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24.04.01 , 13:20 Uhr
B 90/Grüne

Lehrkräfte für die Schule als Lern- und Lebensort - Gesamte Ausbildung an der Praxis ausrichten!

PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
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Nr. xxx.00 / xx.xx.2000



Lehrkräfte für die Schule als Lern- und Lebensort - Gesamte Ausbildung an der Praxis ausrichten!

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern eine weitgehende Neuordnung der Lehreraus- und fort- bildung. Dazu stellen Angelika Birk, bildungspolitische Sprecherin, und Karl-Martin Hent- schel, Fraktionsvorsitzender, gemeinsam mit Monika Obieray, Landesverbandssprecherin, folgendes Konzept vor.

Vorbemerkung:
Lehrerinnen und Lehrer werden bisher an der Universität überwiegend fachwissenschaftlich ausgebildet. Pädagogik, Didaktik und Psychologie spielen in der ersten Phase der Ausbil- dung eine zu geringe Rolle. Insbesondere an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wer- den in vielen Fächern nicht explizit LehrerInnen ausgebildet, sondern dies geschieht am Rande bei der Ausbildung von BiologInnen, MathematikerInnen, RomanistInnen oder Histori- kerInnen usw.. Entsprechend haben Studieninhalte und Unterrichtsinhalte kaum etwas mit- einander zu tun.
Der Praxisbezug in der Lehrkräfteausbildung ist zu gering und kommt zu spät. Immer noch kann es deshalb passieren, dass StudentInnen erst nach Abschluss des ersten Examens feststellen, dass sie nicht mit Kindern zurechtkommen, und dann trotzdem LehrerIn werden. Daran leiden sie selbst und auch die Kinder, aber aufgrund der guten Absicherung kommt ein Wechsel in einen anderen Beruf meist nicht in Frage. Die Weiterbildung von Lehrkräften ist immer noch zufällig und mehr von privaten Neigungen als von einem systematischen Update der erforderlichen Kenntnisse und Kompetenzen ge- prägt. Die gezielte Weiterbildung von geeigneten Lehrkräften für Leitungs- und Funktionsauf- gaben findet zur Zeit eher zufällig und unzureichend statt.
Deshalb muss die bisherige Lehrerausbildung reformiert werden. Wir fordern:
• mehr Praxisbezug, • eine Neuausrichtung der Studieninhalte, • eine zielgenaue Weiterbildung.
Die Schule der Zukunft soll ein Bildungs-, Kultur- und Lebenszentrum am Ort oder im Stadt- teil sein, das ganztägig geöffnet ist und neben Unterricht, Schularbeitenhilfe auch Weiterbil- dung, Volkshochschule, Arbeitsgemeinschaften, Jugendarbeit, Sport, Tanz und Kultur integ- riert.
Deswegen erfordert die Schule der Zukunft auch eine andere Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer.

Einstufige Lehrerausbildung
1. Die erste und die zweite Phase der Lehrkräfteausbildung werden zusammengelegt. Da- bei wechseln sich Praktika und Theorie ständig ab. Es sollte eine Gesamtstudienzeit ein- schließlich Praxis von zehn Semestern für GymnasiallehrerInnen, neun Semestern für RealschullehrerInnen und BerufsschullehrerInnen und acht Semestern für Haupt- und GrundschullehrerInnen angestrebt werden.
2. An die einphasige Ausbildung schließt sich eine zweijährige Einführungsphase an, wäh- rend der die JunglehrerInnen bereits voll unterrichten, aber durch eine Coaching- Patenschaft durch erfahrene Lehrerkräfte beratend unterstützt werden. Dazu gehört auch eine professionelle Supervision.

