaft ist wieder da: Die Maul- und Klauenseuche. Der Unterschied von MKS zu BSE ist aber: Wir wissen sehr viel über diese Krankheit, es gibt Impfstoffe, auch gegen den neuen Erreger, die Krankheit ist ungefährlich für den Menschen, d.h. selbst Fleisch von befallenen Tieren kann ohne Gesundheitsrisiko verzehrt werden.

Im Unterschied zu BSE kennen wir die Übertragungswege - und die sind so vielfältig und effektiv, dass wir die Ausbreitung der Seuche kaum kontrollieren können. MKS gehörte in den 50er und 60er Jahre zum alltäglichen Seuchengeschehen in Deutsch- land. Von 1967 bis 1991 wurde flächendeckend gegen MKS geimpft. Danach galt die Seuche als bekämpft, und aus marktpolitischen Gründen verzichtete die EU auf Druck Englands auf weitere Impfungen.


Schleswig- Holstein

Herausgeber: SPD-Landtagsfraktion Verantwortlich: Petra Bräutigam Landeshaus Postfach 7121, 24171 Kiel Tel: 0431/ 988-1305/1307 Fax: 0431/ 988-1308 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Internet: www.spd.ltsh.de SPD -2-



Weltweit war damit die Seuche aber keineswegs ausgerottet, und die Erreger haben nun ihren Weg zurück nach Europa gefunden, zunächst nach Großbritannien, jetzt auch auf den Kontinent, und es wäre fahrlässig anzunehmen, Schleswig-Holstein könnte sich dem entziehen. Die Regierung und die Veterinärämter der Kreise sind auf den Angriff vorbereitet. Die Frage stellte sich aber immer dringender: Wie halten wir es mit der Impfung? Die Bil- der brennender Halden von Tierkörperkadavern aus England stellen ein Szenario dar, das die bekannten Keulungsbilder noch übertreffen kann. Es ist schwierig, so etwas als eine Lösung anzusehen.

Gleichwohl wissen wir, dass einige Experten vor flächendeckenden Impfungen war- nen, da man nicht mehr zwischen einer Infektion und einer Impfung unterscheiden könne, und es besteht zusätzlich die Gefahr, dass unter einer „Impfdecke“ Dauerauss- cheider nicht erkannt werden und man eventuell die Seuche so nicht abschließend in den Griff bekommt. Wie bei der Schweinepest bedarf es hier eines sog. Markerimpf- stoffes, m.E. eine eher technische Frage.

Schwerer wiegt bei der derzeitigen Nichtimpfpolitik der EU das Argument, dass wichti- ge Abnehmerstaaten unseres Fleisches kein Fleisch geimpfter Tiere abnehmen. Dazu zählen in erster Linie Japan und die USA. Letztere haben allerdings schon jetzt ange- kündigt, ihre eigenen Bestände sofort zu impfen, sobald die Seuche in den USA aus- brechen sollte.

Eine weitere Möglichkeit ist die sog. Ringimpfung. Man versucht, einen ausgemachten infizierten Bestand großräumig mit einem Impfring einzukreisen. Die befallenden Tiere werden aber sofort gekeult. Diese Möglichkeit lässt die EU m. W. als Ausnahmerege- lung zu. Eine derartige Impfregion wird mit einem Verbringungsverbot belegt, und das Fleisch darf nur in den innerstaatlichen Handel kommen.

Die Diskussion über den richtigen Weg ist in der EU umstritten, und selbst in Deutsch- land gab es unter den Agrarministern unterschiedliche Positionen. Wir wollen und wer- -3-



den in Schleswig-Holstein keinen Alleingang unternehmen. Das wäre nicht nur markt- politischer sondern auch seuchenpolitischer Unsinn. Wenn wir jetzt hören, dass sich die Konferenz der Agrarminister für differenzierte Bekämpfungsschritte ausspricht, so halte ich das für allemal besser als flächenhaft zu keulen.

Es kann weiterhin der ganze Bestand sofort getötet werden, es kann bei unklaren Si- tuationen ein ganzer Bestand geimpft werden, und die Ringimpfung ist ebenfalls an- wendbar. Ich gebe aber zu bedenken: Ob mit oder ohne Impfung – die großen Ab- nehmer unserer Fleischprodukte haben ihre Märkte ohnehin gesperrt. Von daher än- dert sich nichts. Spektakuläre Keulungsaktionen sind aber kaum noch zu ertragen. Nicht nur für die Landwirte, auch für jeden Menschen, dem das Tier noch ein Mitge- schöpf ist. Ich glaube auch, dass die Verbraucher auf diese Tierkrankheit gelassener reagieren, zumal insbesondere älteren Menschen das alles noch recht vertraut ist.

Nehmen wir den CDU-Antrag also in den Ausschuss in die Beratung, wir hatten ja in der letzten Ausschusssitzung bereits auf Antrag der SPD über MKS diskutiert, und ich befürchte, wir werden uns damit noch etwas länger beschäftigen müssen.

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