Neuausrichtung der Studieninhalte
3. Das Studium soll aus drei Hauptteilen bestehen: a) Pädagogische Grundausbildung b) Unterrichtsbezogenes Fachstudium, c) Wissenschaftliches Fachstudium.
4. Die pädagogische Grundausbildung soll in neu zu gründenden Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung an den Universitäten stattfinden. Hier arbeiten Fachwissenschaftle- rInnen und SchulpraktikerInnen zusammen. SchulpraktikerInnen muss es ermöglicht werden, durch Weiterqualifizierung an die Hochschulen zu kommen. Damit wird auch gewährleistet, dass die Schule und der Unterricht selbst verstärkt Gegenstand der wis- senschaftlichen Forschung werden. In diesem Zusammenhang sollte die Idee der Uni- versitätsschule der Uni Flensburg aufgegriffen werden.
5. Die pädagogische Grundausbildung umfasst folgende Gebiete: a. Kinder- und Erwachsenenpädagogik, einschließlich Geschlechterpädagogik. b. Didaktik und Medieneinsatz (neue Formen des Lehrens und Lernens, besondere Berücksichtigung der Einsatzmöglichkeiten der neuen Medien). c. Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie einschließlich der Fähigkeit zu Selbstre- flexion (Supervision). d. Integration von Einwandererkindern, einschließlich Deutsch als Fremdsprache. e. Neben der Qualifizierung für den Unterricht und die pädagogische Arbeit mit Schü- lern sollen auch weitere Qualifikationen in die Ausbildung aufgenommen werden, die für die Tätigkeit als LehrerIn an staatlichen oder privaten Bildungseinrichtungen oder für Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung nötig sind. Dazu gehören Elternar- beit, Freizeitarbeit, Projektunterricht, Klassenfahrten und Veranstaltungsorganisati- on. f. Einführung in das Schulmanagement (sowohl auf staatliche wie auf private Bil- dungsträger bezogen). Schule als lernendes System kann nur funktionieren, wenn alle pädagogischen Kräfte nicht nur unterrichten, sondern dazu beitragen, die Schulorganisation weiterzuentwickeln. g. Sowohl die Lehrkräfteausbildung als auch die Ausbildung für ErzieherInnen und So- zialpädagogInnen soll auf das künftige Leitmodell "Zusammenarbeit von Jugendar- beit und Schule" ausgerichtet werden. Damit soll ein flexibler Einsatz der verschie- denen Berufsgruppen ermöglicht werden.
6. Das wissenschaftliche Fachstudium muss die Grundlagen dafür vermitteln, dass der schulische Fachunterricht inhaltlich, methodisch und systematisch qualifiziert und auf hohem Niveau erfolgen kann. Ausbildungsdauer und Umfang der wissenschaftlichen In- halte müssen auf die jeweiligen Schultypen zugeschnitten werden.
7. Das unterrichtsbezogene Fachstudium besteht aus dem Studium des Unterrichtsstoffes und der Fachdidaktik. Dafür sind an den fachwissenschaftlichen Fakultäten eigene Lehr- stühle einzurichten.
8. Betriebspraktika werden Bestandteil der Aus- und Weiterbildung für Lehrerkräfte. Dabei sollen im Rahmen der Praktika auch Einblicke in unterschiedliche Bereiche gewonnen werden wie Handwerk, Handel, Industrie oder Dienstleistungsbereich.

Quereinsteigerausbildung 9. Es sollen Weiterbildungsmodule für QuereinsteigerInnen aus verwandten Berufen ange- boten werden, die je nach Vorerfahrungen der Bewerber zwei bis vier Semester dauern können. Im Rahmen dieser Module werden die jeweils fehlenden fachwissenschaftlichen oder pädagogischen Bestandteile der Ausbildung nachgeholt.
10. Für QuereinsteigerInnen, die bereits im außerschulischen Bildungsbereich tätig waren, soll auch der Soforteinstieg mit begleitender Weiterbildung möglich sein.

Weiterbildung
11. Es wird eine Agentur für Bildungsinformation gegründet (siehe Empfehlungen der Fach- kommission des Bildungsministeriums), in der MitarbeiterInnen der Zentren für Lehrerbil- dung und Schulforschung, von privaten Weiterbildungsanbietern und FachdidaktikerIn- nen der fachwissenschaftlichen Institute mitarbeiten. Aufgaben sind a. die Pflege des Landesbildungsservers (einschließlich einer Datenbank für Unter- richtsmaterialien und Weiterbildungsangebote), b. die Lizensierung von Weiterbildungsangeboten.
12. Das Ziel muss eine regelmäßige Weiterbildung für alle LehrerInnen sein. Die Mittel für die Weiterbildung sollen als Budget an die Schulen gegeben werden. Die Schulen entwi- ckeln Weiterbildungspläne in eigener Verantwortung entsprechend ihren jeweiligen Er- fordernissen für die einzelnen Lehrkräfte.
13. Die Durchführung der Weiterbildung erfolgt nach Wahl der Schulen entweder durch die Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung an den Hochschulen, durch private Wei- terbildungsträger, durch Online-Fortbildung oder durch schulinterne Veranstaltungen mit externen Fachleuten.
14. Aktuelle Schwerpunkte der Weiterbildung sollen sein: Medienpädagogik, Psychologie, die Zusammenarbeit von Jugendarbeit und Schule, die Integration von Einwandererkin- dern sowie Unterstützung bei der Berufsorientierung und Lebensplanung.

Weiterbildung für Leitungs- und Funktionsaufgaben
15. Ein neuer Teil der Weiterbildung ist die Weiterqualifizierung für Leitungsaufgaben (in den Bereichen Führungsqualifikation, Personalentwicklung, Lehrplangestaltung, Schul- management und Betriebswirtschaft). Diese ist Vorraussetzung für die Bewerbung auf entsprechende Aufstiegspositionen (FachleiterInnen, StufenleiterInnen, Funktionsstellen und SchulleiterInnen). Dabei müssen auch bessere Anreize für solche Positionen ge- schaffen werden. ***

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